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Xanten
Über "Little Amadeus" zur Geige

Xanten. Rahel Weier aus Xanten hat mit ihrem Trio den Kammermusik-Förderpreis NRW gewonnen. Die 17-Jährige spielt die erste Geige im Landesjugendorchester und studiert Politik an der Uni in Duisburg. Von Heidrun Jasper

Rahel kommt aus dem UrHebräischen. Der Name alleine ist allerdings nicht das einzig Außergewöhnliche an der jungen Xantenerin, die gerade 17 geworden ist (am 15. November), im Sommer ihr Abitur am Stiftsgymnasium gebaut hat und im ersten Semester Politik an der Universität Duisburg-Essen studiert: Sie spielt auch Geige - und das so gut, dass sie vom Landes-Musikrat für den Kammermusik-Förderpreis NRW vorgeschlagen wurde, gemeinsam mit zwei weiteren jungen Frauen aus Wesel, mit denen sie seit zwei Jahren in einem Trio zusammenspielt: Wiebke Hansen (16, Bratsche) und Philine Scheelhaase (17, Cello).

Zehn Ensembles hatten beim Landeswettbewerb im März in Heek vorgespielt; das Trio kam gemeinsam mit einem Blockflötenduo auf den ersten Platz. Das Abschlusskonzert im Festsaal der Oranienburg am Schloss Nordkirchen war jetzt für Rahel Weier und ihre Mitspielerinnen Teil des Preises, außerdem haben sie dank der Stiftung Andreas Mohn einen dreitägigen Workshop bei einem Dozenten ihrer Wahl gewonnen. Das Trio hat sich für Professor Schoneweg von der Musikhochschule Köln entschieden.

Vor einem Jahr hat das Trio bei "Jugend musiziert" mitgemacht, ist Preisträger auf allen Ebenen geworden: Beim Regionalwettbewerb in Heek und beim Landeswettbewerb in Münster haben die drei jeweils 25 von 25 möglichen Punkten geholt, beim Bundeswettbewerb in Paderborn 21 Punkte und damit den dritten Platz. Rahel Weier spielt seit ihrem fünften Lebensjahr Geige, außerdem hat sie vor zweieinhalb Jahren mit dem Klavierspiel angefangen. "Ich hatte ursprünglich die Idee, nach dem Abitur Geige zu studieren. Und da braucht man als Nebenfach ein zweites Instrument wie Klavier, Harfe oder Gitarre", erzählt die 17-Jährige, die bei Sigrid Schwering Geigenunterricht erhielt und sich noch sehr gut an ihre erste kleine Kindergeige erinnern kann. Die wurde immer größer, genau wie ihre Spielerin. "Irgendwann bekommt man dann eine ganze Geige".

Wie sie darauf kam, ein Streichinstrument lernen zu wollen? "Ich habe regelmäßig die Serie Little Amadeus im Fernsehen geguckt, da hat immer einer Geige gespielt". In dem Kinderfilm ging es um die Kindheit von Wolfgang Amadeus Mozart, und natürlich begeisterte sich Rahel Weier für die Musik des Klassikers. Heute ist sie eher dem Romantiker Anton Dvorak zugetan. Zwei Mal in der Woche wird vor einem Wettbewerb geprobt, außerdem jeden Tag zu Hause, mindestens zwei Stunden, am Wochenende eher mehr. Drei Mal in der Woche muss sie zur Uni.

Klar, eine Stradivari hätte auch sie gerne. "Aber die ist ja unbezahlbar." Im Gegensatz zu der Geige, die sie spielt und mit der die Xantenerin nicht nur in dem Trio, sondern auch noch in zwei Orchestern spielt: Seit 2014 bei der Deutschen Streicherphilharmonie, in der junge Musiker zwischen 13 und 19 Jahren aus ganz Deutschland spielen und die mehrmals im Jahr in verschiedenen Städten Konzerte gibt, und im Landesjugendorchester NRW, wo Rahel Weier gerade Konzertmeisterin geworden ist. Jetzt spielt sie die erste Geige im Orchester, "da sitzt man ganz vorne vor dem Dirigenten". Bei den letzten Konzerten vom 2. bis 5. November in Mönchengladbach, Frankfurt, im Kölner Dom und in der Düsseldorfer Tonhalle war das noch Hubert Buchberger, der neue Dirigent im Landesjugendorchester ist Sebastian Tewinkel. Ihr großes Vorbild ist übrigens Ann-Sophie Mutter, gerne würde sie einmal ein Konzert von ihr besuchen.

Warum sie von ihrer ursprünglichen Idee, einmal Geige zu studieren, Abstand genommen hat? "Gerade bei Geigern gibt es eine Riesenkonkurrenz in Deutschland", begründet die 17-Jährige ihren Entschluss. Warum sie sich für Politik entschieden hat, wo sie mit einem Notendurchschnitt von 1,3 doch viele Möglichkeiten gehabt hätte? "Es gibt so viele Probleme in der ganzen Welt. Ich möchte helfen, die Welt besser zu hinterlassen, als ich sie vorgefunden habe".

Quelle: RP
 
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