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Xanten
Xantens Fahrradstraße sorgt für Ärger

Xanten: Xantens Fahrradstraße sorgt für Ärger
Nach der neuen Regelung können Radler auf dem Rheindeich die gesamte Straßenbreite nutzen. Sie müssen Autos nicht mehr passieren lassen. Anwohner finden das gar nicht gut. FOTO: Fischer
Xanten. Eine neue Regelung auf dem Rheindamm in Vynen erhitzt die Gemüter: Anwohner berichten von Beschimpfungen und Pöbeleien durch Radler. Von Peter Kummer

Heinz Roeloffs und Edith Maas waren nicht die einzigen, die aufgebracht zum Bezirksausschuss Vynen kamen. Etwa 25 Anwohner nahmen im Besucherbereich Platz, sie waren hauptsächlich wegen der neu eingerichteten Fahrradstraße auf dem Rheindeich gekommen. Ihre Verärgerung prasselte nur so nieder auf Bürgermeister Thomas Görtz. Als Autofahrer werde man beschimpft und angeschnauzt, "am Wochenende ist es besonders schlimm. Das Schild muss wieder weg", forderte Heinz Roeloffs. Ein anderer Bürger berichtete davon, "dass sich schon Leute vor meinem Auto aufgebaut und gesagt haben, ich hätte dort nichts zu suchen".

Stein des Anstoßes war das Verkehrsschild 244. Es erlaubt Radfahrern, bei Autos von hinten nicht zur Seite fahren zu müssen, sondern in der Gruppe die ganze Breite der Fahrbahn ausnutzen zu können. Andere Fahrzeuge als Radfahrer dürfen die Straße nur befahren, soweit dies durch Zusatzschild zugelassen ist. Alle dürfen nur mit mäßiger Geschwindigkeit fahren. Was eine mäßige Geschwindigkeit ist, wird unterschiedlich beantwortet; überwiegend versteht man darunter eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 25 bis 30 Stundenkilometer. Edith Maas schüttelt den Kopf: "In den vergangenen elf Jahren ist bei Tempo 50 hier nie etwas passiert."

Mit dem Vorschlag, den Rheindeich in Vynen in eine Fahrradstrasse umzuwandeln, hatte sich ein Bürger aus Vynen an die Stadt gewandt. "Ich hielt das für eine gute Idee. In den Niederlanden gibt es viele solcher Straßen. Auch in anderen deutschen Städten", erläuterte Görtz. "Warum funktioniert es nicht in Xanten?" Man sei eine fahrradfreundliche Stadt; es habe positive Signale von ADFC und aus der Bürgerschaft gegeben. Da sollte man, wo es gehe, die Rechte der Radfahrer erhöhen. Das wiederum führte zur Replik eines Anwohners: "Wir kamen früher mit den Radfahrern meistens gut zurecht. Jetzt pöbeln sie, weil sie mehr Rechte haben."

Die Anlieger wurden von der kurzfristigen Änderung eiskalt erwischt; eine vorherige Information oder gar eine Befragung hatte es nicht gegeben. Der Deichverband als Eigentümer des Deiches war nach Angaben eines Anliegers ebenfalls nicht informiert gewesen. Statt dessen haben Bürgermeister und Antragsteller kurzfristig einen "Eröffnungstermin" vereinbart, von denen die Anwohner nur per Zufall aus den sozialen Medien erfuhren. Auch das sorgte für Unmut. Görtz: "Ich wollte mich nicht mit fremden Federn schmücken. Die Idee kam aus der Bürgerschaft. Es war eine spontane Terminvereinbarung."

Der Bürgermeister räumte ein, dass vor dem Aufstellen des Schildes die Anwohner hätten besser informiert und befragt werden sollen. "Was insbesondere ich durchaus nicht richtig eingeschätzt beziehungsweise unterschätzt habe, ist die hohe Sensibilität der Anwohner, die offensichtlich diese Maßnahme als erhebliche Einschränkung für sich persönlich empfinden. Wir werden die Entwicklung in den nächsten Monaten sehr aufmerksam und kritisch beobachten. Im Rahmen einer Erprobungsphase möchten wir Erfahrungen sammeln und auch Eindrücke durch Radfahrer, Autofahrer und Anleger sammeln und auswerten", betonte Görtz im Nachgang der Ausschusssitzung. Er verwies auf andere Fälle, in denen anfängliche Skepsis und Kritik später gewichen sei. Im Praxisbetrieb sei es nachher deutlich unproblematischer gewesen als zunächst befürchtet, erklärte der Bürgermeister am Beispiel Fahrradschutzstreifen Sonsbecker Straße. "Ob dies auch für die Fahrradstraße gilt, bleibt abzuwarten."

Er kündigte an, zum Ende der Erprobung in einer Bürgerversammlung die Erfahrungen zu sammeln, sie auszuwerten und danach final zu entscheiden. Görtz: "Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die befürchteten Nachteile und Einschnitte für die Anwohner nicht in dem Umfange eintreten werden, wie jetzt angenommen." Er verwies auf eine Fahrradstraße in Wesel, die seit mehr als einem Jahr seiner Kenntnis nach problemlos von der Bevölkerung, von Radfahrern und Autofahren angenommen werde.

Quelle: RP
 
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