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Michael Müller
"Ich plane meine Freizeit ohne Fußball"

Michael Müller: "Ich plane meine Freizeit ohne Fußball"
Scheut keinen Zweikampf: Die Landesliga-Mannschaft des SV Sonsbeck muss in der kommenden Saison ohne Michael Müller (rotes Trikot) auskommen. FOTO: Busch (Archiv)
Xanten. Der Kapitän des Landesligisten SV Sonsbeck geht am Saisonende von Bord. Trainer möchte der 30-Jährige nicht werden.

Sonsbeck Morgen wird Michael Müller das letzte Mal als Spieler des SV Sonsbeck vor heimischer Kulisse auflaufen. Er gibt am Saisonende seine Kapitänsbinde weiter. Vor dem Derby gegen den VfL Repelen (Anstoß 15 Uhr) erzählt der 30-Jährige, wie er sich seine Zukunft vorstellt.

Herr Müller, über zehn Jahre spielen Sie für den SV Sonsbeck, Anfang Juni ist Schluss. Wann ist diese Entscheidung gereift?

Michael Müller Ich habe schon vor dieser Saison mit dem Gedanken gespielt, aufzuhören. Ich habe mich dann aber doch entschieden, noch ein Jahr dranzuhängen, weil ich Spaß am Fußball habe und gesund bin. Allerdings stand schon damals fest, dass in diesem Sommer dann wirklich Schluss ist. Ich fand's sehr angenehm, dass der SV Sonsbeck in diesem Jahr nicht mehr versucht hat, mich umzustimmen. Alle haben meine Entscheidung akzeptiert.

Warum haben Sie sich so entschieden?

Müller Weil ich die Zeit, die ich für den Fußball investieren muss, so glaube ich, sehr gut auch anderweitig nutzen kann. Das gilt sowohl in privater als auch in beruflicher Hinsicht. Dreimal in der Woche zu trainieren und den gesamten Sonntag unterwegs zu sein, ist anstrengend und kostet viel Zeit.

Trauen Sie sich den Schritt denn zu, geht es so ganz ohne Fußball?

Müller Ich werde natürlich sportlich aktiv bleiben. Unter anderem möchte ich gerne mehr Tennis spielen. Das habe ich zuletzt schon nebenbei gemacht, und es gefällt mir richtig gut. Zudem weiß ich nicht, ob ich wirklich komplett mit dem Fußball aufhören werde. Zum Beispiel ist schon Borussia Veen an mich herangetreten.

Also wird's doch eher Vereinswechsel als Karriereende?

Müller Nein, das kann man so nicht sagen. Erst mal plane ich meine Freizeit ohne Fußball. Wenn ich irgendwann das Gefühl habe, ohne geht es doch nicht, dann kann ich bei der Borussia mittrainieren. So sind wir verblieben. Dann steht bei mir aber der Spaß absolut im Vordergrund. Ich habe keinen großen Druck.

Was bleibt denn hängen nach über zehn Jahren SV Sonsbeck?

Müller Natürlich nehme ich viele schöne Erinnerungen an große sportliche Erfolge mit, wie etwa Aufstiege oder wichtige Spiele, die wir gewonnen haben. Zudem waren sicherlich Partien vor großer Kulisse, wie etwa gegen Uerdingen oder Wuppertal eine besondere Erfahrung. Eigentlich noch wichtiger sind aber die Kontakte und Freundschaften, die ich mit Mitspielern und mit vielen Leuten aus dem Umfeld geknüpft habe. Das bleibt auch nach dem Ende erhalten.

Gab's Phasen, in denen Sie mit einem Wechsel kokettiert haben?

Müller Fest steht, dass ich mich hier sehr wohl gefühlt habe. Es war für mich wichtig, dass in der Mannschaft immer ein gewisser Stamm zusammengeblieben ist. Zudem ist Sonsbeck für mich auch einfach gut zu erreichen gewesen. Natürlich war ich mal unzufrieden, aber ein Wechsel kam für mich nie ernsthaft in Frage.

Ab dem Sommer muss der SVS nun trotzdem ohne Sie auskommen. Wer schießt denn dann die Elfmeter?

Müller Es stimmt schon, dass ich in den ersten Jahren dafür recht zuverlässig zuständig war. Aber zwischenzeitlich habe ich diese Aufgabe schon immer mal wieder abgegeben. Ich glaube, dass das die Mannschaft gut auffangen wird. Ohnehin bin ich davon überzeugt, dass das Team meinen Abgang gut verkraften wird. Der Verein wird auch ohne mich erfolgreich bleiben.

Diese Saison allerdings verlief nicht nach Wunsch. Sie hätten Sonsbeck vermutlich lieber nach einer Aufstiegsfeier verlassen, oder?

Müller Natürlich wäre das schöner gewesen. Das war am Anfang der Saison das Ziel. Nach der Negativserie war das aber recht schnell vergessen. Dennoch nehme ich auch noch aus diesem Jahr Positives mit. Wir haben in der Landesliga ganz anders Fußball gespielt. Viel Ballbesitz zu haben und Spiele zu bestimmen und nicht nur auf Konter zu spielen, macht dann auch mal wieder Spaß.

Vielleicht sieht man Sie demnächst dann als Trainer an der Seitenlinie?

Müller Das glaube ich nicht. Ich habe schon mal in das Trainergeschäft reingeschnuppert, das ist aber nichts, was in meinem Plan steht oder was ich ambitioniert verfolgen möchte. Jetzt genieße ich erst mal meine neu gewonnene Freizeit.

JOHANNES HEIMING FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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