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Lokalsport
"Mutti" unterstreicht ihre Ambitionen

Rheinberg/Rio De Janeiro. Isabell Werth wird morgen in Rio als Schlussreiterin der deutschen Dressurequipe mit Weihegold im olympischen Grand Prix zu sehen sein. Die Rheinbergerin will mit der Mannschaft ihr sechstes Gold bei Weltspielen gewinnen. Von Michael Rossmann (Dpa) und Rene Putjus

Die Spannung steigt bei der deutschen Dressur-Equipe. Die erste Entscheidung der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro naht. Alle Pferde haben den Vet-Check, die vorgeschriebene tierärztliche Untersuchung, bestanden. Heute beginnt um 15 Uhr mitteleuropäischer Zeit der Grand Prix als erste Qualifikationprüfung für die Mannschafts- und Einzelwertung. Sönke Rothenberger mit Cosmo und Dorothee Schneider mit Showtime machen den Auftakt. Am Donnerstag folgt Kristina Bröring-Sprehe mit Desperados sowie als Schlussreiterin Isabell Werth mit Weihegold. Die Rheinbergerin hat die Startplatznummer 60 erhalten.

Werth betonte vor ihrem ersten offiziellen Ritt auf brasilianischem Boden nochmals, dass ihr Statistiken ziemlich egal sind und sie sich deshalb auch nicht mit dem Szenario beschäftigt, in der ewigen olympischen Rangliste deutscher Medaillengewinner vorzurücken. "Ich weiß nicht, wo ich auf welcher Liste stehe", versicherte die 47-Jährige und schob hinterher: "Das ist für mich nicht wichtig." Noch liegt sie in der Rekordliste hinter dem legendären Reiner Klimke. Mit einer sechsten Goldmedaille, die mit dem favorisierten deutschen Team wahrscheinlich ist, würde Werth vorbeiziehen. Sie wäre dann mit sechs goldenen und drei silbernen Medaillen die Nummer eins des olympischen Pferdesports.

Begonnen hat die glänzende Karriere von Werth vor 24 Jahren in Barcelona. Der berühmte Gigolo trug die damals 23-Jährige zur ersten Goldmedaille mit dem deutschen Team. Vier Jahre später in Atlanta gab's sogar Doppel-Gold. Den bisher letzten Olympiasieg feierte Werth 2008 in Hongkong mit dem Team. Dort schien sie im Einzel schon auf dem Weg zum sechsten Gold, doch dann "flippte" Satchmo im Viereck kurz aus. Es reichte noch zu Silber. Der Rekord aber blieb bei Klimke, der 1999 verstorben ist. "Es ist auch ohne Zahlen schön, darauf zurückzublicken", sagte Werth zu ihrer bemerkenswerten Serie von Erfolgen, zu der auch sieben goldene WM-Medaillen gehören. Grinsend fügt sie an: "Nichts ist älter als der Erfolg von gestern." Medaillen seien nicht ihr Ehrgeiz.

"Wichtig ist für mich die Ausbildung von Pferden, dass ich sie in den Sport bringe. Ich habe eine Vision bei einem jungen Pferd und will sehen, ob sie sich bewahrheitet. Das macht mir Spaß." Bei Weihegold könnte das der Fall sein. Dabei war die elfjährige Stute nicht erste Wahl für Rio, sondern nur die dritte. Bella Rose hieß Werths Favoritin. Doch die Stute war viele Monate verletzt, ein Start in Brasilien unmöglich. "Der Ausfall von Bella hat mich tief getroffen", räumte Werth gestern ein. Sie sei in ein tiefes Loch gefallen. "Ich musste den Kopf wieder frei bekommen."

Isabell Werth ist ein sehr emotionaler Mensch. Ihre Fröhlichkeit ist ansteckend. Aber keine andere Reiterin kann auch so hemmungslos weinen. Trotz des Ersatzpferdes ist für Werth die Zielsetzung klar. "Wir haben eine super-starke Mannschaft, wir sind super aufgestellt", meinte die erfahrenste Dressurreiterin des deutschen Quartetts. "Unser Anspruch kann es nur sein, um Gold zu kämpfen." Ihre Teamkollegen bewundern die Blondine aus Rheinberg, die sie augenzwinkernd "unsere Mutti" nennen. "Sie ist einfach gigantisch", schwärmte Kristina Sprehe-Bröring erst gestern wieder: "Wir haben alle einen Heiden-Respekt vor ihr." Die 29-Jährige ist sich sicher: "Isabells Erfolge sind einfach überragend - ich schaffe das nicht mehr."

Quelle: RP
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