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Xanten
Uedem prüft Bau eines Krematoriums

Xanten. In Xanten scheiterte sein Anliegen. Jetzt beantragt ein Investor die Baugenehmigung für eine Anlage für Feuerbestattung in Uedem. Kirchen, Politik und Verwaltung zeigen sich aufgeschlossen. Von Anja Settnik

Dass die Nachfrage groß ist, wissen nicht nur Bestatter, sondern auch die Friedhofsämter und alle Trauernden, die sich einmal mit der Thematik auseinandersetzen mussten: Immer mehr Verstorbene werden eingeäschert und in einer Urne anstatt in einem Erdgrab beigesetzt.

Noch gibt es in der Region aber kein Krematorium: Bis in den Raum Koblenz oder in die Niederlande werden Verstorbene gebracht, die eingeäschert werden sollen. Nun gibt es konkrete Pläne, im Kreis Kleve ein oder auch zwei Krematorien zu errichten. In Rees sind laut Verwaltung die planungsrechtlichen Voraussetzungen bereits geschaffen, der Investor kann kurzfristig seinen Bauantrag einreichen. In Uedem beginnt die Diskussion erst.

Wie Bürgermeister Rainer Weber der Rheinischen Post gestern bestätigte, prüfe man den Antrag eines Investors. Es gebe keine grundsätzlichen Vorbehalte. Der Klever Investor, der in Uedem aktiv werden will, ist nach RP-Informationen derselbe, der im vergangenen Jahr versuchte, die Politik in Xanten von seinen Plänen zu überzeugen. Die Stadt hatte eine bereits erteilte Baugenehmigung wieder zurückgezogen, womit sich der Geschäftsmann nicht abfinden wollte; er zog (erfolglos) vor Gericht. Außerdem hatte ein Nachbar geklagt, der Recht bekam. Denn es scheint rechtlich zumindest schwierig zu sein, ein Krematorium in einem Gewerbe- oder Industriegebiet genehmigt zu bekommen. Mehrere Verwaltungs- und Oberverwaltungsgerichte halten dies für "nicht gebietsverträglich", es gibt aber auch andere Positionen.

"Damit befassen wir uns jetzt intensiv. Wenn überhaupt, ist angedacht, in Uedem eine Verbrennungsanlage ohne Abschiedsraum zu errichten", sagt Weber. Denn Bestattungseinrichtungen verlangen ein würdevolles Umfeld, damit Angehörige Abschied von ihrem Verstorbenen nehmen können. In einem Gebiet, in dem intensiv gearbeitet und umhergefahren wird, ist Stille eben eher nicht gegeben. Deshalb ist an einen Andachtsraum nicht gedacht.

"Der Investor hat den Fraktionsvorsitzenden und der Verwaltung seine Pläne vorgestellt. Ich bin dann sofort zu den Kirchen und den Bestattern gegangen, um ihr Feedback einzuholen", erklärt Weber. Und das sei keinesfalls ablehnend gewesen. Schließlich wisse jeder, dass sich die Beerdigungskultur ändere. Mehr als die Hälfte der Verstorbenen werde heute eingeäschert. Weil alte Menschen ihre Angehörigen nicht mit der Pflege einer Grabstätte belasten wollten und weil ein Urnengrab auf Dauer günstiger sei.

Welchen Vorteil solle es bringen, die Verstorbenen hunderte Kilometer durch die Lande zu fahren? Bestatter Johannes Tepe aus Uedem spricht von 56 Prozent Urnenbestattungen. "Diese Tendenz halten Sie nicht auf, indem Sie Genehmigungen verweigern", sagt er. Ob die Bestatter ihre Toten einzeln zum Krematorium fahren oder sich einem Sammeltransport anschließen - ein Krematorium in der Nachbarschaft wäre sicherlich praktischer. Vermutlich wäre es auch günstiger - letztlich auch für die Angehörigen.

SPD-Fraktionschef Jörg Lorenz versicherte, in seiner Partei gebe es keine grundsätzlichen Bedenken. Es müsse nur geklärt werden, ob ein Grundstück im Gewerbegebiet Molkereistraße von der Genehmigungsbehörde akzeptiert würde. "Wir sehen das sehr gelassen. Die Bedenken, die in Xanten zum Beispiel hinsichtlich Emissionen geäußert wurden, waren dort genauso falsch, wie sie es hier wären", meint Lorenz. Er würde den Bau eines Krematoriums als willkommene Gewerbeansiedlung betrachten. "Dort gäbe es Arbeitsplätze, und es fiele Gewerbesteuer an." Kollege Michael Lehmann von der CDU wäre die Zustimmung möglichst vieler Uedemer wichtig.

Quelle: RP
 
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