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Unsere Woche
Wenn sich die Katze in den Schwanz beißt

Unsere Woche: Wenn sich die Katze in den Schwanz beißt
FOTO: Fischer Armin
Xanten. Wir unterstellen mal, dass Pfarrerin Ulrike Thölke und Pfarrer Martin Ahls persönlich nichts gegen Erwin Kohl haben. Warum auch: Der Gindericher, Mitarbeiter unserer Lokalredaktion und Krimi-Autor, ist ein ehrbarer Mann, seine Lesungen sind beliebt und laufen gesittet ab. Trotzdem wurde seine für morgen geplante Lesung in der St.-Anna-Kapelle auf dem Annaberger Friedhof abgesagt. Die besagten Pfarrer verwiesen auf die Unvereinbarkeit mit der Friedhofssatzung. Eine Lesung aus einem Buch, in dem es um Mord geht, und das im November auf einem Friedhof - zu viel des Guten.

Wir wollen die Argumentation der Kirchenvertreter hier nicht aus theologischer Sicht bewerten. Wir wundern uns allerdings schon, dass es bisher noch nie als störend empfunden worden ist, wenn in der Anna-Kapelle Veranstaltungen - übrigens auch Krimi-Lesungen - stattgefunden haben. Und wir fragen uns, wie es jetzt weitergeht. Offenbar wollen die Kirchen erreichen, dass künftig jede einzelne Veranstaltung (nicht nur im November) von der Stadt genehmigt werden muss (so verlangt es übrigens der Nutzungsvertrag). Denn die Stadt ist Eigentümerin der Kapelle, zu einem gehegten und gepflegten Schmuckstück hat sie jedoch der Verein zur Erhaltung der St.-Anna-Kapelle in jahrelanger ehrenamtlicher Arbeit gemacht. Auch, weil die Stadt selbst dazu nicht die Mittel hat und deshalb zur Gründung solcher Vereine rät. Dieser Verein ist auf die Einnahmen aus Veranstaltungen in der Kapelle angewiesen. Mit übermäßigem Verwaltungsaufwand kann und will sich der Verein sicher nicht herumplagen. Sollte die Konsequenz sein, dass in der Kapelle künftig kaum noch Programme angeboten werden, droht die Auflösung des Vereins. Dann würde sich die Katze in den Schwanz beißen.

Übrigens wundern sich offenbar alle beteiligten Parteien darüber, dass die Stadt - insbesondere der Bürgermeister - sich nicht zum Thema äußert. Offenbar auch nicht hinter den Kulissen. Kein gutes Signal. Gleiches gilt für den Streit darum, wer den ersten Zugriff auf den in Rheinberg geborenen mittelalterlichen Universal-Gelehrten Amplonius hat. Heinz Pannenbecker, Vorsitzender der Amplonius-Novus-Stiftung, hat seine Enttäuschung darüber bereits in unserer Zeitung bekundet. Er hätte erwartet, dass die Stadt - wieder ist Bürgermeister Frank Tatzel gefordert - als Vermittler einspringt. Dennoch: ein angenehmes Wochenende allerseits!

UWE.PLIEN@RHEINISCHE-POST.DE

Quelle: RP
 
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