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Neues Zentrum für Start-ups
Herz des Online-Handels soll an Rhein und Ruhr schlagen

Starbuzz-Programm: Förderung für junge Firmengründer an Rhein und Ruhr
In ene Etage von Tengelmanns Zentrale sollen Start-ups einziehen. FOTO: Tengelmann
Mülheim. In der Mühlheimer Zentrale des Handelskonzerns Tengelmann wird umgebaut. In eine Etage der Fabrik sollen junge Firmengründer einziehen. Das Projekt "Starbuzz" will zehn Start-ups fördern. Von Florian Rinke

"Wir müssen etwas umsortieren", sagt Firmenchef Karl-Erivan Haub. "Starbuzz" heißt das Unterstützungsprogramm, mit dem Start-ups im digitalen Handel und der Logistik gefördert werden sollen. Eine Etage soll in dafür in der früheren Schokoladenfabrik frei gemacht werden, um Platz für junge Gründer zu schaffen.

Am Montag wurde dieser Accelerator in Mülheim vorgestellt. An dem Gemeinschaftsprojekt beteiligen sich neben der Stadt Mülheim auch die Hochschule Ruhr West sowie verschiedene Handels- und Logistikunternehmen wie Tengelmann, der Düsseldorfer Handelskonzern Metro, der Logistikriese DHL oder der Tiefkühlkost-Lieferant Eismann.

"Von Köln bis Dortmund sitzt das Handelsherz von Deutschland", sagt Jürgen Schnitzmeier, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Mülheim. Mit dem unabhängigen Programm wollen die Partner dafür sorgen, dass auch das Online-Handelsherz in Zukunft an Rhein und Ruhr schlägt. Denn der digitale Handel wächst rasant – und es ist nicht ausgemacht, dass NRW als Standort in dieser Welt die gleiche Rolle spielen wird.

Online-Handel wächst schnell

Der Online-Riese Amazon hat seinen Deutschland-Sitz in München, der Mode-Händler Zalando entstand in Berlin. "Allein Zalando will in diesem Jahr eine Milliarde Euro mehr Umsatz machen", sagt Christian Winter, der mit der Tengelmann-Tochter Tengelmann Ventures seit Jahren in Start-ups investiert: "Das ist eine Milliarde, die aus dem stationären Handel verschwindet."

Winter geht davon aus, dass der Online-Handel auch in den kommenden Jahren zweistellig wachsen wird. Das Geschäft mit Artikeln für Babys und Kleinkinder mache beispielsweise erst einen Online-Anteil von fünf bis acht Prozent aus. Es sei also noch viel Luft nach oben. Der Handelsverband Deutschland rechnet für 2017 mit einem Plus von elf Prozent auf knapp 50 Milliarden Euro.

Kleinere Stationen in den Innenstädten

Durch diesen Boom wird sich auch die Logistik verändern: Immer mehr und immer schneller müssen Pakete befördert werden, statt großer Logistikzentren auf der grünen Wiese könnten bald immer mehr kleine Verteilerstationen in den Innenstädten entstehen. Hinzu kommt der Lebensmittel-Handel: Amazon begann zuletzt auch die Zustellung von frischen Lebensmitteln, andere könnten bald folgen. Auch dies verändert die Märkte. Laut einer aktuellen Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom rechnet jedes zweite Unternehmen damit, dass es durch die Digitalisierung auch in Zukunft zu immer mehr Logistikprozessen kommen wird.

In Mülheim will man daher dafür sorgen, dass die Heimat von Tengelmann und Aldi Süd auch in Zukunft eine Rolle im Handel spielt. Bis zum 30. Juni können sich Start-ups für das neue Starbuzz-Programm bewerben. Wer ausgewählt wird, bekommt mindestens drei Monate lang die Möglichkeit, in Mülheim an seiner Idee zu arbeiten.

Mentoren und Zeit für zehn Start-ups

"Die Start-ups bekommen durch die Partner Zugang zu Märkten und Kunden", sagt Wirtschaftsförderer Schnitzmeier. Darüber hinaus können sie sich von den Kooperationspartnern in einer Art Mentoren-Programm beraten lassen und haben sogar die Chance, frisches Beteiligungskapital einzuwerben.

Zehn Start-ups mit dem Schwerpunkt E-Commerce oder Logistik sollen in der ersten Auflage in das Programm aufgenommen werden – je nach Qualität und Anzahl der Bewerber. Anders als bei anderen Acceleratoren müssten Gründer nicht als Gegenleistung für die Aufnahme in das Programm Firmenanteile abgeben, betont Starbuzz-Projektleiter Thomas Müller: "Bei anderen sind es fünf bis acht Prozent. Das wollen wir nicht."

Hochschule einbinden

Gleichzeitig sollen Gründer die Möglichkeit erhalten, von der Nähe zur Hochschule Ruhr West zu profitieren. "Wir werden die Labore für die Gründer öffnen", sagt Oliver Koch, Vize-Präsident Forschung und Transfer bei der Hochschule. Ab dem Wintersemester soll zudem der Studiengang E-Commerce an der Hochschule angeboten werden. "Er ist in der deutschen Hochschullandschaft einzigartig", betont Koch. Auch das soll helfen, das Handelsherz zu erhalten. Vielleicht wird in der früheren Schokoladen-Fabrik bald noch mehr Platz benötigt.

 

 

 

 
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