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Sonsbeck
Untreueverdacht: Gericht spricht Handwerker frei

Sonsbeck. Ein Handwerker kassierte ohne das Wissen seines Chefs Geld vom Auftraggeber und steckte es in die eigene Tasche. Gestern musste er sich wegen Untreue vor dem Rheinberger Amtsgericht verantworten. Die Richterin sprach den 50-Jährigen entgegen des Antrags der Staatsanwaltschaft frei. Sie sah die Schuld des Mannes als nicht erwiesen an. Dennoch sprach sie von gewissen Unstimmigkeiten. Es sei aber nicht die Pflicht des Gerichts, diese aufzuklären.

"Ich bin mir keiner Schuld bewusst", sagte der Angeklagte in seinem letzten Wort. Zuvor hatte er eingeräumt, in einem Gebäude, in dem er Arbeiten ausführte, einen Betrag von 1000 Euro als Anzahlung kassiert und für sich verwendet zu haben. Er wusste, dass er dazu nicht berechtigt war, hatte sein ehemaliger Chef gesagt. Die Annahme von Bargeld habe er schon aus dem Grund untersagt, um nicht in den Verdacht von Schwarzarbeit zu geraten. Der 50-Jährige dagegen argumentierte, er habe aus Geldnot gehandelt. Der Chef habe aufgrund schlechter Firmenlage nur schleppend bezahlt. "Schließlich musste ich ja von etwas leben." Der Arbeitgeber aus Sonsbeck räumte gelegentliche Zahlungsschwierigkeiten ein. Das sei aber niemals so eine große Summe gewesen. Im Nachhinein habe der Angeklagte den ausstehenden Lohn immer bekommen, die 1000 Euro trotzdem nicht zurückgezahlt. "Das war sicherlich nicht richtig", sagte die Richterin. Man könne aber von keiner vorsätzlichen Schädigungsabsicht ausgehen.

Ein weiterer Fall bestätigte sich auch aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht: Der Angeklagte sollte Material auf Rechnung der Firma gekauft und für eigene Zwecke verwendet haben. Zeugenaussagen ergaben, dass das Material tatsächlich bei einer Baustelle verwendet wurde, für die ein Auftrag vorlag. Allerdings waren die Arbeiten aufgrund von Mängeln nicht bezahlt worden. Der Unternehmer hat dem Angeklagten inzwischen gekündigt. Für ihn bleibt neben dem Schaden auch die Enttäuschung. Er habe ihm vertraut, weil er mit ihm verwandt ist. Erst durch Anfragen der Finanzbehörde sei er auf die Idee gekommen, dass etwas nicht stimmen könnte. Um das Geld zivilrechtlich einzufordern, fehlen ihm die Mittel.

(BL)
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