| 00.00 Uhr

Sonsbeck
Viele Fragen nach der Regen-Katastrophe

Überschwemmungen in Sonsbeck
Überschwemmungen in Sonsbeck FOTO: Arnulf Stoffel
Sonsbeck. Zahlreiche Bürger kamen in die Sitzung des Sonsbecker Rates. Sie wollten von Verwaltung und Politik wissen, warum das Unwetter Anfang Juni so gravierende Ausmaße hatte. Bürgermeister Schmidt: "Historische einmalige Lage." Von Heidrun Jasper

Auch wenn heute die Sonne vom Himmel lacht: Der nächste Regen kommt bestimmt! Und viele Sonsbecker haben die jüngste Katastrophe noch nicht verdaut, geschweige denn die Schäden beheben können, die die Starkregen vom 30. Mai bis zum 3. Juni hinterlassen haben. "Das war, historisch gesehen, eine einmalige Situation", sagte Bürgermeister Heiko Schmidt. Bei der jüngsten Ratssitzung blickte er zurück auf die Tage und Nächte, an denen Keller vollliefen, Felder und Straßen unter Wasser standen, weil erst - am 30. Mai - 70 Liter Wasser pro Quadratmeter herunterkamen, am 1. Juni dann 120 Liter pro Quadratmeter hinzukamen. Am Donnerstag, 2. Juni, um 1.11 Uhr hatte der Landrat für Sonsbeck, Xanten und Hamminkeln den Katastrophenfall ausgerufen und überörtliche Hilfe angefordert.

Mai 2016: Aufräumen: Die Hallen von Specht-Ten Elsen stehen unter Wasser. FOTO: Fischer Armin

Zahlreiche Anwohner waren zur Ratssitzung gekommen, um über die Katastrophe zu sprechen. "Der Feind kommt in Sonsbeck von unten: Wir müssen endlich darüber nachdenken, wie wir das hohe Grundwasser in den Griff kriegen", appellierte ein Anwohner der Straße Vollmühle an Rat und Verwaltung. "Wir haben die Ley eingeengt - das ist die Folge." Ins Stauwehr Parkstraße mit dem riesigen Betonklotz und dem winzigen Loch müssten Bypässe verlegt werden, forderte der Bürger. Warum die Pumpstation Zur Licht ausgefallen sei, wollte ein anderer wissen. "Da ist die Sicherung ausgefallen", erklärte der Leiter des Gemeinde-Bauhofes. Das Problem sei nach 20 Minuten behoben gewesen. Ob es keine Notstromversorgung gebe - und wenn nein, wieso nicht, fragte der Sonsbecker nach. "Weil man einen großen sechsstelligen Betrag investieren müsste", erklärte der Bauhof-Leiter.

"Wie kann es sein, dass Kanäle so zugewachsen sind, dass kein Wasser abläuft", kritisierte eine weitere Bürgerin. Es sei Aufgabe der Gemeinde, die Kanäle zu pflegen. An der Weseler Straße sei der Kanal "komplett zugewachsen". Wer auch immer dafür zuständig sei: Da müsse endlich was passieren, forderte sie vehement.

Genau wie am Wiesenbruch: "Ich lebe dort seit 20 Jahren. Anfangs ist die Ley zweimal im Jahr von Kervenheim aus gepflegt worden", erinnerte sich eine andere Sonsbeckerin. In den vergangenen 15 Jahren sei höchstens einmal im Jahr etwas gemacht worden. "Das Grundwasser muss ja steigen, wenn die Kanäle zuwachsen."

2. Juni 2016: Jens Költgen misst am Biesenbruck den Wasserstand der Ley – mindestens 80 Zentimeter mehr als sonst. FOTO: Fischer Armin

Kritik wurde auch am Zustand des Regenrückhaltebeckens Langebend laut: "Da ist seit sechs Jahren nichts gemacht worden. Der Überlauf ist nachts um 2 Uhr freigelegt worden - da waren wir alle schon vollgelaufen", sagte ein weiterer Zuhörer. Bürgermeister Heiko Schmidt bestätigte, dass man das Regenrückhaltebecken Zur Licht in den Fokus nehmen müsse. Ob die Gemeinde darüber nachgedacht habe, Rückstauflächen bei den Landwirten anzupachten, wollte ein Bürger wissen. "Das mag eine Lösung sein", antwortete Georg Tigler vom Fachbereich Bauen.

Der Starkregen hatte wenigstens ein paar positive Nebeneffekte: Nachbarschaftshilfe wurde in Sonsbeck großgeschrieben. "Ich habe mich 15 Jahre lang nie mit meinem Nachbarn unterhalten - jetzt sind wir per du", erzählte ein Bürger.

Blitzschlag und Überflutungen bei Unwetter in NRW FOTO: dpa, mku sab
Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Sonsbeck: Viele Fragen nach der Regen-Katastrophe


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.