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Lokalsport
Vorwärts, rückwärts oder gemütlich

Lokalsport: Vorwärts, rückwärts oder gemütlich
Karsten Kruck (Startnummer 458) gewann den Hauptlauf über zehn Kilometer. FOTO: Ostermann
Alpen. 419 Kinder, Jugendliche und Erwachsene gingen beim Alpener Stadtlauf auf den Rundkurs. Karsten Kruck siegte über zehn Kilometer. Von Johannes Heiming

Eigentlich war beim Alpener Stadtlauf alles wie immer. Die Sonne schien vom Himmel, auf der Tartanbahn des Sportplatzes floss der Schweiß in Strömen und die Stimme von Herbert Oymann schallte über die Lautsprecherboxen durch das weite Rund. Das löste ein Gefühl von Vertrautheit aus, fast so, als würde man nach einem Jahr einen guten alten Freund wiedertreffen. Es gab viel zu erzählen, und die Vorfreude auf neue Herausforderungen war groß. Ob vorwärts, rückwärts, gemütlich oder auf der Jagd nach Bestzeiten - Laufen verbindet.

Das unterstrich bei der 26. Auflage auch der "Trödeltrupp" der ausrichtenden LG Alpen. Gemeinsam und in gemächlichem Tempo machten sich die Sportlerinnen und Sportler auf die vier 2,5-Kilometer-Runden. Währenddessen ging ganz vorne die Post ab. Von Runde zu Runde wurde die Spitzengruppe des Hauptlaufes kleiner, auf den letzten Kilometern zeichnete sich der Sieger dann bereits ab. Karsten Kruck (Bunert Moers/Duisburg) hatte sich auch seiner letzten Konkurrenten entledigt und gewann über zehn Kilometer in 34:46 Minuten.

Erfrischung für Susanne Gramstat: Einige Anwohner hatten Gartenduschen an die Strecke aufgestellt. FOTO: Ostermann Olaf

Wenige Augenblicke später stand der Sieger entspannt im Zielbereich und freute sich über ein gelungenes Rennen. "Hat echt Spaß gemacht", resümierte Kruck, der bereits auf der Strecke Zeit für Kraft für ein paar Grüße an den Straßenrand gehabt hatte. Ein souveräner Sieg für den Mann, dem das Rennen am Ende der zweiten Runde "ein bisschen zu langsam" wurde. Der daraus resultierende Tempoverschärfung waren seine ärgsten Verfolger Mike Claaßen (35:07/LG Alpen) und Muharrem Yilmaz (35:46/Ayyo Team Essen) nicht gewachsen. Deutlich abgekämpfter, aber überaus glücklich kam nur wenig später die schnellste Frau ins Ziel. Nina Endt (LC Adler Bottrop) überquerte die Linie bei 38:36 Minuten und pulverisierte damit ihre bisherige Bestzeit. "Ich habe mich um zwei Minuten verbessert", jubelte die 17-Jährige, deren intensives Training für ein Sportstipendium Früchte trägt. Komplettiert wurde das Treppchen durch Ronja Jäger (39:37/LT DSHS Köln) und Theresa Stevens (39:47/SV Sonsbeck). Tolle Zeiten, bei denen auch der Wettergott einen kleinen Beitrag leistete. Pünktlich zum Start des Hauptlaufes hatten Wolken die Sonne verdeckt.

Dieser Luxus war den Startern über fünf Kilometer zuvor nicht vergönnt gewesen. Fabian Dichans vom Ayyo Team Essen blieb als Gewinner unter 16 Minuten (15:55). Doch die Show stahlen ihm die sechs Rückwärtsläufer, die sich fünf Minuten zuvor auf den Weg gemacht hatten. Unter ihnen weilte mit Achim Aretz ein Weltrekordler. Keiner läuft den Halbmarathon schneller als er - zumindest nicht rückwärts. Doch in Alpen musste sich Aretz einem Lokalmatador geschlagen geben. Marc-André Ocklenburg gewann den Retro Run (23:30) und erzählte anschließend gerne von der Faszination Rückwärtslaufen: Es sei eine völlig andere Belastung für die Muskulatur. Und dazu erfordere es eine große Konzentration und gute Koordination. "Im Training drehe ich mich nur sehr selten um", so "Ocki", der eben doch zumeist vorwärts unterwegs ist.

Genauso wie die Kleinsten an diesem Tag - die Bambini. Ihr Lauf über 400 Meter samt vorherigem Warmtanzen war wie immer eins der Highlights. Nicht nur für die Zuschauer, sondern auch für die Kinder, die sich im Ziel über einen Eisgutschein freuen durften - als kleine Motivationsspritze. Für einige der Kleinen war's vielleicht der Beginn einer erfolgreiche Läuferkarriere. Felix Kall ist da schon etwas weiter. Der 14-Jährige von der LG Alpen durfte sich im ersten Lauf über den Sieg freuen. Die zwei Kilometer absolvierte er in 6:59 Minuten.

Doch bei aller Freude über den erfolgreichen Tag und die starken Leistungen blieb eine Tendenz nicht unbemerkt. Mit 419 Starterinnen und Startern verzeichnete der Stadtlauf etwa 80 Teilnehmer weniger als im vergangenen Jahr. Und auch die Zuschauerzahlen wurden der Qualität der Veranstaltung nicht wirklich gerecht. Vielleicht ändert sich das, wenn der Sprung in die Enni-Laufserie gelänge. Dann ist womöglich auch im nächsten Jahr alles wie immer, nur noch besser.

Quelle: RP
 
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