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Sonsbeck
Supernasen mit kleinem Hirn

Sonsbeck: Supernasen mit kleinem Hirn
Höchst unterhaltsamer Abend: Lydia Möcklinghoff spielte mit ihrem Publikum Ameisenbären-Bingo. FOTO: Armin Fischer
Sonsbeck. Vor einem Monat hat sich der Sonsbecker Kulturverein "Son'Kult" offiziell gegründet. Der möchte "ein bisschen mehr Leben in den Ort bringen", sagt Olaf Broekmans. Dabei stehe, so der Vereinsvorsitzende, eine Maxime ganz oben auf der Agenda. Von Erwin Kohl

"Unsere Veranstaltungen sollen alles außer gewöhnlich sein." Das fängt schon mit der Auftaktveranstaltung an. "Denn wer kommt schon auf die Idee, eine Ameisenbär-Forscherin einzuladen?"

Damit haben die Kulturfreunde ein gutes Näschen bewiesen. Zur Premiere strömten 108 Besucher ins Kastell. Die erlebten einen höchst unterhaltsamen Abend mit der Verhaltensbiologin Lydia Möcklinghoff und der Band "The Bär Necessities".

Die Kölnerin machte gleich zu Beginn klar, dass es keineswegs trocken wissenschaftlich zugehen wird: "Die Bingo-Kugeln entscheiden, ob ich lese, ihre Fragen beantworte oder die Band spielt. Wer als Erster die Farbe der Kugel nennt, bekommt einen Schnaps."

Warum die einzige Ameisenbär-Expertin weltweit von sich behauptet, "Erbsenhirnparalleluniversumsforschung" zu betreiben, erläuterte Lydia Möcklinghoff in einem unterhaltsamen "Science Slam" zu Beginn: "Der Ameisenbär ist nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte. Mit seinem kleinen Gehirn kann er sich immer nur auf eine Sache konzentrieren. Man nennt es Monotasking, die Männer kennen das." Daneben erfuhr das Publikum, dass Ameisenbären sich in der Nacht mit ihrem buschigen Schwanz zudecken und sich mit Hilfe ihrer 60 Zentimeter langen Zunge täglich 30.000 Ameisen oder Termiten einverleiben.

Die Hälfte des Jahres verbringt die Biologin in Brasilien, erforscht dort im Auftrag der Zoos in Dortmund und Köln das Leben der Bären mit dem markanten Maul. Mit eindrucksvollen Bildern und locker vorgetragenen Erlebnisberichten führte sie die Zuhörer in eine fremde Welt. Rund 30 Ameisenbären zählen inzwischen zum engeren Bekanntenkreis der 35-Jährigen und haben sogar Vornamen. "Sie heißen Uwe, Günther oder Alfons. Ich benenne die Tiere nach meinen Kölner Skatbrüdern", erzählt die Autorin zweier Bücher, die zwischendurch bereitwillig die Fragen beantwortete. Eine davon lautete: Wie kamen Sie ausgerechnet auf Ameisenbären? "Ich wollte gerne was mit Tieren machen, die Haare haben. Damals hieß es, damit landest du in der Imbissbude. Aber dann habe ich den Aushang am schwarzen Brett gesehen. Darauf stand: Wer kann sofort an einer Expedition in Südamerika teilnehmen?"

Lydia Möcklinghoff ließen die trägen Bären von da an nicht mehr los, auch wenn sie sich an Brasilien erst gewöhnen musste. In einer Lesepassage aus ihrem Ende September erscheinenden Buchs "Die Supernasen" berichtet sie über unterschiedliche Weihnachten: "In Deutschland geht es an Heiligabend besinnlich zu. In Brasilien wird die ganze Nacht durchgetanzt, gesoffen, und es werden pausenlos Böller in die Luft geschossen."

Quelle: RP
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