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Xanten
Zufriedene Abstinenz hilft gegen Rückfall

Xanten: Zufriedene Abstinenz hilft gegen Rückfall
Die Aktiven der Selbsthilfegruppe Suchtgefahren. Von links: Wilfried Willemsen, Hans-Dieter Dormoolen, Erwin Rieger und Brigitta Leder. FOTO: arfi
Xanten. Im Freundeskreis Suchtkrankenhilfe treffen sich trockene Alkoholiker. Die Aktion Bewegen hilft unterstützt die Arbeit. Von Peter Gottschlich

Das Wort Alkohol fällt zum ersten Mal nach einer Viertelstunde, obwohl sieben trockene Alkoholiker zusammensitzen. Aber heute haben sie wichtigere Dinge zu besprechen als ihre Sucht. Sie blicken auf eine gemeinsame Radtour zurück, die sie am Sonntag unternommen haben. Zum Frühstück trafen sie sich im "Lieblingscafé" in Vynen. Dann radelten sie nach Obermörmter, setzten mit der Fähre über den Rhein. Sie legten in Rees-Mehr eine Pause an, um nachmittags bis nach Bislich zu fahren, wo sie mit der nächsten Fähre den Rhein querten. Im Landhaus in Wardt ließen sie die Tour ausklingen, von der alle begeistert erzählen.

Die Mitglieder des Freundeskreises Selbsthilfegruppe Suchtkrankenhilfe Xanten können glückliche Stunden erleben, ohne Alkohol zu konsumieren. Zufriedene Abstinenz nennen sie das. "Ich habe nicht das Gefühl, es würde mir etwas fehlen", beschreibt Brigitta Leder den Begriff, die zusammen mit Erwin Rieger die Marienbaumer Gruppe des Freundeskreises begleitet. "Ich fühle mich frei. Sonst könnte ich nicht abstinent leben."

Einstmals war sie nicht frei. Sie konnte nicht leben, ohne zur Flasche zu greifen. "Ich habe mir vorgemacht, ich sei nicht abhängig", berichtet sie. "Es hat lange gedauert, bis ich gesagt habe: ,Ich bin Alkoholikerin.' Ich hatte den Willen, mit dem Trinken aufzuhören, was ganz ohne Druck von außen nicht funktioniert hätte." Diese Aussage könnten die anderen Mitglieder im Freundeskreis wiederholen. Dabei sind ihre einstigen Trinkerkarrieren unterschiedlich. "Die Geschichten sind ganz individuell", sagt Hans-Dieter Dormoolen, der den Freundeskreis vor 25 Jahren gründete und bis 2014 Begleiter der Marienbaumer Gruppe war. "Deshalb kann eine Behandlung nur individuell sein."

Wenn Alkoholiker sich nichts mehr vormachen und trocken werden wollen, können sie in eine stationäre oder ambulante Therapie gehen. "Erst dann kommen wir ins Spiel", sagt Erwin Rieger. "Hier können sich die Mitglieder austauschen, und die anderen hören ihnen zu, weil sie ein ähnliches Schicksal hatten." Sie erfahren, was andere in bestimmen Situationen gemacht haben, wenn sie nicht mehr zur Flasche gegriffen haben. Sie lernen, zufriedene Abstinenzler zu werden.

"Die Gefahr eines Rückfalls ist groß", sagt Erwin Rieger aus eigener Erfahrung. "Am Anfang bin ich nach fünf Jahren zurückgefallen. Ich habe erst ein kleines bisschen getrunken. Dann war mein Suchtgedächtnis wieder aktiv. Nach einigen Wochen musste ich wieder so wie früher trinken."

Ihm gibt der Freundeskreis Halt. Außerdem hat er hier eine Aufgabe - beispielsweise das 25-jährige Jubiläum mit zu organisieren, das der Freundeskreis am 17. September an 10 Uhr in der Mensa des Gymnasiums an der Poststraße feiert. "Wir treffen uns auch zu einem Weckmannessen, einer Adventsfeier und einem gemeinsamen Kegeln", erzählt er. "Dazu kommt die Fahrradtour im Sommer und die Jahreshauptversammlung. Der Freundeskreis Xanten besteht aus zwei Gruppen. Die eine trifft sich jeden Mittwoch, 19 Uhr, in Marienbaum im Konferenzraum der Sparkasse an der Kalkarer Straße. Diese Gruppe wird von Brigitta Leder, Telefon 02804 1636, und Erwin Rieger, Telefon 0175 4679407, begleitet.

Die andere Gruppe kommt jeden Donnerstag im Haus Michael, Kapitel 17, zusammen. Sie wird von Frank Fröhlich begleitet, Telefon 02801 705405.

Dem Freundeskreis gehören trockene Alkoholiker und Angehörige an. Er ist aber auch für andere Süchtige offen, beispielsweise für Pokemonitis, also Computerspielsucht.

Der Freundeskreis gehört dem Landesverband der Freundeskreise Suchthilfe an. Er wird durch Spenden unterstützt, wie jetzt bei der Aktion "Bewegen hilft" von Guido Lohmann.

www.Freundeskreis-Xanten.de

Quelle: RP
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