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Xanten
Vieles am Niederrhein ist griechisch

Xanten: Vieles am Niederrhein ist griechisch
Auch der Lüttinger Knabe ist wohl ein Grieche: Die Forschung vermutet, dass es sich entweder um ein späthellenistisches oder frühes römisches Werk handelt. Vermutlich kam die Figur im Gepäck eines Senators oder adeligen Legionslegaten nach Xanten. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Im Rahmen einer Sonntagsführung im Römermuseum erläuterte Archäologin Gabriele Schmidhuber-Aspöck die Einflüsse der alten Griechen auf das römische Leben. So haben die Hellenen die Architektur ganzer Städte geprägt. Von Erwin Kohl

Ob wir ins Theater gehen, ein gutes Buch lesen oder einfach nur mal eine Runde um den Block laufen, überall begegnen wir den Einflüssen der alten Griechen - und das am Niederrhein. Grund dafür waren ausgerechnet die Römer, die sich seinerzeit stark von den Helenen haben beeinflussen lassen. Wo wir diese Einflüsse auch heute noch erkennen, erläuterte die Archäologin Gabriele Schmidhuber-Aspöck rund 30 interessierten Gästen im Rahmen einer Sonntagsführung im Römermuseum. "Das erste, was die Römer übernommen hatten, waren Teile der griechischen Sprache. Zu erkennen ist das heute noch an den Buchstabenfolgen ,Th' und ,Ph' in unserer Schrift und selbst das Wort ,Alphabet' stammt aus dem Griechischen", erläuterte Schmidhuber-Aspöck.

Weil die Römer ähnliche Vorstellungen von der Religion, allerdings keine Bilder dazu hatten, haben sie die griechischen Götter übernommen und mit anderen Namen versehen.

So wurden aus der griechischen Siegesgöttin Nike die römische Victoria oder Zeus zum Jupiter. Auch die Dramen und Mythen von Homer, dem ersten große Literaten der Geschichte, haben die Römer übernommen. Darauf deuten einige der in Xanten gefundenen Gemmen hin.

Der Einfluss der Griechen auf die Römer hat sogar die Architektur ganzer Städte geprägt. Denn schon im fünften Jahrhundert vor Christus hat Hippodamos von Milet Innenstädte in Parzellen aufgeteilt, mit einem zentralen Platz in der Mitte. "Piräus und Athen waren die ersten Städte, die im Schachbrettmuster wie am Reißbrett geplant angelegt wurden. Man spricht bei dieser Architektur heute noch vom Hippodamischen Prinzip", berichtet Schmidhuber-Aspöck.

Viele Relikte der griechischen Hochkultur haben die Zeit nicht überdauert, sei es weil die Bronze, aus denen sie gefertigt waren, für andere Zwecke benötigt wurde oder Leder als Grundmaterial zerfallen ist. "Zum Glück haben die Römer Kopien aus Stein gefertigt, die bis heute erhalten geblieben sind", freut sich die Fachfrau für klassische Archäologie. Eine dieser Steinkopien zeigt eine Theatermaske. "Das Theater und die Dramatik wurden von den Griechen erfunden. Anfangs wurden die Stücke von einem, später von drei Schauspielern dargestellt. Damit man die einzelnen Rollen unterscheiden konnte, haben sie sich Masken vors Gesicht gehalten", erzählt Gabriele Schmidhuber-Aspöck. Das Theater war ein zentraler Bestandteil der griechischen Kultur. Beim jährlichen vier Tage andauernden Fest zu Ehren des Weingottes Dionysius gab es täglich Aufführungen, weiß die Referentin: "An den ersten drei Tagen wurden Tragödien aufgeführt, deren Inhalte sich zumeist auf die Götter bezogen. Am vierten Tag stand eine Komödie auf dem Programm. Darin hat man die Politik auf die Schüppe genommen." Und damit dürfte auch das Kabarett mit griechischen Wurzeln behaftet sein.

Quelle: RP
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