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Xanten
Xanten aus Blick von Behinderten sehen

Xanten: Xanten aus Blick von Behinderten sehen
Nur vorsichtig geht es für Angela Weniger die Treppe am Ratausnebeneingang hinunter. Ein Geländer gibt es dort leider nicht. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Angela Weniger ist immer stärker durch ihre MS-Erkrankung beeinträchtigt. Sie will nun Menschen mit Handicaps an einen Tisch bringen, um gemeinsam der Stadt Verbesserungsmöglichkeiten vorzuschlagen. Von Dirk Möwius

Es sind oft Kleinigkeiten, die vielen im Alltag gar nicht auffallen. Dafür braucht man den richtigen Blickwinkel, die Wahrnehmung aus eigener Betroffenheit. Angela Weniger ist immer stärker durch ihre MS-Erkrankung (multiple Sklerose) beeinträchtigt, kann aber noch einige Strecken zu Fuß zurücklegen. Auf dem Weg in den Ratssaal in Xantens Rathaus ist das Geländer zunächst links angebracht, was es der Rechtshändlerin schon schwer macht. Dann muss sie auch noch auf halbem Weg die Seite wechseln. Oft sind es durchaus kleine Dinge, die Menschen mit Handicaps den Alltag erleichtern könnten. Angela Weniger hat sich vorgenommen, der Stadt Xanten dabei zu helfen. Sie möchte Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen an einen Tisch bringen, um konstruktive Vorschläge zu unterbreiten.

Sie freut sich, dass Xanten auch in einer eigenen "Satzung über die Wahrung der Belange von Menschen mit Behinderung" die Selbstverpflichtung aufgenommen hat, behinderten Menschen die Teilnahme am Leben in der Gesellschaft und eine selbstständige Lebensführung zu ermöglichen. "Das hört sich gut an, ist aber nicht einfach", weiss sie selbst. Als sie im Rathaus vorsprach, um eine Sondererlaubnis zu bekommen, in der Innenstadt mit ihrem Spezialfahrrad zu fahren, weil sie sich damit weitaus besser bewegen kann als zu Fuß, blitzte sie ab. "Da könne ja jeder kommen" - so viel zur Teilhabe am Leben in der Gesellschaft. Trotzdem geht sie ihr Anliegen weder verbittert noch aggressiv an. "Ich möchte nicht meckern und kritisieren. Ich will helfen, die Situation in unserer Stadt zu verbessern."

Dafür lädt sie nun zu einem ersten Treffen ein. Am Dienstag, 23. Juni, wird sie ab 19 Uhr in der Gaststätte Einstein auf andere Betroffene warten. Sie hofft, dass sich daraus ein lebendiger Gesprächskreis ergibt ("Stammtisch ist wohl nicht der richtige Begriff"), der sich regelmäßig trifft und Erfahrungen austauscht.

Genug zu tun gibt es aus ihrer Sicht allemal: "Xanten ist nicht barrierefrei", sagt Angela Weniger, die sich als Lehrerin am Förderzentrum auch mit den Sorgen anderer auskennt. Das Rathaus sei nur ein Beispiel ("Haben Sie schon mal versucht, als Gehbehinderter zu den Büros der FZX zu kommen?"). Und als interessierter Bürger nach Büroschluss zu einer Rats- oder Ausschusssitzung zu kommen, sei schon sehr schwierig, wenn nur der Seiteneingang geöffnet ist. "Wie komme ich mit dem Fahrrad in die Wallanlagen?", fragt sie sich zudem, und auch der Weg zur unterirdischen Behindertentoilette am Markt sei für den, der nicht gerade den Euroschlüssel für den Fahrstuhl parat hat, mehr als beschwerlich. "Da fehlt einfach in der Mitte noch ein Geländer".

Dinge, die ihr Sorgen bereiten. Seit 21 Jahren lebt sie mit der Diagnose MS. "Ich habe lange Glück gehabt, es ging ganz gut." Nun fürchtet sie, eines Tages nur noch in den eigenen vier Wänden leben zu müssen. Der Rat der Betroffenen, auch im Austausch mit dem Behindertenbeauftragten, soll helfen, dass es nicht so weit kommen muss.

Kontakt Angela Weniger ist unter 02801 9274 oder weniger.xanten@gmail.com zu erreichen. Das erste Treffen ist für Dienstag, 23. Juni, 19.30 Uhr im Einstein vorgesehen.

Quelle: RP
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