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Xanten
Uralte Songs zünden auch heute noch

Xanten: Uralte Songs zünden auch heute noch
John Lees ist Gründer, Gitarrist und Sänger der britischen Rockband Barclay James Harvest. Auch mit 70 Jahren lässt ihn die Musik nicht los. Lees gilt bei den Fans als der rechtmäßige Verwalter des Erbes der Band. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Bestens gefüllt war das idyllische Konzert-Gelände in Xanten beim Gastspiel von John Lees' Barclay James Harvest. Die Band lud zur musikalischen Zeitreise. Von Sebastian Latzel

Mal ehrlich: Die ganz harten Rocker waren Barclay James Harvest (BJH) doch nie. Während wir Jungs in den 70er Jahren auf Status Quo und Deep Purple standen, tuschelten die Mädchen auf dem Schulhof über die süßen Jungs von Barclay James Harvest. Die Band war so etwas wie die sanfte Seite des damals angesagten Progressive Rock. Doch dass Softrocker auch ordentlich austeilen können, zeigte sich, als sich die beiden BJH-Köpfe in die Haare kriegten und sich ihre Wege trennten. Fortan war die Band in zwei Teilen unterwegs: "Barclay James Harvest featuring Les Holroyd" und "John Lees' Barclay James Harvest". Es lohnt sich also, auf den Konzertplakaten auch das Kleingedruckte zu lesen.

Les Holroyd ist mit seiner Combo nämlich zu einer durchschnittlichen BJH-Coverband mutiert. Für die harten Fans ist allein John Lees der rechtmäßige Verwalter des Erbes der britischen Band. Er hat schließlich die meisten Songs geschrieben. So viele, dass Organisator Günter vom Dorp zu Beginn des Sommerkonzertes in Xanten unter dem Jubel der Besucher verkündete, die Band würde drei Stunden spielen. So lange war es am Ende dann doch nicht. Gut zweieinhalb Stunden (inclusive einer kleinen Pause) spielte sich die Gruppe durch das BJH-Gesamtwerk. Durch Songs aus fast 50 Jahren. "Child of the Universe", "Mocking Bird", "Poor Man's Moody Blues" - die Hits kamen Schlag auf Schlag wie von einer Best-Of-Platte der Engländer. Auch die Frühphase sparte John Lees nicht aus. Und so servierten BJH in Xanten auch einen 15-Minuten-Brocken wie "Medicine Man".

Sicher. Die Stimme von John Lees ist brüchiger geworden, sie klingt nicht mehr so sanft wie in den 70er Jahren. Was aber durchaus ein Pluspunkt ist. Oft genug wirken BJH auf Platte so als wären die Songs noch mit ganz viel Karamell überzogen worden, um sie leichter konsumieren zu können. Diese Zuckerschicht wird von der brüchigen Stimme aufgesprengt. Die Songs kommen bodenständiger, rauer rüber. Lees klingt jetzt eher wie Leonard Cohen.

Das Publikum hörte beim Konzert von Barclay James Harvest in Xanten gespannt zu. FOTO: Armin Fischer

Zudem hat sich Lees mit Craig Fletcher einen kongenialen Partner mit ins Band-Boot geholt. Fletcher übernimmt nicht nur einige Gesangparts, er spielt auch Stichwortgeber für die Anekdoten von John Lees. Der plaudert dann darüber, dass er die Gitarre von John Lennon spielen durfte und ein Song von Barclay James Harvest tatsächlich mal auf den Radioindex kam, weil er zu politisch war. In solchen Phasen hat das Konzert was von einem unterhaltsamen interaktiven Rockmuseum mit musikalischer Untermalung. Immer wieder kokettiert die Band damit, wie "very, very old" die Songs sind, die da auf der Bühne gespielt werden. "Poor Wages" etwas stammt von 1968. "John war da zehn Jahre alt, er war ein begabtes Kind", scherzt Fletcher. Die Fans lachen. Denn alles stimmt natürlich nicht. Der heute 70-jährige Lees war damals bereits 21 Jahre.

"Poor Wages" ist dann auch der erste Song im Programm, der etwas rockiger ausfällt und Bewegung in die Sitzreihen der rund 800 Besucher bringt. Und als Fletcher den prägnanten Basslauf von "Loving is easy" anspielt, springen die ersten auf und beginnen zu tanzen. Wie früher: Es sind zunächst nur Frauen. Aber spätesten als zur Zugabe "Hymn" durch Xanten hallt, stehen alle und stimmen begeistert in die schrillen Schreie ein, die Lees in den Song eingebaut hat. Danach nimmt sich die Band noch Zeit für die Fans und zeigt, dass sie offenbar auch keine Berührungsängste mehr mit der anderen BJH-Fraktion hat. Als sich ein Besucher ausgerechnet ein T-Shirt von Les Holroyd unterschreiben lassen will, grinst die ganze Band: "That's the wrong shirt, guy", sagt Lees. Unterschrieben hat er trotzdem.

Quelle: RP
 
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