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Xanten
Xantens Signal nach dem Anschlag: "Wir schaffen das"

Brandanschlag auf geplantes Flüchtlingsheim in Xanten
Brandanschlag auf geplantes Flüchtlingsheim in Xanten FOTO: Fischer, Armin
Xanten. "Kanonikus" hat als Zeichen für Toleranz einen Aufkleber produziert. Die Stadt setzt auf Sicherheitsunternehmen. Von Dirk Möwius

"Wir sind Xanten - wir schaffen das". Mit einem deutlichen Zeichen können alle Xantener ab sofort auf ihrem Auto zeigen, dass der Brandanschlag auf die künftige Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Förderschule für ein Zusammenrücken der Bürger in ihrer Ablehnung von Gewalt sorgt. Der akademische Ortszirkel "Kanonikus" (KV) hat als Zeichen für Toleranz den Aufkleber entworfen, der gemeinsam mit einem großzügigen Mitbürger finanziert wurde. Er soll in einer Erstauflage von 1000 Stück gratis verteilt werden.

Die ersten Exemplare wurden bereits gestern beim Dialoggespräch in der Mensa ausgegeben. "Wir erkennen die Schwierigkeiten im Umgang mit dem großen Flüchtlings- andrang und auch die Bedenken der Anwohner des ehemaligen Förderzentrums", so der Ortszirkelvorsitzende Tanko Scholten. "Dennoch ist Hilfe unerlässlich. Wir möchten mit unserem Aufkleber allen aktiven Helfern und den Verantwortlichen in der Verwaltung den Rücken stärken." Erst in der Not zeigten sich Nächstenliebe und Menschlichkeit.

Die Aufkleber sind wetterfest und eignen sich für Auto und Fahrrad gleichermaßen. "Eigentlich klebt er überall, sollte aber sichtbar sein", meint Scholten. So könnten sich viele still, aber mit einem eindeutigen "Ja zur Flüchtlingshilfe" gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit aussprechen. Die Aufkleber liegen zu den jeweiligen Öffnungszeiten beim Bürgerservice des Rathauses, im Weltladen (Kurfürstenstraße 3) sowie bei Volksbank und Sparkasse am Europaplatz aus.

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Wer möchte, kann spenden, damit weitere Aufkleber gedruckt werden können. An den Ausgabestellen stehen dafür Spendendosen bereit. Überschüsse gehen an den Arbeitskreis Asyl.

Wie angekündigt, hat die Stadtverwaltung geprüft, wie sich die Sicherheit für die Flüchtlingsunterkünfte in Xanten verbessern lässt. Bürgermeister Thomas Görtz hat als Sofortmaßnahme ein Sicherheitsunternehmen aus der Region mit der Überwachung der Unterkünfte im Stadtgebiet beauftragt. Die Überwachung erfolgt durch Streifendienstfahrten und Objektüberwachung in den Abend- und Nachtstunden. Das beauftragte Unternehmen sei qualifiziert und verfüge über entsprechende Referenzen in diesem Bereich, betont der Verwaltungschef.

Zudem werden ab der kommenden Woche zwei Mitarbeiter in der künftigen Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Förderschule die soziale Betreuung der dort untergebrachten Flüchtlinge aufnehmen. Diese Betreuung wurde jedoch bereits unabhängig von den Brandereignissen mit der Caritas im Vorfeld vereinbart und stelle eine gute Ergänzung zu den bisherigen Betreuungsleistungen über die Kooperation mit der Diakonie und dem ehrenamtlichen Einsatz des Arbeitskreises Asyl und der Xantener Flüchtlingshilfe dar. Gemeinsam mit einem zusätzlichen Hausmeister für die tägliche Präsenz in der Unterkunft könne so ein "sehr gutes Betreuungsangebot für die in der ehemaligen Förderschule untergebrachten Flüchtlinge gewährleistet werden".

Nach tagelangem Schweigen meldeten sich gestern auch die Polizei und die Staatsanwaltschaft Kleve zu Wort. Man habe nach dem Feuer in der Förderschule noch keine heiße Spur, gehe aber fest von einem Brandanschlag mit ausländerfeindlichem Hintergrund aus.

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Quelle: RP
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