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Xanten
Studenten mit Schaufel und Pinsel

Xanten: Studenten mit Schaufel und Pinsel
Bei der Arbeit: die Kölner Studenten Janek Schohaus, Daniel Gojic und Laura Schuler (von links). FOTO: Armin Fischer
Xanten. Zum ersten Mal hatten Archäologie-Studenten der Uni Köln vier Wochen lang die Möglichkeit, eine Lehrgrabung auf dem Gelände der ehemaligen römischen Stadt Colonia Ulpia Traiana durchzuführen. Die Kooperation wird fortgesetzt. Von Svenja Jesse

Es wir geschabt und gemessen, skizziert und gepinselt und vor allem alles haargenau dokumentiert. Unter der Aufsicht ihrer Professoren Michael Heinzelmann und Eckhard Deschler-Erb legten 21 Archäologie-Studenten der Universität Köln in den vergangenen vier Wochen das Fundament eines römischen Gebäudes frei. "Das Besondere an diesem Gebäude ist, dass wir noch nicht genau wissen, welchem Zweck es gedient hat", erklärt Dr. Norbert Zieling vom Archäologischen Park Xanten (APX): "Es passt nicht zu den anderen Gebäuden hier im Umfeld."

Einen Ort mit einfachen äußeren Umständen für eine Lehrgrabung zu finden, ist eine schwierige Angelegenheit. Daher war die Freude über die Kooperation mit dem APX bei den Professoren der Kölner Uni groß. "Irgendwann müssen die Studenten anfangen, graben zu lernen", sagt Prof. Deschler-Erb. "Oft sind die Lehrgrabungen im Ausland. Das macht den Studenten die Organisation schwer. Xanten ist natürlich ideal." Zudem kommt hinzu, dass das Gelände in Xanten bereits untersucht worden ist. "Wir haben diese Stelle auf den Bildern des Bodenradars gesehen. Es hat untypische Säulen, das fanden wir für die Studenten interessant", so Norbert Zieling.

Eines der Fundstücke: Der Rand eines Trinkgefäßes zeigt eine so genannte Barbotine-Verzierung. FOTO: Fischer Armin

Für viele der Studenten ist es die erste Ausgrabung, so auch für Daniel Gojic. Der 28-jährige Kölner studiert im vierten Semester Archäologie. "Ich finde es spannend. Geschichte hat mich schon immer interessiert. Und hier kann ich sie sogar anfassen. Gestern habe ich zum Beispiel einen Ring gefunden", erzählt er, während er gemeinsam mit seinen Kommilitonen Laura Schuler und Janek Schohaus weitere Teile des Fundaments freilegt.

"Am Anfang ist so eine Ausgrabung schon anstrengend, aber man gewöhnt sich schnell dran", beschreibt Laura die Arbeit. Sie ist im sechsten von acht Semestern Bachelor-Studium und hat schon Erfahrung im Ausgraben. "Ich mache auch in Köln Ausgrabungen für das Museum. Aber das hier ist meine erste Lehrgrabung."

Fundprämien gibt es bei den Studenten nicht. "Wir haben am Anfang aus Spaß gesagt: Wer die erste Münze findet, bekommt ein Bier", erzählt Prof. Deschler-Erb lachend. "Aber einen Konkurrenzdruck gibt es hier nicht. Die Studenten sind motiviert und über die vier Wochen zusammengewachsen."

Professor Eckhard Deschler-Erb, Stefan Pircher und Dr. Norbert Zieling (v. l.) überwachen die Ausgrabung. FOTO: Fischer Armin

Die größten Entdeckungen der Ausgrabung sind zum einen die breiten Außenmauern, die auf ein mehrstöckiges Gebäude hinweisen, und zum anderen eine etwa 1,20 mal 1,20 Meter große, bearbeitete Trachyt-Platte. "Die Platte wurde als Boden eines Wasserbeckens benutzt und ist die größte, die bisher hier in Xanten gefunden worden ist", so Zieling.

Detaillierte Informationen über das Gebäude haben die Archäologen erst nach genauerer Untersuchung der unzähligen, nummerierten Fundstücke im Labor. "Bisher wissen wir nur, dass es sich wahrscheinlich um ein besseres Wohngebäude handelt", so Ausgrabungsleiter Stefan Pircher.

Die Kooperation zwischen der Universität und dem APX läuft über fünf Jahre. In jedem Sommer steht die Ausgrabungsstelle den Studenten für vier Wochen für Lehrgrabungen zur Verfügung.

Quelle: RP
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