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Xanten
Stein auf Stein aus Leidenschaft

Xanten: Stein auf Stein aus Leidenschaft
Axel Brummack in Zunftkleidung in seinem Garten. Der Xantener Handwerker mit dem niederländischen Pass wuchs in der damaligen DDR auf. FOTO: ostermann
Xanten. Maurermeister Axel Brummack legt mit fast 70 Jahren in der kommenden Woche seine Prüfung zum Bausachverständigen ab. Für seinen Betrieb sucht er einen Nachfolger, dem er weiterhin helfen will. Von Erwin Kohl

Wenn Axel Brummack auf sein Lebenswerk zurückschaut, glänzen seine Augen wie die eines Lausbuben, der soeben dem Lehrer die Kreide geklaut hat. Er strahlt über das ganze Gesicht und versichert glaubhaft, alles genauso wieder machen zu würden. Ein Blick auf das Berufsleben des Maurermeisters aus Xanten lässt da bei so manchem Zeitgenossen Zweifel aufkommen. Um 6 Uhr in der Früh bis abends um 20 Uhr hat der heute 69-jährige auf Baustellen geschuftet, Stein auf Stein Häuser entstehen lassen und sich nebenbei so lange fortgebildet, bis er sich mit dem Meisterbrief in der Hand 1980 selbstständig gemacht und mit seinem Freund Wolfgang Schulze eine GmbH gegründet hat.

Ehrlichkeit gegenüber den Kunden stand und steht für Brummack, der einen rauen, aber herzlichen Umgangston pflegt, immer an erster Stelle. Aber schon bald musste der Handwerker mit dem niederländischen Pass erfahren, dass nicht alle diese Tugend schätzen. Bauträger haben offene Rechnungen gar nicht oder nur sehr schleppend bezahlt, die laufenden Kosten fraßen die Gewinne, die Bank drehte den Geldhahn zu; Feierabend. Aufgeben kam für den in der ehemaligen DDR aufgewachsenen Brummack nicht infrage und so begann er noch einmal ganz von vorne, heuerte bei Subunternehmern an, zahlte seine Schulden ab und machte sich erneut selbstständig, dieses Mal als Einzelunternehmer. Erlebnisarm war auch diese Zeit nicht, erinnert sich der Selbstständige: "Wir kleinen Unternehmer hatten es nie einfach, es ging immer rauf und runter. Im Winter häuften sich manchmal 20 000 Euro Miese an, die mussten im Sommer aufgearbeitet werden." Brummack aber hatte die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt. Energetische Sanierung wurde ein immer größer werdendes Thema. Brummack sprang auf den Zug auf, nahm an Fortbildungsmaßnahmen teil und spezialisierte sich auf Altbausanierung und Fassadendämmung.

Während seine Altersgenossen längst Rosen züchten und Enkelkinder bespaßen, legt der bald 70-jährige in der kommenden Woche seine Prüfung zum Bausachverständigen ab. Ein Rentnerleben ist nicht sein Ding, dennoch möchte er künftig kürzer treten. Dafür sucht Brummack einen Nachfolger, an den er nicht nur den Betrieb, sondern auch seine Erfahrung weitergeben möchte. Als Gegenleistung wünscht er sich eine kleine Zusatzrente. Voraussetzung ist die Gesellenprüfung und nach Möglichkeit einige Jahre Erfahrung in leitender Position. Ganz zurückziehen möchte sich der Maurermeister nicht. "Wenn jemand mit dem Auftrag für ein Haus kommt, fange ich sofort an", lacht er. Der Maurerberuf ist für Brummack ein Lebenstraum, auch wenn die Bedingungen nicht immer die Besten sind: "Im Winter frieren die die Hände ab, es ist nass und windig, aber schön."

Quelle: RP
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