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Unsere Woche
Unverhofft kommt oft

Xanten. Ein verlorener Apostel kehrt nach St. Peter zurück. Jubel im Stadthaus über einen "Lottogewinn". Es gab auch eine schlechte Nachricht: Der Sprachheilkindergarten hört auf.

Das war eine Woche voller Überraschungen. Um nicht gleich von Sensationen zu sprechen. Doch ganz so weit hergeholt wäre der Begriff noch nicht mal. Der lag selbst höchst seriös geltenden Menschen wie dem geschätzte Kunsthistoriker Joachim Knop auf der Zunge, als er von der RP erfuhr, dass das Bundeskriminalamt auf eine Heiligenfigur gestoßen war, die vor mehr als 40 Jahren in der Kirche St. Peter gestohlen worden war. Der Apostel Nr. 6 aus dem spätgotischen Hochaltar - die wertvolle Holzfigur ist deutlich älter als 500 Jahre - war unter den Beutestücken, die ein Unbekannter im Frühjahr über die Klostermauern von Maria Laach geworfen hatte. Erstaunlich die Halbwertzeit eines schlechten Gewissens, das die Figur nun an seinen angestammten Platz zurückführt. Ob der Krimianalfall letztlich aufgeklärt werden kann, scheint fraglich. Spannend ist die Frage zwar, wer damals den Frevel begangen, wo sich die Figur nach dem Diebstahl befunden und wer sie warum wieder auf den rechten Weg gebracht hat. Wichtig aber ist vor allem, dass der Apostel in St. Peter das historische Dutzend wieder vervollständigt.

Grund zum Jubeln hatte man auch nebenan im weltlichen Stadthaus. Hier ging aus heiterem Himmel eine millionenschwere Überweisung eines ortsansässigen Unternehmens ein, das die Vorzeichen des noch laufenden Haushaltsjahres umgekehrt hat. Aus minus 4,7 Millionen Euro wurde im Handumdrehen knapp eine Million plus. So etwas nennt man, theologisch gesprochen, einen Segen.

Doch sollten die Stadtväter und -mütter trotz verständlicher Freude kühlen Kopf bewahren. Die Stadt bleibt in der Haushaltssicherung. Nach der satten Einmalzahlung dürften im nächsten Jahr die Landmittel schmaler ausfallen und der gestützte Kommunalsoli seinen Tribut fordern. Das ist die Kehrseite.

Wenig Anlass zur Freude haben Eltern der Förderschule für sprachbehinderte Kinder in Xanten. Sie haben erfahren, dass die Propsteigemeinde sich nicht in der Lage sieht, den Betrieb fortzuführen. Man darf ihr unterstellen, die Entscheidung nicht leichtfertig getroffen zu haben. Jetzt kommt's darauf an, das Ende für die Kinder so sanft wie möglich hinzukriegen. Wenn's gelingt, wär's ein Grund zur Freude.

BERNFRIED.PAUS@RHEINISCHE-POST.DE

Quelle: RP
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