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Xanten
Wo die Heimat hochprozentig schmeckt

Xanten: Wo die Heimat hochprozentig schmeckt
Ernst Deselaers ist sicher: Die Chancen seiner Brennerei und Likörfabrik liegen in der Leidenschaft für die Region. FOTO: seybert
Xanten. Die Brennerei und Likörfabrik Moosbur ist ein Familienunternehmen, dessen Ursprünge ins Jahr 1832 zurückreichen. Produkte mit Bezug zur Region werden immer wichtiger: Schnaps wird für Kirmes, Schützen oder Vereine produziert. Von Sina Zehrfeld

Wunderheilungen werden dem Moosbur-Kräuterbitter "Els" zugeschrieben. So fand sich der Schwiegervater von Ernst Deselaers von heute auf morgen vom chronischen Sodbrennen kuriert. "Solche Erfahrungen gab's mehrfach", versichert Deselaers. Noch schöner: Das schon totgesagte Shetlandpony der Kinder, das, in der Stunde höchster Not mit "Els" abgefüllt, über Nacht seine Kolik los wurde. Davon erzählt der Hausherr breit grinsend: "Ob's wirklich daran gelegen hat - ich weiß es nicht. Man kann natürlich dran zweifeln. Hört sich aber klasse an."

Den Kräuterbitter gab's "schon immer", so weit Deselaers sich erinnern kann, und er geht so gesehen vielleicht eher als Medizin durch denn als Genussmittel: "Auf der Flasche steht ,Bitter' nicht ohne Grund, der ist heftig." Aber auch für Genießer mit zarten Zungen hat sein traditionsreicher Hof, ein landwirtschaftlicher Betrieb mit Kornbrennerei und Likörfabrik, viel zu bieten.

Berühmt ist der Johannisbeerlikör "Beeren-Bur". Es gibt "Zitronen-Bur", "Pflaumen-August" oder Apfellikör, im Winter mit Zimt. Größter Verkaufsschlager bleibt der Moosbur-Weizenkorn - Fans finden ihn viel milder als die Standardware.

Immer wichtiger wird die Verbundenheit zur Region, erzählt Ernst Deselaers. Etwa mit Produkten wie dem "Kevelaerer Wallfahrts-Tropfen", einem Kräuterlikör mit Mokka-Note, der seit ein paar Jahren auf dem Markt ist. Oder dem granatfarbenen "Sevelener Hexenblut", oder dem "Straelemann"-Kräuterlikör.

Und ein neuer, ausbaufähiger Markt lebt ganz allein von der Liebe der Menschen zu ihren Bräuchen: "Seit einigen Jahren machen wir Event-Schnäpse", erzählt Ernst Deselaers. Zum ersten Mal war das im Jahr 2000 für die Kirmes. "Da kam die Landjugend auf uns zu: ,Wir wollen einen Kirmes-Schnaps. Egal, was drin ist, grün muss er sein.'" Man verfiel auf den "Niersjunker": Maracuja-Likör, grün gefärbt. Seitdem suchen sich die Kirmes-Organisatoren fast jedes Jahr eine Kreation aus und stoßen neue an, und andere machen es ihnen nach. "So viele Eventschnäpse wie in diesem Jahr haben wir noch nie gemacht", sagt Deselaers: Holunderblütenlikör für die Feuerwehr in Sevelen, Rieslinglikör für die Achterhoeker Schützen, Blutorangenlikör für die Wettener Kirmes. "Der Trend ist: weniger Alkohol und fruchtig." Das Hochprozentige reift und lagert im Obergeschoss des Moosbur-Gehöftes in großen Tanks und tränkt die Luft mit Düften. Frucht-Liköre entstehen aus Alkohol, konzentrierten Obstsäften und Gewürzen. Bei den Kräuterlikören ist die Herstellung anders: "Getrocknete Kräuter, Wurzeln, Blätter, Blüten werden abgewogen, in einen Leinensack gefüllt und, wie beim Tee, in eine Alkohol-Wasser-Mischung gehängt."

Die Ursprünge der Moosbur-Brennerei liegen in Geldern. Die Familiengeschichte überliefert, dass zwei Brüder Deselaers, dort seit 1832 Pächter des "Kampshofs", den sagenhaften "Boonekamp" zusammenbrauten: einen Kräuterbitter, den sogar das niederländische Königshaus bezog. Dann kauften die beiden den Wettener Mooshof. Einer von ihnen überlebte den Umzug nicht. Er nahm das Geheimnis für das Boonekamp-Rezept mit ins Grab, und so war's vorbei mit dem Exportschlager. Heute gibt's andere Probleme. Der Absatz von Schnaps und Likör geht zurück, die Preise für Rohalkohol sind abgesackt. Brennereien in Geldern, Kerken, Xanten, Kranenburg haben schon aufgegeben. Und wegen Sicherheitsbestimmungen liegen derzeit die Moosbur-Gärtanks brach.

Jetzt wandert der Weizen von den eigenen Feldern in den Verkauf statt in den Schnaps, und die Firma zehrt vorerst von ihren - zum Glück reichlich vorhandenen - Alkohol-Vorräten.

Gleichzeitig hat die Moosbur-Brennerei aber Marken und Rezepturen der Häuser Lenzen aus Rheinhausen und Fleischhauer in Emmerich übernommen. Auch deren Produkte werden jetzt in Wetten gemixt. Für Ernst Deselaers ist klar: Die Chancen seiner Brennerei und Likörfabrik liegen in der Leidenschaft der Menschen für ihre Region. Immer stärker werde seit Jahren der Verkauf an die "Endverbraucher" im Umland: "Vereine, aber auch Firmen oder Privatleute." Die Verbindung mit der Heimat: "Das ist die Grundlage des Geschäfts", sagt Ernst Deselaers. "Die Zukunft wird hier in der Region stattfinden."

Quelle: RP
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