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Xanten
Thomas Schiela erwandert seine Motive

Xanten: Thomas Schiela erwandert seine Motive
Thomas Schiela vor einem seiner großformatigen Bilder, das in der Ausstellung im Dreigiebelhaus zu sehen sein wird. Es zeigt eine Szene einer Prozession in Peru. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Unter der Überschrift "Dollar und Seife" zeigt der Xantener großformatige Werke in der Galerie im Drei Giebel Haus am Dom. Unter anderem sind ab Sonntag Werke aus seiner Peru-Serie zu sehen. Von Heidrun Jasper

"Ich glaub', recht genau ein Dutzend", antwortet Thomas Schiela auf die Frage, wie viele Bilder von ihm denn in der Galerie im Drei Giebel Haus am Dom hängen. Für mehr dürfte dort auch kein Platz sein, denn der 51-Jährige malt großformatig, Aquarell auf Leinwand. 2,20 mal drei Meter misst das größte Bild, das in seiner Ausstellung zu sehen ist, die am Sonntag, 26. November, um 12 Uhr eröffnet wird. "Dollar und Seife" ist der Titel der Ausstellung, in der sechs Großformate (zwei mal drei Meter) und sechs Werke aus seiner Peru-Serie zu sehen sind, "nur" 95 Zentimeter hoch und 140 bis 180 Zentimeter breit.

Peru-Serie? "Da war ich zweieinhalb Wochen im Frühjahr", so Schiela. Und er hatte wie immer seine Kamera dabei, als zu Ehren der heiligen Candellaria am Titicacasee die 14-tägige Prozession stattfand. "Am ersten Tag", erzählt er, "da fangen 117 Tanzgruppen frühmorgens im Fußballstadion an zu tanzen. Dazu werden immer die gleichen drei Lieder gespielt". Am späten Nachmittag ziehen die Tänzer durch die Straßen zu einem Platz, wo abends ordentlich gefeiert wird. "Da spielte dann eine Punkband - und die spielte genau diese drei Lieder aus dem Fußballstadion". Skurril. Und für Thomas Schiela auch eine Herausforderung: "Wenn man da in 4000 Metern Höhe den ganzen Tag mit dem Fotoapparat rumrennt, kommt man dann doch ins Japsen".

Aber die Kamera, die braucht er, wenn er einmal im Jahr auf Motiv-Suche geht und durch die Welt reist. Etwa 1000 Bilder hat er beispielsweise von der Prozession in Peru gemacht. Wieder daheim in seinem Atelier an der Orkstraße, guckt er sich die Fotos an, eins nach dem anderen. Denn der Künstler, der in Amsterdam und Münster Freie Kunst studiert hat, malt nicht die Realität: Er malt jpeg. "Ich male nicht, was das Auge sieht, sondern meine Kamera". Ultrascharfe Bilder sucht man bei Thomas Schiela vergebens; Bewegungs-Unschärfe, Effekte, die malt er gerne. Fotorealismus würde vielleicht zu kurz greifen. "Man ist erstaunt von der Genauigkeit, mit der klassische Handicaps der Fotografie wie Unschärfen, Verwischungen oder Verwacklungen umgesetzt sind und zu überraschenden Momenten malerischer Bravour werden", beschreibt Roland Mönig den Xantener in dem Katalog "Corso", in dem Arbeiten von Thomas Schiela abgebildet sind. Auch das größte Werk, das im Drei Giebel Haus zu sehen ist und Pate stand für das Wort "Dollar" im Titel der Ausstellung: "Las Vegas, Cosmopolitan".

Der zweite Begriff "Seife" begründet sich durch seine Reise durch die französische Hafenstadt Marseille, bekannt durch ihre Seifenproduktion. Seit mehr als 30 Jahren malt Thomas Schiela. Von 10 bis 18 Uhr und immer mit Wasserfarben. "Das liegt mir einfach, das passt zu meiner Persönlichkeit". Das Fragile, die Nachvollziehbarkeit des Werkprozesses, die sehe man bei Wasserfarben am besten. Jeden Abend um sechs legt er den Pinsel aus der Hand, macht ein Foto von seinem Tagwerk. "Das, was ich male, entscheide ich ganz intuitiv", so der Künstler, der sich seine späteren Motive quasi in Städten erwandert und sich beim Durchforsten seiner Fotografien stets fragt, ob das Motiv Gefühle beim Betrachter auslöst, Vertrauen bei ihm weckt. Erst dann beginnt er zu malen. Tagelang, wochenlang, aber immer nur von zehn bis 18 Uhr.

Thomas Schiela, "Dollar und Seife": Eröffnung der Ausstellung in der Galerie ganz oben im Drei Giebel Haus am Dom in Xanten ist am Sonntag, 26. November, um 12 Uhr. Die großformatigen Bilder sind bis zum 17. Dezember zu sehen.

Quelle: RP
 
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