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Zum Sonntag
Weil er ein Mensch war. . .

Zum Sonntag: Weil er ein Mensch war. . .
FOTO: Fischer Armin
Xanten. Morgen feiert die katholische Kirche das Fest der Heiligen Familie. Die Botschaft der Krippe: Gott hat in Jesus den häufig schwierigen Alltag armer Familien auf sich genommen. Von Barbara Jensen

Am Sonntag feiert die katholische Kirche das Fest der Heiligen Familie. Es ist ein relativ junges Fest, das seine Entstehung sicherlich auch dem Aufstieg des Bürgertums im 19. Jahrhundert mit seiner Entdeckung der Privatheit, der Innerlichkeit und der Familie verdankt. Es verbreitete sich nämlich die Ansicht, dass die Heilige Familie ein hilfreiches Vorbild sein könnte, für die gefährdeten christlichen Familien.

Im Jahr 1920 wurde es dann offiziell in der katholischen Kirche eingeführt. Dass Familien auch in heutiger Zeit Zuspruch und Ermutigung brauchen, steht außer Frage. Zahlreiche Belastungen zehren an den Nerven sowohl von Eltern als auch von Kindern. Ob da der Blick auf die Familie Jesu helfen kann?

Von den Evangelisten erfahren wir nur wenig über den Alltag der Heiligen Familie. Aber die Familie, in die Jesus hineingeboren wurde, war sicherlich keine perfekte Familie und die äußeren Rahmenbedingungen alles andere als harmonisch. Da gab es Probleme zwischen Maria und Josef wegen des zu erwartenden Kindes, und Josef dachte zeitweise sogar daran, sich in aller Stille von Maria zu trennen. Die Geburt im Stall, die Flucht nach Ägypten - alles andere als weihnachtliche Idylle. Auch die Episode als Jesus als Zwölfjähriger in Jerusalem im Tempel bleibt und nicht mit seinen Eltern und den anderen Pilgern nach Hause aufbricht - für die Eltern ungeheuerlich. Sie sind ängstlich und entsetzt, sicher mit Recht, denn das, was ihr Jesus hier macht, das gehört sich einfach nicht.

All das zeigt uns: Gott hat in Jesus den schwierigen Alltag armer Familien auf sich genommen. Er, der ein Mensch war, versteht Menschen und ihre Schwierigkeiten zu leben, kennt die Probleme von Eltern und Kindern, weiß wie es ist, in Beziehung zu leben, enttäuscht zu werden von Freunden, Angst zu haben vor dem, was die Zukunft bringt, Angst zu haben vor dem Sterben. Er weiß es, weil er ein Mensch war und wie die Menschen um ihn herum die Freuden und die Mühsal des Lebens tragen und ertragen musste.

Ein trostreicher Gedanke, finde ich, nicht nur für Familien, sondern für jeden Einzelnen.

BARBARA JENSEN, SEELSORGERIN IM HOSPIZ HAUS SONNENSCHEIN AM ST. NIKOLAUS-HOSPITAL IN RHEINBERG

Quelle: RP
 
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