| 00.00 Uhr

Lokalsport
Spielerische Integration

Rheinberg. Carolin Tatzel treibt Sport mit Flüchtlingskindern. Die RP und Volksbank Niederrhein zeichneten das Projekt des TuS 08 Rheinberg aus. Von Sabine Hannemann

Die achtjährige Heshin ist als Torhüterin in ihrem Element. Die große Freude am Fußballspiel ist der kleinen Irakerin im Sportdress anzumerken. Das runde Leder hält sie beinahe wie ein Profi und lässt sich von den Spielern und ihren Ballkünsten nicht irritieren. Zusammen mit anderen Kindern und Jugendlichen verschiedener Nationalitäten gilt der Mannschaftsport in der Turnhalle des Rheinberger Amplonius-Gymnasiums mit als eines der Highlights in ihrer ansonsten eher trostlosen Woche. Wer hat's gemacht? Carolin Tatzel, die 20-jährige Studentin, ist zusammen mit dem TuS 08 Rheinberg Initiatorin des Projekts "Sport für Flüchtlingskinder". Die Rheinische Post und Volksbank Niederrhein zeichneten sie und den Verein jetzt im Rahmen des "Nachwuchssportler-Wettbewerbs" aus.

"Weil es mir halt sehr viel Spaß macht, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten", sagt die Rheinbergerin. Sie studiert Kindheitspädagogik an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve. Und weil Sport, Spaß, Bewegung und Teamgeist zu ihr gehören, hat sie sich direkt zu Beginn für die Flüchtlinge Rheinbergs interessiert. Anfangs hat sie über den Arbeitskreis Asyl der Stadt für ihre sportliche Idee geworben. Mit Erfolg, wie die ersten Nachmittage zeigten. Über den Arbeitskreis Asyl ist Tatzel stets über die aktuelle Situation der Flüchtlinge informiert.

Die Rheinbergerin hält sich neben dem Studium den Nachmittag für das Sportprojekt frei, "weil uns die Kinder und Jugendlichen ganz viel zurückgeben", sagt Carolin Tatzel. "Integration geschieht spielerisch besser über den Sport und dabei gelingt es, dass die Kinder und Jugendlichen schnell aus ihrem Alltag rauskommen und einfach ihre aktuelle Situation vergessen können. Sie lernen beim Sport auch schnell neue Leute kennen", weiß Tatzel. Deutsch verstehen die Teilnehmer bereits ganz gut. Wird etwas nicht sofort verstanden, ist bei dem Aufgebot an Nationalitäten eine Übersetzung schnell parat. Das Angebot ist offen, jeder kann mitspielen und sogar noch Freunde mitbringen. Wie viele am Mittwochnachmittag in die Turnhalle kommen, weiß Carolin und ihr Betreuerteam vorher nie genau.

Als sie vor über einem Jahr das Angebot für eine Mannschaftssportart aufstellte, fehlte es an allen Ecken und Enden. "Wir haben erst mal die nötigsten Sachen besorgt wie Stoppersocken. Keiner hatte Hallenturnschuhe", erzählt die Studentin über die Anfänge. Zwischendurch gab's dann dank Sponsoren und helfender Hände eine einfache Ausstattung mit Sportutensilien wie auch einen Satz Trikots, so dass auch bei Turnieren mitgespielt werden konnte.

"Das hat das Mannschaftsgefühl richtig gesteigert", erzählt Horst Kijewski vom Vorstand, der zugleich auch Betreuer ist. Auch für den TuS 08 lohnt sich das Engagement, wie er meint. "Wir haben echte Talente am Ball, die wir auf die entsprechenden Abteilungen verteilen und in den Verein integrieren konnten." Klar, dass sich bei so viel Engagement für Asylsuchende die Jury der Volksbank Niederrhein und RP schnell einig war. "Fantastisch, mit welchem Elan und welcher Begeisterung sich Carolin Tatzel für die Kinder und Jugendlichen einsetzt", freut sich Heinz Hendricks, Leiter der Rheinberger Volksbank-Geschäftsstelle. Eine Verwendung fürs Preisgeld hat Carolin Tatzel bereits: "Wir werden wohl den Großteil der 300 Euro in die Projekt-Ausstattung stecken."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Lokalsport: Spielerische Integration


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.