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Manfred Hainke
"Vor allem die Kinder brauchen Hilfe"

Manfred Hainke: "Vor allem die Kinder brauchen Hilfe"
Für die Gomel-Kinder wird jedes Jahr ein schönes Programm vorbereitet. Auch die Feuerwehr beteiligt sich daran. FOTO: Kinderhilfswerk Gomel
Xanten. Heute vor 30 Jahren explodierte der Reaktor in Tschernobyl. Das Kinderhilfswerk Gomel engagiert sich seit 25 Jahren. Von Uwe Plien

Rheinberg/Alpen Heute vor 30 Jahren explodierte der Reaktor des Kernkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine. Noch heute leidet die Bevölkerung unter den Folgen des atomaren Super-GAU, insbesondere Kinder. Besonders stark betroffen war und ist Weißrussland. Der 1994 gegründete Verein "Kinderhilfswerk Gomel" kümmert sich seit 25 Jahren um Kinder aus der weißrussischen Stadt Gomel, die 120 Kilometer von Tschernobyl entfernt liegt. Die RP sprach mit Manfred Hainke. Der 66-jährige Issumer ist seit fünf Jahren 1. Vorsitzender des Kinderhilfswerks.

Herr Hainke, seit wann engagieren Sie sich für die Gomel-Hilfe?

Hainke Seit 1994. Unsere Familie hat damals erstmals Kinder aus Gomel aufgenommen. Zu dieser Zeit gab es noch eine Gomel-Initiative in Issum, die später mit dem Kinderhilfswerk verschmolzen ist.

Wie groß ist der Helferkreis?

Hainke Unser Verein hat etwa 120 Mitglieder, aktiv ist der Vorstandskreis mit acht bis zehn Leuten. Hinzu kommen viele Gasteltern, die unsere Arbeit tatkräftig unterstützen.

Womit wir beim Thema wären. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, jedes Jahr im Sommer Kinder von acht bis 14 Jahren zur dreiwöchigen Erholung an den Niederrhein zu holen.

Hainke Ja, wir laden die Kinder ein und suchen dann Gasteltern, die die Kinder und Betreuer aufnehmen und verpflegen. Es wird aber immer schwieriger, Gasteltern zu finden.

Woran liegt das?

Hainke Die Familienstrukturen haben sich verändert. Anders als noch vor 20 Jahren gehen auch viele Mütter voll arbeiten und können sich tagsüber nicht noch um Gomel-Kinder kümmern. Mit der Konsequenz, dass wir heute nur noch etwa 70 Kinder pro Jahr einladen können. Früher waren es mal über hundert.

Sie finanzieren alles über Spenden.

Hainke Ja, wir brauchen 15.000 bis 20.000 Euro pro Jahr. Unser Hauptsponsor ist die Sparkasse am Niederrhein, auch Solvay schießt viel Geld dazu, zahlreiche kleinere Sponsoren kommen dazu. Bis jetzt hatten wir noch Glück und konnten immer noch alles finanzieren, aber die Rückgänge sind schon spürbar.

Früher haben Sie auch noch Hilfstransporte nach Gomel organisiert.

Hainke Ja, bis vor sechs Jahren. Aber das Spendenaufkommen ist nicht mehr ausreichend. Und die bürokratischen Hürden sind einfach nicht mehr zu bewältigen gewesen.

Unterdessen sind vor allem die Kinder auf Hilfe angewiesen.

Hainke Ja. Bisher haben wir 2000 bis 2500 Kinder zur Erholung am Niederrhein gehabt. Viele von ihnen sind inzwischen selbst erwachsen. Bei Kindern in Weißrussland sind Schilddrüsenkrankheiten um das 33-Fache gestiegen. Auch Krebserkrankungen sind häufig. Es ist nachgewiesen, dass die Widerstandskraft der Kinder durch einen Aufenthalt in Deutschland mit guter Luft und guter Ernährung erheblich verbessert wird. In Weißrussland herrscht bittere Armut, und die Arbeitslosigkeit wächst. Die meisten Eltern haben keine Möglichkeit, ihren Kindern einen Urlaub zu finanzieren.

Was ist Ihre persönliche Bilanz?

Hainke Ich hoffe, dass wir noch lange weitermachen können. Ich finde es schön, dass durch die jährlichen Besuche viele persönliche Verbindungen entstanden sind.

Spendenkonten: Sparkasse am Niederrhein, IBAN: DE42354500001205004318, BIC: WELADED1MOR. Volksbank Niederrhein, DE48354611060501889016, BIC: GENODED1NRH

www.gomel.de

Quelle: RP
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