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Xanten
Xanten zieht zum Einkaufen an

Xanten. Die Domstadt hat die höchste Zentralitätskennziffer in der Umgebung. Sie lockt durch den Tourismus zahlende Gäste in die Stadt. Für Rheinberg gibt es deutlich Luft nach oben. Auch in Alpen und Sonsbeck fließt viel Kaufkraft ab. Von Bernfried Paus

Der Xantener Einzelhandel schöpft seine Potenziale nahezu aus und profitiert offenkundig von den Besucherströmen, die die Domstadt mit ihren Sehenwürdigkeiten und seinem attraktiven Freizeitangebot anlocken. Diese positiven Folge der vielen Touristen belegt die aktuelle Statistik zu Umsatz und Kaufkraft der Kommunen im Kreis Wesel, die der Einzelhandelsverband Niederrhein gerade vorgelegt hat. Hier kommt Xanten bei der sogenannten Zentralitätskennziffer auf beachtliche 95,7 und liegt damit im oberen Tabellendrittel. Die Mittelzentren Wesel (111) und Moers (109) liegen hier naturgemäß auch aufgrund ihrer Größe vorn. Kamp-Lintfort schafft 107,9.

Städte mit einer Kennziffer über 100 ziehen mehr Kaufkraft an als die Stadt aufgrund ihrer Einwohnerzahl hergibt. Im Gegenzug: Bei Kennziffern unter 100 fließt Kaufkraft ab. Das ist für Xanten mit seinen 21.575 Einwohnern und 4537 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nur in relativen geringen Umfang der Fall. Die Siegfried-Stadt verfügt über eine einzelhandelsrelevante Kaufkraft von 140,4 Millionen Euro, der Einzelhandel in der Stadt setzte im Untersuchungszeitraum 119,1 Millionen Euro um.

Dass eine relative kleine Stadt wie Xanten so viel Kaufkraft binden kann, sei auch ein Beleg für die Qualität des örtlichen Einzelhandels, so Wilhelm Bommann, Geschäftsführer des Niederrheinischen Handelsverbandes. Er betont aber auch die Rolle des Tourismus. "Wallfahrtsorte wie Marienbaum beispielsweise haben einen segensreichen Einfluss auf die Zentralität", so der Fachmann. Übersetzt heißt die einfache Rechnung: Je mehr Leute eine Stadt anlockt, desto mehr Geld lassen diese hier.

Für Rheinberg gibt's hier offenbar noch deutlich Luft nach oben. Die Stadt erreicht gerade mal eine Kennziffer von 64,9. Es bleibt also von jedem verfügbaren Euro gut die Hälfte in den Geschäften vor Ort. Der Rest wandert ab - bei einer Kaufkraft von 215,2 Millionen Euro der 31472 Rheinberger macht der Handel nur einen Umsatz von 123,9 Millionen.

"Das ist nicht ganz untypisch für kleinere Städte", relativiert Bommann. Doch er warnt auch davor, ortskernrelevanten Handel weiter an der Peripherie der Innenstadt anzusiedeln. "Diese Frequenzbringer fehlen hier dann auch den anderen Anbietern", so der Experte. Zuletzt sind die Klagen lauter geworden, dass immer mehr Geschäfte in Citylage schließen und die Lücken nicht geschlossen werden können. So verliere die Innenstadt weiter an Zugkraft, eine unheilige Abwärtsspirale.

Gleichzeitig machte Wilhelm Bommann darauf aufmerksam, dass die Bevölkerung in Rheinberg wie in den Nachbarkommunen Xanten, Alpen und Sonsbeck bei der Versorgung mit Dingen des täglichen Bedarfs recht gut dastehen. "In diesem Segment erreichen wir in allen vier Kommunen um die 100 Prozent", so Bommann im RP-Gespräch. "Darauf legen wir großen Wert."

Alpen kommt mit 12.778 Einwohnen auf eine einzelhandelsrelevante von immerhin 87,4 Millionen Euro. Die Händler in der Kommune mit den vier relativ eigenständigen Dörfern melden einen Umsatz von 37,6 Millionen. Die Kennziffer für die Gemeinde liegt bei bescheidenen 48,5 - also nicht mehr jeder zweite Euro bleibt vor Ort. Der Gemeinderat ist bekanntlich derzeit dabei, sein Stadtmarketingkonzept neu zu stricken. Bürgermeister Thomas Ahls hat jüngst durchblicken lassen, dass er mit dem festgestellten Kaufkraftabfluss wenig zufrieden ist. Diese betrübliche Feststellung werde sicher auch eine Rolle spielen, wenn politisch über die Zukunft auf dem Willy-Brandt-Platz - ein Filetstück mitten im Ortskern - entscheiden wird.

Auch Sonsbeck tut sich nicht so leicht, als Einzelhandelsstandort zu bestehen. Hier liegt keine absolute Ziffer vor, wie viel von den 58,4 Millionen Euro Kaufkraft bei den Einzelhändlern vor Ort in der mit 8788 Einwohner kleinsten Kommune des Kreises Wesel bleiben.

Quelle: RP
 
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