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Xanten
Von Leichtigkeit und Schwerelosigkeit

Xanten: Von Leichtigkeit und Schwerelosigkeit
Künstler Günther Zins installierte gestern mit Hilfe von Theo Möllemann sein Kunstwerk "Balancierender Quader" auf einer Stele auf der Domplatte. Das Werk gehört zu der Ausstellung, die Sonntag im Dreigiebelhaus eröffnet wird. FOTO: Christoph Reichwein
Xanten. Es gibt Kunstwerke, die halten nur ein paar Sekunden und fallen dann in sich zusammen - so wie die Aluminiumstangen von Günther Zins. Der Künstler, der ab Sonntag auf Einladung des Kunstvereins Xanten in der Galerie im Dreigiebelhaus am Dom ausstellt, packt ein bis zwei Mal im Jahr seine dünnen Aluminiumrohre ins Auto, fährt in die Natur. Von Heidrun Jasper

Je zwei bis drei Stangen sind mit Edelstahlseilen miteinander verbunden, werden wie Zeltstangen aus Fiberglas zusammengeklappt. Zeitgleich wirft Zins sie in die Luft, es entwickeln sich höchst interessante Gebilde, bevor die Stäbe wieder auf den Boden fallen. Die einzelnen Wurf-Phasen hält er mit einer Motorkamera fest. "Geworfene Plastiken" nennt der 1951 in Butzbach in Oberhessen geborene Künstler diese Art von Kunst; zwei Fotoreihen, die auf dem Deich am Rhein bei Kleve und in Südtirol in der Nähe von Meran entstanden sind, hat Zins in der Galerie im Dreigiebelhaus aufgehängt.

Günther Zins definiert in seinen Skulpturen den Raum durch Linien. Bevorzugtes Material: Edelstahlstäbe, aus denen er mit höchster Präzision Winkel, Rechtecke, Würfel, Kreise, Kuben formt, sie miteinander verschweißt. Sie stehen auf dem Boden, hängen an den Wänden, schweben übereinander frei im Raum. Licht-Schatten-Effekte ergänzen die Linienführung, je nach Blickwinkel verziehen sich spitze und stumpfe Winkel gegeneinander, sehen manchmal "eingedötscht" aus. Optische Täuschung, Raumillusion: Die Würfel-Rechtecke-Quadrate scheinen gleich groß, sind es aber nicht.

Es sind reduzierte und konkrete Arbeiten, die Günther Zins ausstellt. Stahlplastiken, die spielerisch wirken, Illusionen erzeugen wie beispielsweise ein Würfel, der in die Wand einzusinken scheint, oder der große gekrümmte Quader. Alle Objekte signalisieren Stabilität und Ruhe, aber auch Leichtigkeit und Schwerelosigkeit. "Dreidimensionalen Zeichnungen gleich grenzen sie Volumina aus und beschreiben komplexe Phänomene von Öffnung und Durchdringung", beschreibt Günther Zins seine Kunst.

Eigentlich hat er ja Freie Malerei studiert, an der Fachhochschule für Kunst und Gestaltung in Köln, an der Hochschule der Künste in Berlin. "Erst allmählich habe ich mich zum Räumlichen hin entwickelt", erzählt der 66-Jährige, der neuerdings auch in Fotos riesige Würfel in Städte und Landschaften montiert. "Gigantische Traumprojekte" nennt er die Fotocollagen, die so realistisch sind, dass man tatsächlich glaubt, der Würfel hängt im Triumphbogen oder am Eiffelturm in Paris, wo Zins zwei Monate in einem Künstlerhaus gelebt hat.

Gestern Nachmittag hat Günther Zins mit einem Hubwagen einen balancierenden Quader aus Edelstahl auf der hohen Stele für die alten Wasserspeier an der Westseite der Immunität installiert, der die gleichen Kantenmaße wie die Stele hat. Am Eingang zum Dreigiebelhaus balanciert ebenfalls seit gestern ein offener Würfel.

Sein Atelier hat er in der alten Bensdorp-Fabrik in Kleve, wo bis Ende der 70er Jahre Kakao und Schokolade produziert wurde. Heute arbeiten dort Handwerker und Künstler wie Günther Zins, der übrigens auch Saxofon spielt: Am Sonntag, 25. Juni, gibt er um 12 Uhr mit seinem Sohn Johannes (elektrische Gitarre) ein Ausstellungskonzert oben in der Galerie.

Günther Zins, "Offene Räume": Die Ausstellung im Dreigiebelhaus am Xantener Dom wird am Sonntag, 7. Mai, um 12 Uhr eröffnet.

Quelle: RP
 
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