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Xanten
Traum vom Ruhesitz droht zu platzen

Xanten: Traum vom Ruhesitz droht zu platzen
Das Mehrfamilienhaus an der Ecke Südwall/Marsstraße ist hochgezogen, Fenster und Haustür sind eingebaut. Danach ist allerdings seit Monaten nichts mehr passiert, klagen die Käufer. FOTO: Julia Lörcks
Xanten. Beim Bau des Hauses mit den barrierefreien Eigentumswohnungen an der Ecke Südwall/Marsstraße geht seit Monaten nichts mehr. Die Baufirma ist pleite. Käufer sorgen sich um ihr investiertes Geld. Von Peter Kummer

Der Traum von Altersruhesitz oder -vorsorge - Karl Heinz aus dem Bruch, Hartmut Muskatewitz und die anderen fünf Parteien, die Eigentumswohnungen an der Ecke Südwall/Marsstraße gekauft haben, wissen nicht, ob und wann er wahr werden wird. Das Mehrfamilienhaus ist zwar hochgezogen, Fenster und Haustür sind eingebaut, aber seit Monaten tut sich kaum noch etwas auf der Baustelle.

Die Käufer haben sich zusammengeschlossen und einen Anwalt mit der Vertretung ihrer Interessen beauftragt. Anlieger des Rohbaus sind sauer, weil ihre eigene Wohnqualität beeinträchtigt ist, der Rat hat sich auch schon kurz mit dem Stillstand auf der Baustelle beschäftigt, hält sich aber prinzipiell aus dem privatrechtlichen Streit heraus.

Die R + M Plan Bau GmbH wiederum hat am 23. Januar 2017 einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Zu dem Zeitpunkt sei bereits kein Arbeitnehmer mehr für R + M Plan Bau tätig gewesen, wohl mindestens seit Anfang des Jahres sei auf der Baustelle nicht mehr gearbeitet worden, sagt Insolvenzverwalter Dirk Hammes. Das Unternehmen verfüge über keine Liquidität und kein werthaltiges Vermögen, so dass der Geschäftsbetrieb nicht wieder aufgenommen werden könne. Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens erfolgte am 13. Juni 2017. Das Amtsgericht Kleve führt es unter dem Aktenzeichen 32 IN 3/17.

Dabei hatten die Käufer beziehungsweise ihre Mieter schon zum Jahresende 2016/2017 einen Umzug in ihre neuen Wohnungen im Blick. "Wir wollten uns dort aufs Altenteil setzen", berichtet Hartmut Muskatewitz über seine Pläne. Das Eigenheim in Menzelen erschien ihm und seiner Frau nach dem Auszug der Kinder zu groß. Darum wollten sie nach 30 Jahren das Haus verkaufen und stattdessen in die barrierefreie Eigentumswohnung nahe der Xantener Innenstadt ziehen.

Die ersten Kaufraten waren überwiesen, ein Interessent für das Haus in Menzelen gefunden. Doch dann wurde Muskatewitz misstrauisch. "Den Notartermin für den Verkauf meines Hauses konnte ich gerade noch rechtzeitig absagen", erinnert er sich. Ansonsten hätte er wohl eines Tages auf der Straße gestanden.

Andere aus der Erwerberrunde haben den Angaben von Karl Heinz aus dem Bruch und Hartmut Muskatewitz zufolge weniger Glück gehabt. Sie hätten schon ihre alte Wohnung gekündigt oder verkauft im Vertrauen darauf, rechtzeitig umziehen zu können. Stattdessen habe sich eine Frau ein Zimmer auf einem Hof nehmen müssen, eine andere sei bei einem Freund untergekommen.

Nicht nur auf der Baustelle herrscht Stillstand, die Erwerber kommen auch immobilienrechtlich kaum weiter. Nach der Auflassungsvormerkung im Kaufvertrag würden sie Eigentümer, nachdem der letzte Euro überwiesen ist. Doch die Raten werden je nach Baufortschritt fällig, und der ruht ja nun seit längerem.

Bislang hätten die Käufer insgesamt weit über eine Million Euro - mehr als 50 Prozent des Kaufpreises - bezahlt, sagen aus dem Bruch und Muskatewitz. Hinzu kämen Ausgaben unter anderem für Miete, für die Unterbringung von Möbeln, Gutachten und entgangene Miete. Auf rund 1,2 Millionen Euro schätzt die Erwerbergemeinschaft ihre Ersatzansprüche und Mehrkosten.

Und nun? Insolvenzverwalter Hammes: "Der Geschäftsbetrieb ist eingestellt und kann mangels Masse im Zuge des Insolvenzverfahrens auch nicht wieder aufgenommen werden." Die Kanzlei hat inzwischen die Immobilie aus der Insolvenzmasse herausgenommen und freigeben. Damit können sich die Käufer nun direkt an den Geschäftsführer von R + M wenden.

Quelle: RP
 
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