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Xanten
Wenn eine Straße zur Galerie wird

Xanten: Wenn eine Straße zur Galerie wird
Mit Muße über die Xantener Kunstmeile: Sonja Finken und Stefan Kind aus Grefrath stöberten in der Außenauslage eines besonderen Antiquariates an der Klever Straße. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Beim Künstlerfest "KleinMontMartre" in Xanten flanierten am Wochenende wieder einmal Tausende Besucher vom gesamten Niederrhein über die Klever Straße und genossen das französische Flair. Von Erwin Kohl

Herrlicher Sonnenschein und Savoir-vivre, beim Künstlerfest "KleinMontMartre" flanierten am Wochenende wieder einmal Tausende Besucher vom gesamten Niederrhein über die Klever Straße und genossen das französische Flair. "KleinMontMartre ist Leben. Dort kommen die Leute nicht zum Einkaufen hin, sondern weil sie die Schönheit genießen wollen. Es gibt keine vergleichbare Attraktion in NRW", sagt Nacir Chemao. Der in Casablanca geborene Künstler kommt seit vielen Jahren nach Xanten, einfach weil er das Publikum schätzt: "Es kommen sehr viele Ästheten hierher. Menschen, die es schätzen, mal nicht zu konsumieren, sondern die Schönheit der Kunst auf sich wirken zu lassen."

Die Schönheit des Materials erkennen, bevor ein Kunstwerk daraus wird, ist die Leidenschaft von Sabine Brüggenthies. Die Oberhausenerin ist ständig auf der Suche nach Treibholz, vom Rheinufer bei Bislich bis zum Polarkreis an der finnischen Küste. Aus dem Strandgut fertigt sie wunderschöne Skulpturen wie eine Hallig mit Leuchtturm oder ein kleines Bergdorf. "Ich sehe in dem Holz Dinge, die andere nicht sehen", erklärt sie und deutet auf einen geschwungenen Vogelkopf, geformt von den Wellen der Meere.

Das Handwerkzeug von Heinz Sikorski sind Säuren aller Art, seine Bilder sind vom Ursprung her rostige Eisenplatten. "Rost ist eine Farbe, die sich immer wieder wandelt, je nachdem, mit welcher Säure man das Metall übergießt", erklärt der Saarländer. Mit aufgeklebten Computerchips, Nagelzangen oder Bronzeplättchen verleiht er den einzelnen Kunstwerken eine weitere individuelle Note. Traditionell werden bei "KleinMontMartre" soziale Projekte und Menschen in Not unterstützt. Die Kiwanis beispielsweise verkaufen Handtaschen und Reisekoffer, die zuvor gespendet wurden. "Das ist Recycling in Reinform. Manche Taschen sind schon zum dritten Mal hier, weil die Kunden sie nach einem Jahr gegen eine andere tauschen", erzählt Axel Götze-Rohen. Rund 2500 Euro sammelte die Hilfsorganisation an diesem Wochenende für Hilfsprojekte.

Wie in jedem Jahr war der Lions Club mit seinem Reibekuchen-Stand anwesend. "Bei uns backen Ärzte, Rechtsanwälte und Ingenieure für den guten Zweck. Insgesamt gehen über vier Zentner durch die Pfannen", berichtet Dieter Fürtjes. Es fällt auf, wie viel Feingefühl die Organisatoren bei der Zusammenstellung der Künstler bewiesen haben. Die Bilder von Straßencafés aus Paris oder Saint-Tropez des Siegener Künstlers Reza Momen unterstreichen die Stimmung in der Straße mit sanften Pinselstrichen. Reza Momen hat sich dem französischen Impressionismus verschrieben. "Ich komme sehr gerne nach Xanten. KleinMontMartre hat einen ausgezeichneten Ruf. Wenn ich hier war, bekomme ich gleich weitere Einladungen", sagt er. Neben der anspruchsvollen Kunst lockern Aussteller mit kreativen Ideen das Ambiente auf. Einer von ihnen ist Rolf Augustin mit seinen "witzigen Pfundskerlen aus Butendorf". Die schnitzt der Mann aus dem Gladbecker Ortsteil aus Holz, versieht sie mit einem prominenten Bauch und einem zur Person passenden Accessoire. Albert H. aus G. etwa hat eine Taube auf dem Kopf. "Das ist mein Opa. Er hatte mal eine Taube im Haus, die ihm auf dem Kopf herum getanzt ist", so Augustin.

Regen Zulauf fanden die "Guckkästen" von Hans-Werner Götten. "Ich kann damit Dingen einen anderen Ausdruck geben oder geflügelte Worte umsetzen", berichtet der Düsseldorfer. So tragen zwei Handschellen den Titel "Abführmittel" und vor der alten Vinyl-Single mit dem Titel "Über sieben Brücken musst du gehen" liegen Zahnspangen. Götten fertigt diese kleinen Kunstwerke übrigens auch nach dem persönlichen Geschmack der Kunden.

Quelle: RP
 
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