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Marion Bornscheuer, Lehmbruck-Museum
Vertrautes kann neu entdeckt werden

Xanten. Niederrhein Marin Bornscheuer, Kuratorin im Lehmbruck-Museum, ist für die aktuelle Ausstellung "Wahlverwandtschaften" (bis 31. Januar) verantwortlich, bei der Künstler aus Duisburg zusammen mit ausgewählten Künstlern aus anderen Städten Nordrhein-Westfalen Arbeiten in einer ungewöhnlichen Gemeinschaftsausstellung präsentieren. Peter Klucken sprach mit Marion Bornscheuer.

Im Lehmbruck-Museum werden immer mal wieder Werke Duisburger Künstler in eigenen Ausstellungen präsentiert. Diesmal werden aber nicht nur Künstler dieser Stadt berücksichtigt, sondern auch Künstler, die in anderen Städten leben. Warum gibt es diese Ausweitung?

Bornscheuer Diese Ausweitung greift zum einen den Gedanken des einstigen Lehmbruck-Stipendiums auf, jungen Talenten bis 35 Jahren aus NRW die Chance zu bieten, im renommierten Lehmbruck-Museum auszustellen. Zum anderen sollte diese Möglichkeit im Sinne des Netzwerkgedankens auch Künstlerinnen und Künstlern gegeben werden, die einen besonderen Bezug zur Stadt Duisburg haben. In der aktuellen Ausstellung sehen wir gerade durch diese formale Öffnung, wie lebendig und qualitätvoll die lokale und regionale Kunstszene tatsächlich ist. Denn eine Ausstellung, die ausschließlich vertraute Positionen präsentiert, verleitet den Besucher schnell dazu, gedanklich nur noch die Namen der Künstler abzuhaken, deren Werke er bereits gesehen hat. "Wahlverwandtschaften" hingegen vermag den Blick für Vertrautes wieder neu zu öffnen und so für Entdeckungen zu sensibilisieren, die durch eine neuartige Kontextualisierung der Werke augenscheinlich werden. Wir entdecken in "Wahlverwandtschaften" nicht nur junge Talente, sondern auch die hohe Qualität von den Werken der Duisburger Künstlerinnen und Künstler neu, weil sich die ausgestellten Arbeiten wechselseitig befruchten.

In der Ausstellung sind höchst unterschiedliche Werke zu sehen. Einige Arbeiten gründen auf einen einzigen witzigen Einfall, den man aber erst mal haben muss. Andere sind höchst aufwendig. Haben die beteiligten Künstler dieses Nebeneinander eigentlich akzeptiert?

Bornscheuer Ja, das haben sie ausnahmslos. Die Zusammenarbeit sowohl zwischen den Künstlern untereinander als auch zwischen den Künstlern und dem Museumsteam war geprägt von großem gegenseitigen Respekt und einer tiefen Wertschätzung der Arbeit des anderen; es war ein wahres Vergnügen, diese Ausstellung zu konzipieren und aufzubauen. Als Kuratorin bin ich sehr glücklich über das Ergebnis, denn zum einen stellte mich die Ausstellung zunächst vor die Schwierigkeit, eine Vielzahl an heterogen erscheinenden Kunstwerken sinnfällig zu kombinieren und zugleich ihren spezifischen Anforderungen an den Raum gerecht zu werden. Zum anderen habe ich von allen beteiligten Künstlerinnen und Künstlern die Rückmeldung erhalten, dass sie sowohl mit der Positionierung ihrer eigenen Werke sehr zufrieden als auch von der Ausstellung insgesamt begeistert sind. Was könnte man sich mehr wünschen?

Quelle: RP
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