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Köln
Vorerst Frieden im Kölner "Abi-Krieg"

Köln. Immer mehr Schüler distanzieren sich von der Randale mit zwei Verletzten. Von Jörg Isringhaus

Das Ausmaß der Abi-Krawalle hat offenbar zu einem Umdenken in Teilen der Kölner Schülerschaft geführt. "Wir wurden mit Böllern, Steinen, Flaschen, Eiern und Speeren angegriffen. Dabei sind wir uns unserer eigenen Mitschuld bewusst", schreibt die Facebook-Gruppe "Schweinerei" des Humboldt-Gymnasiums. Mit den nächtlichen Aktivitäten in der Mottowoche habe man "unbewusst eine Plattform der Eskalation" geschaffen, die "unkontrollierte Ausmaße" annahm. Als Konsequenz wolle man sich aus dem Wettkampf der Schulen heraushalten und hoffe, dass sich alle Schüler der Kölner Schulen anschließen. Immerhin: In der Nacht zu gestern gab es laut Polizei keine neuerlichen Ausschreitungen.

Zuvor, in der Nacht von Montag auf Dienstag, war die Situation allerdings eskaliert. Vor dem Humboldt-Gymnasium hatten sich 200 Schüler attackiert und mit Gegenständen beworfen. Zwei 18-Jährige wurden schwer verletzt, einer von ihnen erlitt einen Schädelbasisbruch. Gestern hieß es, die Zahl der Verletzten sei höher als angenommen. Dies konnte die Polizei jedoch nicht bestätigen. Auch wurden Vorwürfe laut, die Beamten seien in der Nacht nicht früh genug eingeschritten. Man werde den Einsatz analysieren, sagte Polizeisprecher Thomas Held. Priorität in der Nacht sei es gewesen, die rivalisierenden Gruppen zu trennen.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hat die eskalierten Abi-Streiche als unreif kritisiert. "Was da geschieht, ist einfach unfassbar", sagte die parteilose Politikerin dem "Express". "Es handelt sich hier um Wohlstandsverwahrlosung", erklärte die Politikerin.

Viele Kölner Abiturienten haben sich auch in Presseerklärungen ausdrücklich von den gewalttätigen Vorfällen distanziert. Sie wollen die letzten Schultage vor den Prüfungen nun nur noch mit internen Feiern ausklingen lassen. Teils wurden an Kölner Gymnasien aber abendliche Versammlungsverbote ausgesprochen und Nebeneingänge gesperrt. Dass Abi-Streiche so aus dem Ruder laufen, bezeichnete die Kulturwissenschaftlerin Katrin Bauer, die sich mit Abi-Bräuchen befasst, als wenig überraschend. In den vergangenen Jahren habe es immer mal wieder ähnliche Vorfälle gegeben. In Köln existierten eben viele Gymnasien auf engstem Raum, und Ziel der Abi-Gags sei es, eine starke Identität durch Abgrenzung zu stiften. Die Dimension der Randale habe aber eine neue Qualität.

Die Kölner Polizei appelliert an die Abiturienten, die nächsten Tage gewaltfrei zu verbringen, sich auf die Prüfungen vorzubereiten und hinterher zu feiern. "Meinetwegen auch mit Abi-Scherzen - aber solchen, die als Scherz erkennbar sind", sagte Held. Bis dahin verstärke die Polizei aber ihre Präsenz.

Quelle: RP
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