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Lokalsport
Trainingscamp mit einem Eurofighter

Lokalsport: Trainingscamp mit einem Eurofighter
Schusstraining auf Sonsbecker Kunstrasen im Schalke-Trikot: Über 80 Kinder und Jugendliche haben sich für die Fußballschule des Bundesligisten angemeldet. FOTO: Christoph Reichwein
Sonsbeck. Martin Max holte 1997 mit Schalke 04 den UEFA-Pokal. Er ist mit der Knappen-Fußballschule zu Gast in Sonsbeck. Von Peter Kummer

Für diese Woche hat der SV Sonsbeck die Lufthoheit im Willy-Lemkens-Sportpark weitgehend abgegeben. Wo ansonsten Rot-Weiß bestimmt, dominiert seit Montag Königsblau. An den Fahnenmasten wehend, im Tor von der Querlatte herunterhängend, auf dem Kunstrasenplatz. Zum zweiten Mal ist der traditionsreiche Ruhrgebietsclub zu Gast am Niederrhein und veranstaltet dort sein Kinder-Fußballcamp. Wie im vergangenen Jahr haben sich auch diesmal 80 Kids anmelden lassen, um sich von den Großen jede Menge Tipps und Tricks mit auf den weiteren Karriereweg geben zu lassen.

Wann sieht man schon mal einen Eurofighter aus nächster Nähe? In diesen Tagen in Sonsbeck. Martin Max ist das bekannteste Gesicht in den Reihen der Gäste. Immerhin war er zweimal Torschützenkönig in der Bundesliga, spielte einmal (gegen Argentinien) für die deutsche Nationalmannschaft und holte mit Schalke 1997 den bisher größten Erfolg aus der jüngeren Vereinsgeschichte an die Emscher: Den UEFA-Pokal, den das Team überraschend gegen keinen geringeren als Inter Mailand in zwei dramatischen Finalen gewann. "Das Niveau ist sehr hoch", zog der Königsblaue in der Halbzeit des ersten Tages Zwischenbilanz. "Da merkt man schon, dass viele, die im letzten Jahr dabei waren, wiedergekommen sind." Seine Kids schießen, was das Zeug hält, und lassen den Kasten richtig wackeln. Fazit von Martin Max: "Ihr seid einfach zu gut. Wir machen es schwerer." Vier Spieler, drei Pässe, direkt weitergeleitet und dann draufhämmern. "Genau so. Wenn der Pass schlecht kommt, einmal mitnehmen und dann schießen", rät der Eurofighter.

Das Sonsbecker Fußballcamp entstand 2016 aus einer Idee des Sportlichen Leiters des Vereins, Guido Lohmann, der Vorstandsvorsitzender der Volksbank Niederrhein ist. Als Partner gewann er die R + V Versicherung, die einen Sozialfonds zur Verfügung stellte. Ursprünglich sollten damit drei Campplätze gesponsort werden.

Doch der Enthusiasmus eines afghanischen Flüchtlingsjugendlichen, der in Xanten ohne seine Eltern lebt, führte zur Finanzierung eines vierten Platzes. Er wollte unbedingt an dem viertägigen Camp teilnehmen und hatte sich die Teilnehmergebühr von 180 Euro und 04 (!) Cent, in der auch Verpflegung und ein Trikotsatz enthalten sind, selbst zusammengespart. Da er so aber kaum noch Geld für den restlichen Monat zur Verfügung hatte, sprang R + V ein und erhöhte das Stipendienkontigent auf vier. "Heute Morgen war er, mit dem Rad aus Xanten gekommen, der erste auf dem Platz", freut sich Udo Evertz, Jugendleiter SV Sonsbeck, über so viel Fußballbegeisterung des 16-Jährigen.

70 kleine und größere Feldspieler sowie zwölf Nachwuchstorhüter auch von anderen Vereinen lernen in kleinen Gruppen. Solche Camps veranstalten inzwischen alle großen Vereine, aber nicht jeder fährt mit diesem Angebot auch zu anderen Vereinen. "Wir kommen gerne zu den kleineren Vereinen", betont Campleiter Tom Albrecht von der Knappen-Schule. 30 bis 40 Camps in allen Bundesländern veranstaltet der Ruhrgebietsclub im Jahr.

Albrecht: "Wenn du nicht zu Schalke kommst, kommt Schalke zu dir." Und betont, dass es nicht um ein Scouting handelt, um den Nachwuchs zu sichten, sondern um die Fußballbegeisterung zu fördern. Doch SV-Jugendleiter Evertz weiß, dass aus dem Camp durchaus ein Klassespieler heranwachsen kann. Erst unlängst wechselt nach vier Jahren Jugendtraining in Sonsbeck ein Nachwuchskicker zum MSV Duisburg. In einigen Wochen können die Sonsbecker zeigen, was sie in dem Camp gelernt haben. Am 2. und 3. September erwartet der Verein zum E-Jugend-Turnier über 60 Mannschaften, auch Kids von Schalke und des MSV.

Quelle: RP
 
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