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Xanten
Xantener operiert im afrikanischen Benin

Xanten: Xantener operiert im afrikanischen Benin
Über die gelungene Eröffnung des OP-Containers für das Centre Medical Gohomey freute sich Dr. Elke Kleuren-Schryvers von der Aktion pro Humanität mit Dr. Comlan Houily und Dr. Johannes Kohler. Der Chirurg aus Xanten leitete das Ärzteteam. FOTO: Privat
Xanten. Aufregende Tage für Chirurg Dr. Johannes Kohler. Er leitete das Ärzteteam, das mit der niederrheinischen Aktion Pro Humanität einen OP-Container in Gohomey aufbaute und erstmals nutzte. Heute kehrt er von der Reise zurück. Von Dirk Möwius und Heike Waldor-Schäfer

Die erste chirurgische Sprechstunde wollte gar kein Ende nehmen. Gemeinsam mit dem Chefarzt der Centre Medical Gohomey, Dr. Gyshlain, sah das deutsche Ärzteteam um den Chirurgen Dr. Johannes Kohler aus Xanten mehr als 25 Patienten. Am nächsten Tag, nach einer Ankündigung im lokalen Radio, waren es noch viel mehr Menschen, die ins Centre Medical Gohomey kamen, weil die Jovo-Ärzte (die weißen Ärzte) da sind. Nachdem eine elfköpfige Gruppe aus Technikern, Ärzten und Teammitgliedern der Aktion pro Humanität vor 14 Tagen im westafrikanischen Benin und im Projekt der Aktion pro Humanität in Gohomey angekommen ist, hat sich viel entwickelt.

Zuerst wurde der Lasten-Container ausgeräumt inklusive der mehrere hundert Kilo schweren Teile wie Generator und digitale Röntgenanlage und OP-Tisch. "In einem tatkräftigen Einsatz von Deutschen und Beninern konnte dies binnen eines Tages nur mit menschlicher Kraft, ohne technische Hilfsmittel, mit großer Freude und enormen Teamgeist aller bewältigt werden. Die Dankbarkeit über diese neuen Perspektiven für das Centre Medical Gohomey ist riesig bei allen Menschen hier," so Dr. Elke Kleuren-Schryvers, Vorstand der Aktion pro Humanität.

Und es ging schnell weiter: Die OP-Lampen hängen, der OP-Tisch steht aufgebaut im Operationssaal und unter lautem Jubel vernahmen alle im Team das erste Motorengeräusch des Generators. Das Licht brennt, jetzt die Klimaanlagen werden installiert. Dirk Henrici und Charly Moeders leisten hervorragende Arbeit trotz der großen Hitze von deutlich über 30 Grad Celsius. Währenddessen gab es die erste Sprechstunde des Ärzteteams im Behinderten-Zentrum in Lokossa. Der kleine Christian wird eine Sehnenverlängerungs-OP der Achillessehnen in beiden Beinen bekommen können. Dies hilft dem Orthopädie-Mechaniker Emile bei der weiteren Korrektur der Sichelfußfehlstellung des Vierjährigen. Ein weiterer Fall wird ein Patient mit einer Knochenentzündung im Oberschenkel nach einem offenen Beinbruch sein. "Wir werden langsam mit dem OP-Programm beginnen müssen, da die gesamte Technik neu ist. Wichtig für das Team ist, dass wir mit unserem Tun Bedürfnisse der Beniner helfen, zu erfüllen. Für die konkrete operative Arbeit wird dies bedeuten, das wir die Traumatologie und operative Orthopädie fortentwickeln im Land", erläutert Dr. Johannes Kohler.

Sightseeing in Benin: Elke Kleuren-Schryvers zeigt Johannes Kohler bei der Tour mit dem Motorrad die Dörfer. FOTO: privat

Die Installationsarbeiten im Röntgenraum und am OP-Container gingen mit unverminderter Dynamik voran. Dr. Wolfgang Paul, der Anästhesist, arbeitet mit Hochdruck an seinen Apparaturen. Der Techniker der Röntgenfirma warteten zunächst noch auf die endgültige Fertigstellung des Röntgenraums. Dann tönte der Jubel aus dem Röntgenraum, denn dort war das erste Röntgenbild entstanden. Radiologin Dr. Angelika Mosch, Walburga Koep, MTRA, und Daniel, der Röntgen-Techniker der Herstellerfirma, hatten es geschafft. Gestochen scharf zeigte sich das Röntgenbild einer linken Frauenhand mit Ring am Ringfinger, so wie es 1895 Prof. Carl Röntgen von seiner Ehefrau erstellte.

"Das Miteinander im Team ist sehr beeindruckend, jeder hilft jedem, wo er kann. Es wird schon acht Stunden hart gearbeitet unter tropischen Bedingungen, aber es wird wirklich auch viel gelacht und gescherzt", sagte Beate Kohler, die beim Organisieren hilft, unterstützt, wo sie kann, und das Team bei Laune hält. Am Abend war ein spannendes Kontrastprogramm geplant: das Team besuchte - verstärkt um einen Gynäkologen und eine Hebamme sowie eine Journalistin, die gestern in Gohomey eintrafen - den traditionellen Heiler, Monsieur Rigobert, in der Nachbarschaft des Projektes. Dort trafen die Jahrhunderte alte traditionelle Medizin Westafrikas und die technisierte europäische Medizin aufeinander. Respektvoller interkultureller Dialog und das aufmerksame erste Kennenlernen der Traditionen Westafrikas, meinten die deutschen Ärzte.

Quelle: RP
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