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Hamminkeln
Wolf auch am Niederrhein unterwegs

Hamminkeln. Eine DNA-Probe brachte den Nachweis. Das Raubtier hatte bei Hamminkeln drei Ziegen getötet. Von Jörg Isringhaus

Die Wölfe drängen weiter nach Westen: Nachdem gerade eines der Raubtiere in Rösrath vor den Toren Kölns nachgewiesen werden konnte, liegt nun auch ein positiver Befund für die Dingdener Heide bei Hamminkeln vor. Dort waren Ende April drei Ziegen getötet und sieben weitere Tiere verletzt worden. Von den Bissstellen entnommene DNA-Proben ergaben jetzt, dass die Ziegen von einer Wölfin gerissen wurden. Im Gegensatz zum Rösrather Jungtier, das aus einem Rudel in Cuxhaven stammt, ist die Wölfin bisher gentechnisch nicht registriert. "Deshalb können wir auch weder etwas über ihr Alter noch über ihre Wanderwege sagen", erklärt Peter Schütz vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv).

Möglich ist nur eine grobe Zuordnung. So stammt das Raubtier wohl aus der mitteleuropäischen Tieflandpopulation, die eher im Osten verortet ist. Ob es aber etwa aus Sachsen-Anhalt oder Niedersachen kommt, beides Länder mit fest ansässigen Rudeln, bleibt offen. "Allerdings muss es sich um ein pfiffiges Exemplar handeln", sagt Schütz. Denn immerhin ist die Wölfin weite Strecken gelaufen, ohne auffällig zu werden. Das heißt, sie hat sich nicht von Nutztieren ernährt, sondern von Wildschwein-Frischlingen und Rehen, also dem, was der Wald hergibt. Zudem hat sie, wie ihr Rösrather Artgenosse, auf ihrer Wanderung nach Westen diverse Verkehrswege unfallfrei überwunden. Der Straßenverkehr ist bei den Räubern, die auf Wanderschaft bis zu 40 Kilometer pro Tag zurücklegen können, immer noch die häufigste Todesursache.

Ein Wölfin und ein Jungwolf auf Wanderschaft in NRW - das klingt, als sei die Gründung eines Rudels nur noch eine Frage der Zeit. NRW würde sich damit von einem Wolfserwartungsland in ein Wolfsland verwandeln. Für die Schäfer, die jetzt nur entschädigt werden, wenn der Nachweis eines Wolfsangriffs erbracht wird (wie im Fall Dingdener Heide), heißt das, sie bekommen auch Präventionsmaßnahmen wie Herdenschutzzäune erstattet. Das sieht der Wolfsmanagement-Plan des Landes unter anderem vor.

Aber die Wahrscheinlichkeit, dass ausgerechnet diese beiden Wölfe sich treffen, sei doch sehr gering, sagt Schütz. Dazu seien sie zu weit voneinander entfernt. Grundsätzlich sei eine Rudelgründung in Nordrhein-Westfalen zwar nicht ausgeschlossen, aber eher schwierig. Wölfe brauchen Platz und ausreichend große Population von Beutetieren, um sich ansiedeln zu können. Schütz: "Da gibt es bei uns nur wenige Regionen, wo das überhaupt möglich ist."

Quelle: RP
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