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NRW Justizministerium
Weniger Senioren in Heimen fixiert

Düsseldorf. Die Zahl der pflegebedürftigen Senioren, die im Altenheim in ihren Betten durch eine richterliche Anordnung mit Gittern oder Gurten fixiert werden dürfen, ist in den vergangenen zwei Jahren in NRW deutlich gesunken. Allein zwischen 2011 und 2013 sei in NRW dem Justizministerium zufolge die Zahl der richterlichen Anordnungen zur Fixierung um 40 Prozent zurückgegangen. Von Laura Schameitat

Das sogenannte Fixieren dient meist der Vermeidung von Stürzen aus dem Bett und ist aus ethischen und medizinischen Gründen äußerst umstritten. Neben der Freiheitsentziehung ist auch der fortschreitende Muskelabbau sowie das erhöhte Risiko für Thrombosen durch ständiges Liegen problematisch. Pflegeheime müssen daher vor der Fixierung eine richterliche Anordnung einholen. Der Amtsrichter besucht dafür den Patienten vor Ort und verschafft sich ein genaues Bild der Situation.

Dass die Zahl der Anordnungen immer weiter zurückgeht, liege zum einen daran, dass weniger Anträge gestellt werden, berichtet Peter Marchlewski, Sprecher des Justizministeriums. Zum anderen habe sich aber auch die Einstellung der Amtsrichter geändert. So hätten 41 von 130 Amtsgerichten in NRW bereits erklärt, die Anordnungen nach Möglichkeit zu vermeiden, 26 weitere sind laut Auskunft des Justizministeriums ebenfalls gewillt, eine Umstellung einzuleiten. Marchlewski betonte allerdings auch, dass nicht jede Fixierung überflüssig sei.

Welche Alternativen es zur Fixierung gibt, zeigt das Beispiel des evangelischen Seniorenzentrums Theresienau in Bonn. Seit fünf Jahren verzichtet die Einrichtung komplett auf fixierende Maßnahmen. Stattdessen wurden für sturzgefährdete Bewohner sogenannte Niedrigbetten angeschafft. "Die kann man so herunterfahren, dass sie nur noch 25 Zentimeter über dem Boden sind", erklärt Michael Thelen, Geschäftsführer der Einrichtung. "Außerdem wurden Matratzen neben die Betten gelegt, damit die Patienten weich fallen", sagt Thelen. Einige sturzgefährdete Bewohner seien zudem mit einem Bewegungsmelder ausgestattet worden, der am Körper getragen wird und dem Pflegepersonal signalisiert, wann der Patient aufsteht. "Unser Personal kommt dann sofort und begleitet die Person beispielsweise auf die Toilette", sagt Thelen. Antirutschmatten in den Zimmern reduzieren die Sturzgefahr weiter.

Mehr Personal sei für die veränderten Maßnahmen nicht nötig gewesen, sagt Thelen. 52 Pfleger sind im Theresienau für 145 Bewohner zuständig. "Es wird oft vergessen, dass auch die Fixierung viel Personal erfordert", betont Thelen. Zudem hätten Patienten nach einer Fixierung ein doppelt so hohes Sturzrisiko als vorher, da sich ihre Muskeln zurückbilden. Die Einrichtung hofft, als Vorbild für andere Einrichtungen in NRW dienen zu können. "In Bonn haben sich bereits einige angeschlossen", sagt Thelen.

Quelle: RP
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