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Rohrbach - ein Kapitän außer Dienst

Lokalsport: Rohrbach - ein Kapitän außer Dienst
FOTO: Detlef Kanthak
Millingen. Der Spielführer des Fußball-A-Ligisten SV Millingen hatte sich zum Saisonauftakt schwer am linken Knie verletzt. Die Spielzeit ist für den 26-Jährigen gelaufen. Von Detlef Kanthak

Rückblick. Sportplatz an der Jahnstraße. Sonntag, 14. August. Erster Spieltag der neuen Kreisliga A-Saison. Der SV Millingen ist auf gutem Weg, die Gäste der Veener Borussia geschlagen nach Hause zu schicken. Es steht 1:0. Henning Rohrbach, der Spielführer der Blau-Weißen, hat einen Strafstoß zur Führung verwandelt (66.). Nun tritt Mitspieler Kevin Schäfer an, vergibt den zweiten Elfmeter aber (76.). Hätte Rohrbach in der nächsten Szene nicht versuchen müssen, den Konter der Veener und das drohende 1:1 zu verhindern. Dann hätte es nicht dieses leichte Knacken im Knie des Kapitäns gegeben, das Rohrbach sofort ein ganz unangenehmes Gefühl bescheren sollte.

"Kein großer Schmerz", erinnert sich der 26-Jährige drei Monate später an die Szene. Nur die Ahnung, "dass da etwas instabil war", sei sofort da gewesen. "Ich habe mich kaum noch getraut, aufzutreten", gesteht der Spielführer, für den damit nicht nur die Partie, sondern auch schon die gesamte Saison beendet war. Eine MRT-Untersuchung des Knies sorgte für Gewissheit, dass das "leichte Knacken" der Bote eines gerissenen Kreuzband im linken Knie war. "Ein Teil von mir hat es natürlich geahnt, der andere Teil aber war geschockt", beschreibt Rohrbach seine Gedanken nach der Diagnose.

Szene aus dem Spiel des SV Millingen gegen Veen, in dem sich Henning Rohrbach (rechts) verletzte. FOTO: Fischer

Inzwischen ist die Operation überstanden und die Gehhilfen durften schon wieder in die Ecke gelegt werden. Zeit für den Fußballer, an den Fahrplan für die kommenden Monate zu denken. Physiotherapie, zweimal in der Woche, dazu Training für die Muskulatur im Fitnessstudio, "Hauptsache, raus und bewegen", sagt Rohrbach, der bei allem Elan aber kein Risiko eingeht. "Mein Ziel ist die Vorbereitung im kommenden Sommer", erklärt er. Dafür hat er auch grünes Licht von den Ärzten erhalten.

So bleibt in den nächsten Monaten für den Fußballer nur der Blick auf die Millinger Mannschaft. Und die kicken tatsächlich im Moment so, dass es für den Kapitän außer Dienst die reine Freude ist. Das Team belegt den vierten Platz. "Den Rang würden wir am Ende der Saison sofort nehmen", versichert Henning Rohrbach, für den der SV Millingen längst zu einer Herzensangelegenheit geworden ist, obwohl auch andere Vereine ihren Platz in der Historie haben. Rohrbach begann beim TuS 08 Rheinberg, ehe er in der C-Jugend zum damals bestens aufgestellten OSC Rheinhausen und später noch zum VfL Repelen wechselte. Erst als junger Senior ging's zur Jahnstraße. Der SVM war gerade in die Bezirksliga aufgestiegen, das Abenteuer dauerte drei Jahre und verhalf Rohrbach zum Sprung in höhere Sphären. Der SV Sonsbeck und dessen damaliger Trainer Horst Riege setzten auf das Talent, das es in zwei Jahren auch zu 43 Spielen und vier Treffern in der Oberliga bringen sollte. Nach einem halbjährigen Abstecher zum damals noch in der Landesliga spielenden Traditionsverein Hamborn 07 drängte das Studium mit den Fächern Sport und Geschichte auf seinen Abschluss und den Fußballer daher wieder zum SVM zurück, dessen Abstieg in die Kreisliga B zu diesem Zeitpunkt aber schon nicht mehr zu verhindern war. Mit 18 Treffern und der Kapitänsbinde am Arm war Rohrbach maßgeblich am sofortigen Wiederaufstieg beteiligt; die gleiche Quote der Millinger Nummer 10 verhalf dem Club in der letzten Saison, sich wieder in der A-Liga zu etablieren.

"In der Mannschaft stimmen Kameradschaft und Freundschaft", erklärt er. Ein dickes Pfund für den Verein, also legt er sich fest. "Den SV Millingen werde ich nicht mehr verlassen."

Noch vier, fünf Jahre als aktiver Spieler im blau-weißen Dress, vielleicht sogar etwas mehr, man wird sehen, peilt Rohrbach an. Und dann? "Ein Traineramt würde mich schon sehr reizen", wagt er einen ersten Blick nach vorn. Um dann aber unterwegs schnell noch einmal Halt zu machen. "Wenn alles gut geht, lasse ich mich im letzten Saisonspiel für die letzten fünf Minuten einwechseln", hätte er einen Vorschlag. Dann hätte auch diese Spielzeit noch ihr gutes Ende gefunden.

Quelle: RP
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