| 09.52 Uhr

Düsseldorf
V-Mann-Führer darf nicht aussagen

Düsseldorf. Bundesverfassungsschutz weist den NSU-Ausschuss im Fall "Corelli" ab. Von Detlev Hüwel

Lange Gesichter im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA), der sich mit den Bluttaten der rechtsterroristischen Organisation "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) befasst. Der Ausschuss fühlt sich vom Bundesverfassungsschutz im Regen stehen gelassen.

In dieser Woche will der PUA planungsgemäß zum Komplex Thomas Richter übergehen. Der inzwischen verstorbene Aktivist aus der rechtsradikalen Szene in Sachsen-Anhalt war jahrelang Informant (V-Mann) des Bundesverfassungsschutzes in Köln und wurde von ihm unter dem Decknamen "Corelli" geführt. Der Spitzel war nach Angaben des PUA-Vorsitzenden Sven Wolf (SPD) "nah dran" am NSU-Trio um Uwe Bönhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe. Daher habe es nahegelegen, jetzt im Ausschuss "Corellis" V-Mann-Führer zu befragen, so Wolf zu unserer Redaktion. Doch der Beamte darf nicht reden: Das Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln hat ihm trotz PUA-Antrags nicht die nötige Aussagegenehmigung erteilt. Wolf zeigt sich darüber sehr verärgert. Er könne die offizielle Begründung nicht nachvollziehen. Laut Behörde gebe es keine Bezüge zu Nordrhein-Westfalen. "Doch ob das wirklich so ist, wollen wir ja gerade mit unserer Arbeit im PUA aufklären", beharrt Wolf.

"Corelli" hatte möglicherweise auch Kontakte zur rechtsradikalen Szene in Dortmund. Dort war am 4. April 2006 der türkische Kioskbesitzer Mehmet Kubasik erschossen worden; er war das achte Mordopfer des NSU. Möglicherweise hätte der V-Mann-Führer einige Einzelteile in das Aufklärungspuzzle einfügen können. Nach dem Veto aus Köln heißt es nun im Landtag, der Verfassungsschutz behindere an dieser Stelle die Arbeit in Düsseldorf.

"Corelli", der nach seiner Enttarnung in einem Zeugenschutzprogramm in Paderborn lebte, war im April 2014 im Alter von 39 Jahren unter mysteriösen Umständen gestorben. Als Todesursache wurde eine bis dahin bei ihm nicht festgestellte Diabetes ermittelt; aus dem Koma ist er nicht mehr aufgewacht. Der PUA wird dazu am Donnerstag zwei Mediziner befragen. Außerdem soll der damalige Wohnungsvermieter als Zeuge aussagen. Von ihm erhofft sich der PUA Hinweise zum sozialen Umfeld und zur Lebensführung von "Corelli".

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Düsseldorf: V-Mann-Führer darf nicht aussagen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.