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Terrorfahndung in Düsseldorf
Was Samir E. verdächtig machte

Anti-Terror-Einsatz in Bilk
Anti-Terror-Einsatz in Bilk FOTO: Hans-Juergen Bauer
Düsseldorf. Die Verhaftung eines 28-jährigen Düsseldorfers im Zusammenhang mit den Attentaten in Düsseldorf hat am Karfreitag hohe Wellen geschlagen. Überrascht waren vor allem diejenigen, die Samir E. schon lange kennen - darunter auch die Polizei. Von Stefani Geilhausen

Denn die Fahnder kennen E. vor allem als Dieb. Zuletzt war er wegen Bandendiebstahls und Autoaufbrüchen zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Weil man fürchtete, er könne sich ins Ausland absetzen bevor das Urteil rechtskräftig wird, wurde E. am späten Donnerstagnachmittag in seiner Bilker Wohnung verhaftet - und dann kamen die Terrorermittler ins Spiel.

Es habe "Anhaltspunkte dafür gegeben, auf alles vorbereitet zu sein", erklärte Frank Scheulen, Sprecher des Landeskriminalamts, warum Sprengstoffhunde die Wohnung auf dem ehemaligen Jagenberggelände durchsuchten und warum sich ein Entschärferkommando des LKA bereithielt. Gefunden wurde, so Scheulen, "nichts, was auch nur annähernd auf Sprengstoff oder Zündmaterial hindeuten könnte."

Nicht aus der Luft gegriffen

Der Verdacht, in den der in Düsseldorf geborene Sohn einer aus Nordafrika stammenden Familie geraten ist, war gleichwohl nicht aus der Luft gegriffen. Voriges Jahr hatten ihn türkische Behörden aus dem syrischen Grenzgebiet abgeschoben - im selben Flieger, in dem auch einer der Brüsseler Attentäter saß. Das mag ein Zufall gewesen sein, denn auch in E.s jetzt sichergestelltem Handy und seinem Computer haben sich nach erster Sichtung durch Spezialisten keine Kontakte zu IS-Terroristen erwiesen. Aber E. pflegt durchaus Kontakte in die extreme Salafisten-Szene.

Nach Informationen unserer Redaktion gehört Kerim Marc B. zu seinen Freunden. Der ist vor einem Jahr verhaftet worden, galt als einer der meistgesuchten Islamisten in NRW. 2013 soll er in Syrien an Feldzügen des IS teilgenommen haben, kehrte nach Deutschland zurück, um eine Knieverletzung behandeln zu lassen - und entwischte den Behörden aus dem Krankenhaus. Erst nach den Morden in der Redaktion des Pariser Satire-Magazins "Charlie Hebdo" interessierte sich auch die Bundesanwaltschaft für die bis dahin bei der Staatsschutzabteilung der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft geführten Ermittlungen gegen B. und ließ ihn im März 2015 verhaften, als er aus der Türkei nach Düsseldorf flog. B. ist deutscher Staatsbürger, stammt aus Kranenburg im Kreis Kleve.

Schlechte Freunde

Zu E.s Freunden gehört nach Informationen unserer Redaktion auch Sascha B., ein Konvertit, der vor sechs Jahren in Mombasa (Kenia) festgenommen und zurück nach Deutschland gebracht wurde. Auch er steht unter Terrorverdacht, hatte seiner Mutter einen Brief hinterlassen, in dem stand, dass er nicht lebend aus Somalia zurückkehren würde, wo er als Jihad-Krieger kämpfen wollte. Dorthin gelangte er nicht, weil deutsche Ermittler die kenianischen Behörden informierten, die B. an der Grenze nach Somalia stoppten.

Düsseldorf gilt zwar nicht als Hochburg der islamistischen Fanatiker, aber deren Zahl nimmt in ganz NRW stetig zu, hat sich seit 2011 verfünffacht, heißt es im Verfassungsschutzbericht, der den Schwerpunkt der großen salafistischen Organisationen im Rheinland sieht. Islamfeindliche Provokationen aus dem rechtsextremistischen Lager, wie etwa die Dügida-Aufmärsche im vergangenen Jahr, haben nach Ansicht der Verfassungsschützer "den salafistischen Propagandisten letztendlich weiter in die Hände gespielt", die Behörde geht von einem deutlichen Anstieg auch der gewaltbereiten Salafisten aus.

Verein im Blick

In der Landeshauptstadt hat der Verfassungsschutz derzeit vor allem einen salafistischen Verein im Blick. Bei Ansaar Düsseldorf e. V. handele es sich "dem eigenen Verständnis nach um einen Hilfsbund zur Unterstützung notleidender Glaubensgeschwister im In- und Ausland". Er sei mit der deutschen Salafisten-Szene verwoben und werbe derzeit vor allem für angebliche humanitäre Hilfe der syrischen Bevölkerung Spenden ein. Der Verfassungsschutz warnt vor Unterstützung des Vereins, der seine Geschäftsstelle in der Nähe des Hauptbahnhofs hat.

In Düsseldorf wird E. als junger Mann mit Neigung zum Jähzorn beschrieben, der schnell aggressiv werde. wenn er sich ungerecht behandelt fühlt. Dass ihn mit dem Salafismus mehr verbindet, als die persönlichen Kontakte, die wohl in seinem Düsseldorfer Wohnumfeld gewachsen sind, halten die Ermittler derzeit für nicht wahrscheinlich.

Allerdings habe er sich von den extremen Salafisten in seinem Freundeskreis auch nie distanziert. Auch sein Bruder, der wegen Widerstands gegen Polizisten und Justizvollzugsbeamte im Gefängnis sitzt, pflege solche Beziehungen. Es sei nicht auszuschließen, dass die beiden kriminellen Brüder sich den Extremisten anschließen, die sich gezielt um junge inhaftierte Männer bemühen.

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