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Jürgen Raab
"Ich fühle mich in Budberg pudelwohl."

Jürgen Raab: "Ich fühle mich in Budberg pudelwohl."
Nach sechs Spieltagen hat der neue Budberger Coach Jürgen Raab gut Lachen: Seine Mannschaft schaut sich die Liga vom Tabellengipfel mit 18 Punkten an. FOTO: armin fischer
Xanten. Frauenfußball-Niederrheinliga: Der neue Trainer des SV Budberg zieht nach sechs Spieltagen eine erste Bilanz. Seine Mannschaft dominiert die Konkurrenz. 26:2 Tore und die Maximalausbeute von 18 Punkten sind mittlerweile verbucht. Von Stefanie Kremers

Budberg Jürgen Raab wurde im Mai als neuer Trainer der Niederrheinliga-Fußballerinnen des SV Budberg verpflichtet. Dem 52-Jährigen steht mit Nele Harting eine ehemalige Budberger Spielerin als Co-Trainerin zur Seite. Vor seiner Zeit in Budberg war der Übungsleiter schon über zehn Jahre im Frauenfußball beim MSV Duisburg tätig und leitete zuletzt die U 17 von Bayer Leverkusen. Zusammen mit Raab hat der SVB einen Traumstart hingelegt und dominiert nach sechs Partien die Spielklasse. Im RP-Gespräch zog Raab eine erste Bilanz und äußerte sich zur Aufstiegs-Thematik.

Herr Raab, hätten Sie der Mannschaft diesen Traumstart zugetraut?

Raab Nein, das hätte ich nicht. Ich muss da weiter ausholen. Es war eine schwierige Geschichte. Der Kader war eng, und ich bin spät verpflichtet worden. Da waren viele Spielerinnen auf dem Markt schon weg. Wir hatten da in zwei Punkten Glück. Erstens, dass ich viele Leute kenne und zweitens, dass Duisburg II sich zur U 21 umstrukturiert hat. So haben wir einige Spielerinnen bekommen.

Wenn Sie die vergangenen Wochen und Monate Revue passieren lassen: Sind Sie in Budberg angekommen?

Raab Ich fühle mich in Budberg pudelwohl. Ich habe eine Mannschaft mit einer hohen Sozialkompetenz, die fußballerisch richtig was kann. Ich kann hier stressfrei arbeiten und habe keine Vorgaben.

Von der Konkurrenz werden Sie als Aufstiegsfavorit gehandelt. Ist die Meisterschaft ein offenes Thema?

Raab Für Budberg waren es zwei turbulente Jahre. Es war wichtig, Ruhe in die Mannschaft reinzubringen. Das haben wir geschafft. Wir wissen alle, dass wir erst mal gut durch die nächsten drei Spiele gegen Hemmerden, Walbeck und Solingen kommen müssen, um oben zu bleiben. Meisterschaften werden im Winter entschieden, wenn die Plätze schlecht sind und man die Ärmel hochkrempeln und fighten muss. Daher können wir uns in der Winterpause noch mal über einen Aufstieg unterhalten, wenn Anträge für die Regionalliga gestellt werden müssen.

Man hat das Gefühl, dass Ihre Elf kaum zu bezwingen ist.

Raab Nein, das wäre vermessen und überheblich. Wir wissen alle, welchen Stand wir hatten, als ich Ende August aus dem Urlaub kam und wie wir im Niederrhein-Pokal gegen Warbeyen gestartet sind. Auch wenn die Ergebnisse etwas anderes aussagen, müssen die Mädels sich immer wieder zusammenreißen. Mit jedem Sieg steigt aber natürlich das Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Da war es Sonntag in Linde vielleicht ganz gut, zunächst zurückzuliegen. Das kannten wir in dieser Saison noch gar nicht.

Was ist das Erfolgsrezept ihres Teams?

Raab Wenn ich die Entwicklung der Mannschaft anhand der Tabelle bewertete, ist das einfach überragend. Im vergangenen Jahr hat Budberg 56 Tore geschossen und 55 kassiert. Nach sechs Spielen haben wir nun schon 26 Tore erzielt und nur zwei Gegentore kassiert. Die Grundlage ist die Defensive. Wenn es jemand in unserer momentanen Verfassung schafft, uns dort zu bezwingen, dann war er wirklich gut oder wir wirklich schlecht. Es ist sehr schwer, gegen unsere Defensive aus dem Spiel heraus ein Tor zu erzielen. Wir wissen aber, dass wir im spieltaktischen Bereich noch Luft nach oben haben. Auch das Stellungs- und Passspiel können wir noch verbessern. Es ist gut, dass wir hier noch Luft nach oben haben, wir müssten uns sonst ja immer nur sonntags treffen.

Haben Sie eine Trainerphilosophie?

Raab Ich achte auf viele Details, die oft im Frauenfußball vergessen werden. Diese machen oft den Unterschied.

Welche Details sind das?

Raab Beispielsweise trainieren wir viele Laufwege, machen aber keine reinen Laufeinheiten. Eigentlich machen wir nie was ohne Ball. Die Grundausdauer können die Mädels zuhause trainieren.

Hatten Sie auch ein glückliches Händchen bei der Kaderzusammenstellung?

Raab Die eingesessenen Spielerinnen sind menschlich top. Und auch die Neuzugänge, die gekommen sind, passen menschlich in die Mannschaft. Viele Spielerinnen nehmen weite Fahrtwege fürs Training oder Spiel auf sich. Das ist nicht selbstverständlich. Natürlich haben wir auch ein, zwei schwierige Charaktere. Im Frauenfußball ist es aber wichtig, dass es keinen Zickenkrieg gibt und das passt bei uns. Da darf man eine Nele Harting im Übrigen auch nicht vergessen. Sie war ebenfalls solch eine Glücksverpflichtung. Nele kennt die meisten im Team sehr gut, bringt sich gut ein und bekommt auch noch einmal andere Dinge mit.

Wird es zur Winterpause trotzdem neue Namen in der Kaderliste geben?

Raab Wir haben offensive Leute im Blick und schauen, was in anderen Vereinen passiert, ich werde aber keine Namen nennen.

Rein hypothetisch: Wäre der jetzige Kader bei einem Aufstieg auch Regionalliga-tauglich?

Raab Gerade wenn es zu dieser Überraschung kommen würde, müssten wir den Kader in der Breite weiter ausstatten. Wir bräuchten schon auf ein paar Positionen stärkere Spielerinnen, die taktisch gut ausgebildet sind. Mit diesem Kader hätten wir wahrscheinlich Schwierigkeiten, in der Regionalliga zu bestehen.

Quelle: RP
 
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