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Xanten
Stadt verabschiedet Hans Walgenbach

Xanten: Stadt verabschiedet Hans Walgenbach
Hans Walgenbach kennt sich bis heute aus in "seiner Schule" in Vynen. Jetzt wurde er offiziell verabschiedet - mit 81 Jahren. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Der heute 81-Jährige war Hans Dampf in allen Gassen, machte in fast allen Vereinen mit und war immer da, wenn man ihn in Vynen und Marienbaum brauchte. Der frühere Schul-Hausmeister hat dort auch nach seiner Pensionierung geholfen. Von Heidrun Jasper

Seine Frikadellen sind die besten, sagt man im Schulamt der Stadt Xanten. Woher die Mitarbeiter dies wissen? Weil Hans Walgenbach ab und an mit einem Teller voller Frikos vorbei kommt. "Da gehören Möhren rein und ordentlich Knoblauch", verrät der 81-Jährige, der viele viele Jahre lang Hausmeister in der Grundschule in Vynen war und jetzt in einer kleinen Feierstunde im Rathaus verabschiedet wurde. Denn die Grundschule in Vynen, in der er auch nach seiner offiziellen Pensionierung immer noch "herumwerkelte", gibt es nicht mehr.

Er ist ein fröhlicher Mensch, humorvoll, zupackend, aber auch impulsiv. Und Hans Walgenbach hatte auch bei seiner Verabschiedung viel zu erzählen. Zum Beispiel davon, wie es ihn, den gebürtigen Essener, 1956 nach Vynen verschlug und dass er eigentlich wie die Jungfrau zum Kinde an den Hausmeister-Posten kam: 1965 war's, die Grundschule in Vynen nebst Turnhalle war gerade fertig und bezogen.

Seine erste Frau arbeitete als Reinigungskraft in der Schule, Walgenbach selber hatte "einen gut bezahlten Job" bei den Bayer-Farbenwerken in Uerdingen und half ihr ab und an bei der Arbeit. "Da haben sie mich gefragt, ob ich mich nicht auf die Stelle des Hausmeisters bewerben will", erinnert sich Walgenbach. 1100 Mark hatte er bei Bayer verdient, 100 Mark weniger würden es sein, wenn er die Stelle in Vynen annimmt, sagte man ihm. Doch dann kam die erste Gehaltsabrechnung, und Walgenbach konnte kaum glauben, was dort schwarz auf weiß stand: "Die haben einfach den Lohn meiner Frau und meinen addiert und kamen so auf 1000 Mark." Das habe ihn furchtbar geärgert und gleichzeitig traurig gemacht. Aber das ist Schnee von gestern.

Eigentlich ist Hans Walgenbach ja Molkereifachmann, hat 1949 seine Lehre in der Molkerei-Genossenschaft Sevelen gemacht, war bei den Milchwerken in Appeldorn beschäftigt und Laborfachwerker in Krefeld-Uerdingen. Am 1. Februar 1965 stellte ihn die damals noch selbstständige Gemeinde Marienbaum als Hausmeister für die Grundschule in Vynen ein. 1997 ging er zumindest offiziell in den Ruhestand, der allerdings bei Hans Walgenbach alles andere als ruhig war: Er arbeitete als freier Mitarbeiter und Fotograf für die lokale Presse, war 30 Jahre Mitglied im Martins-Komitee und mehr als 40 Jahre in der Schützenbruderschaft, wurde fürs Ortsjubiläum "Über 1000 Jahre Vynen" 1967 in den Festausschuss gewählt, war Mitbegründer des Angelsportvereins "Gut Bitt" Vynen, ist seit 1972 begeisterter Billardspieler und half immer aus, wo Not am Mann war.

"Kannst du nicht für 14 Tage Schülerlotse in Marienbaum machen?" habe es beispielsweise mal geheißen - daraus wurde dann ein halbes Jahr. Und auch in den Unterkünften für Asylsuchende in Birten, Marienbaum und Xanten hat er gearbeitet.

Aber "irgendwann hat alles mal ein Ende", so Sandra Bree, Leiterin des Fachbereiches Schule, Soziales und Sport. "Stimmt", bestätigt Hans Walgenbach, "die Wurst hat sogar zwei." Wie Sandra Bree hofft auch Klaus Kaja, dass der 81-Jährige das mit den Frikadellen beibehält. Und vielleicht kommt dann ja auch der Technische Dezernent Niklas Franken, der genau wie Hans Walgenbach in Essen geboren ist und die Verabschiedung in Vertretung des Bürgermeisters vornahm, in den Genuss der so gelobten Bouletten.

Quelle: RP
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