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Düsseldorf
Vergewaltigte Seniorin: 19-Jähriger gefasst

Düsseldorf. Im Fall der in der Düsseldorfer Altstadt überfallenen 90-Jährigen hat ein DNA-Abgleich zu einer Festnahme geführt. Täter soll ein Spanier marokkanischer Herkunft sein. Kurz zuvor saß er noch wegen Raubes in U-Haft. Von Torsten Thissen

Die Tat hatte über Düsseldorfs Grenzen hinaus für Entsetzen gesorgt: Eine 90-Jährige wurde nach dem Besuch der Lambertus-Kirche, wo sie eine Kerze angezündet hatte, mitten in der Düsseldorfer Altstadt zwischen zwei Häusern in einen Hinterhof gezogen und vergewaltigt. Die Attacke geschah gegen 11 Uhr, also am hellen Tag. Nachdem der Täter von seinem Opfer abgelassen hatte, entkam er unerkannt zwischen Sonntagsspaziergängern und Ausflüglern. Nach knapp zwei Wochen hat die Polizei den mutmaßlichen Täter gefasst. Es handelt sich um einen 19 Jahre alten Spanier mit marokkanischen Wurzeln, der in der Vergangenheit mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten ist. Er wurde inzwischen dem Haftrichter vorgeführt und sitzt in Untersuchungshaft.

Auf die Spur des Mannes brachte die Fahnder der Polizei ein DNA-Abgleich. Der genetische Fingerabdruck des Mannes war erst bei einem Raub im Mai gesichert und gespeichert worden. Damals hatte er einem 17-Jährigen zwei Handys und Bargeld geraubt und ihm dabei mehrmals ins Gesicht geschlagen. Eine Streife hatte den Mann festgenommen, zwei Monate hatte er danach in Untersuchungshaft verbracht, zu einer Anklage oder gar einem Prozess war es allerdings nicht gekommen. Stattdessen wurde er Ende August aus der Haft entlassen. Am 2. Oktober soll er nach aktuellem Stand der Ermittlungen schließlich die 90-Jährige vergewaltigt haben.

Gemäß der Täterbeschreibung war die Polizei zunächst davon ausgegangen, dass es sich um einen Mann mit osteuropäischen Wurzeln handelte, erst der DNA-Abgleich brachte die Fahnder dann auf die Spur des nun Festgenommenen. Wo sich der Mann aufhielt, war allerdings zunächst unbekannt.

"Der Mann hat keinen festen Wohnsitz, ob und wo er in Düsseldorf lebte, ist Teil der noch ausstehenden Ermittlungen", sagte ein Sprecher der Polizei gestern. Dass man ihn am Freitagabend dennoch festnehmen konnte, ist der Aufmerksamkeit eines Beamten der Bundespolizei und dem Zufall zu verdanken.

Der Beamte war gar nicht im Dienst, als er den Gesuchten gegen 21 Uhr am Düsseldorfer Hauptbahnhof erkannte. Er benachrichtigte seine Kollegen von der Bundespolizei und verfolgte den Verdächtigen zivil bis zum Eintreffen einer Streife. Die nahm den 19-Jährigen schließlich fest und übergab ihn den Düsseldorfer Kollegen.

Natürlich war die Erleichterung unter Anwohnern und Besuchern der Altstadt über den Erfolg der Polizei gestern groß. Doch mischte sich auch Unverständnis über die Justiz in die Reaktionen der Menschen. "Wieso kam es zu keinem Prozess, wenn der schon vorher was angestellt hatte?", fragte etwa Altstadtbesucherin Melanie Reisig. Und das war noch eine der milderen Reaktionen. Hinzu kommt eine große Unzufriedenheit bei den Anwohnern über die allgemeine Sicherheitslage in der Düsseldorfer Altstadt. Sie wünschen sich "mehr Präsenz" der Polizei. "Doch natürlich hilft das nichts, wenn die Täter eine Woche später wieder hier stehen und Leute ausrauben oder Diebstähle begehen", sagte gestern ein Anwohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Er beobachte von seinem Fenster aus, wie sich jedes Wochenende Gruppen von jungen Männern offensichtlich nordafrikanischer Herkunft in der Altstadt auf Beutezug machten. Schon lange beklagen sich auch Beamte, die in der Altstadt im Einsatz sind, dass sie an einem Tag einen Täter festnehmen, der am anderen Tag wieder vor Ort ist.

Offenbar gehört auch der nun Festgenommene zu dem Täterkreis, der immer wieder mit Diebstählen und Raubüberfällen in Erscheinung tritt, bevorzugt am Wochenende in der Altstadt. So ist der 19-Jährige laut Polizei schon, bevor er wegen Raubes in Untersuchungshaft saß, "wegen mehrerer Taschen- und Ladendiebstähle polizeilich in Erscheinung getreten". Er soll mit der "Antanz-Methode" versucht haben, Beute zu machen. Dabei sucht der Täter Körperkontakt zu seinem meist angetrunkenen Opfer, lenkt es ab und greift in dessen Taschen, um Handy und Geld zu stehlen, das er an einen Komplizen weiterreicht. Der Diebstahl artet, wenn er nicht gelingt, oft in Gewalt aus. So wohl auch an jenem Abend im Mai, als der 19-Jährige einen 17-Jährigen beraubte. Die Tat geschah keine 30 Meter entfernt vom Tatort der Vergewaltigung.

Die Polizei verweist in der Frage, warum der Tatverdächtige trotz seiner Delikte auf freiem Fuß war, offiziell auf die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft. Dort berief man sich gestern darauf, dass Wochenende sei und man den Fall nicht recherchieren könne. Die Politik in der Landeshauptstadt ist alarmiert. "Die beste Polizei und das Hinsehen der Bürger hilft nichts, wenn ein festgenommener Gewalttäter wieder freikommt", sagte etwa die FDP-Vorsitzende Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

Quelle: RP
 
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