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Xanten
Von ganz unten bis an die Spitze der Fazenda

Xanten: Von ganz unten bis an die Spitze der Fazenda
"Ich spüre einfach, dass dies meine Berufung ist." Jan Cosemanns (42) steht als Leiter der Fazenda da Esperança vor einer neuen Herausforderung. FOTO: Archiv
Xanten. Als neuer Leiter der Fazenda da Esperança will Jan Cosemanns anderen ein Beispiel sein, die die Sucht hinter sich lassen wollen. Von Beate Wyglenda

Mit Hilfe der Familie der Hoffnung schaffte Jan Cosemanns den Weg aus der Sucht. Nun will er anderen jungen Menschen als Beispiel dienen. Als Nachfolger von Christopher Lang führt der Belgier die Gemeinschaft der Fazenda da Esperança in Mörmter fort.

Schon in seiner Jugend griff Cosemanns zu Alkohol und Drogen. Jahrelang war er schwer abhängig. Als er 2005 zufällig den ehemaligen Fazenda-Leiter Luiz-Fernando Braz kennenlernte, hörte er erstmals von der Gemeinschaft der Hoffnung. "Damals wollte ich aber noch nichts davon wissen. Ich dachte, alles alleine bewältigen zu müssen", erzählt der heute 42-Jährige.

Knapp acht Jahre später entschied sich Cosemanns um. Nach einer zehnwöchigen Therapie beschloss er, sein Leben grundlegend zu ändern. "Ich wollte so nicht mehr weitermachen. Für mich gab es nur die 180-Grad-Wendung oder den Tod", betont der Belgier.

Am 4. Juli 2013 kam er nach Mörmter. Sein Bauchgefühl war von vornherein gut. Doch leicht war die Anfangszeit für Cosemanns nicht, die Entfernung zur Mutter und den Geschwistern tat weh. "Das erste Jahr war wirklich sehr schwierig. Ich musste mein komplettes altes Leben plötzlich hinter mir lassen", erklärt er.

Dafür fand er ein neues Leben in der Fazenda. Ohne Alkohol und Drogen fühlte er sich zunehmend besser. Er lernte, sich selbst zu akzeptieren, Hilfe anzunehmen und vor allem Liebe zuzulassen. "Ich habe hier erst gelernt, was Liebe tatsächlich bedeutet", sagt der Leiter. "Ich konnte sein, wie ich bin, und wurde niemals abgelehnt. Ich konnte mich hier zu Hause fühlen."

Also beschloss Cosemanns, nach seiner "Rekuperationszeit" - sich selbst finden - ein weiteres Jahr als Freiwilliger zu bleiben. "Das erste Jahr musste ich hier sein, um mein Leben zu retten. Im zweiten Jahr fühlte ich mich so befreit, dass ich der Fazenda Kraft und Zeit schenken wollte", sagt er.

Fortan half der Belgier bei der Planung und Durchführung diverser Projekte. Er gestaltete Veranstaltungen mit und war Ansprechpartner. Vor allem jedoch, so betont Cosemanns, wollte er jungen Rekuperanten Beispiel sein. "Ich kenne die Ängste und Probleme der Jungs. Ich teile viele ihrer Erfahrungen", beteuert der Leiter. "Ich bin aber auch der lebende Beweis, dass der Weg aus der Sucht trotz allem möglich ist", verdeutlicht er.

Die Anfrage, die Leitung der Fazenda zu übernehmen, kam für den 42-Jährigen dennoch überraschend. Mit manchen Aufgabenbereichen muss er sich noch anfreunden. Eine Herausforderung wird für ihn vor allem der Papierkram sein. Doch die Gemeinschaft der Hoffnung, so ist sich Cosemanns sicher, stehe ihm dabei helfend zur Seite. Und letztlich, so betont der neue Leiter: "Ich spüre einfach, dass dies meine Berufung ist."

Quelle: RP
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