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Schwalmtal
Würgeschlangen im Gebüsch entsorgt

Schwalmtal. Ein offenbar überforderter Tierhalter hat in Schwalmtal zehn tote Würgeschlangen in einer öffentlichen Grünanlage entsorgt. Laut Statistischem Bundesamt verenden jährlich 800.000 eingeführte Reptilien in Deutschland. Von Christian Schwerdtfeger

Es war ein grausiger und ungewöhnlicher Fund, den Spaziergänger in Schwalmtal am vergangenen Freitagabend machten. Neben einer Kartbahn lagen inmitten eines Grünstreifens neben Büschen und Gestrüpp zehn tote Schlangen. Die durch die Kadaver erschreckten Passanten alarmierten sofort die Polizei, die wenig später mit Reptilien-Experten der Düsseldorfer Feuerwehr anrückte. Die Experten kontrollierten zunächst, ob eines der Tiere noch lebte. Als sie aber schnell feststellten, dass das nicht der Fall war, untersuchten sie die Kadaver. "Es handelte sich um verschiedene Würgeschlangen, aber für Menschen ungefährliche Python-Arten", erklärte ein Feuerwehrsprecher. Die Schlangen wurden in blaue Plastiktüten gepackt und abtransportiert.

Die Reptilienexperten vermuten, dass die Kadaver schon länger am Fundort lagen - mindestens zwei Tage. Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass der Besitzer die Tiere möglicherweise bewusst verenden lassen und sie dann ins Gebüsch geworfen hat. Von dem Tierhalter fehlt jede Spur.

Die Schlangen wie auch andere giftige Tiere können im Internet bestellt werden. Fast alle Arten werden dort angeboten – ob giftig oder vom Aussterben bedroht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verenden jährlich bis zu 800.000 Reptilien, die nach Deutschland eingeführt wurden. Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer noch um 25 Prozent höher liegt. Die Tiere werden zum Teil sogar per Post bis an die Haustür geliefert. Der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) schätzt, dass bundesweit in mehr als vier Millionen Privathaushalten wildlebende Arten gehalten werden. Viele Käufer sind schnell überfordert mit den Tieren und geben sie wieder ab. Laut Tierschutzbund mussten Tierheime in den vergangenen fünf Jahren rund 30 000 Reptilien aufnehmen, darunter gefährliche Arten wie Schnappschildkröten und Riesenschlangen.

Einen spektakulären wie auch gefährlichen Fund machte die Feuerwehr vor wenigen Monaten in einer verwahrlosten Wohnung in Düsseldorf. Mitarbeiter des Ordnungsdienstes entdeckten 30 Schlangen, davon fünf extrem giftige Reptilien, darunter eine Mamba, eine Speikobra, eine Bambusotter und zwei Klapperschlangen. Diese Arten können durch Bisse beim Menschen lebensgefährliche Verletzungen hervorrufen. Die Haltung giftiger Haustiere sorgt seit Jahren für Aufregung. Immer wieder entweichen die gefährlichen Exoten aus ihren Terrarien und können zur tödlichen Gefahr für ihren Besitzer und andere werden. So war zuletzt etwa ein 53-Jähriger aus Kerken von seiner eigenen Puffotter lebensgefährlich verletzt worden. Vor einem Jahr sorgte zudem ein Duisburger nach einem Klapperschlangenbiss für bundesweite Schlagzeilen, weil ein Polizeihubschrauber das Gegenmittel aus München einfliegen musste.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat bereits Konsequenzen aus der steigenden Zahl von Vorfällen mit giftigen und gefährlichen Tieren gemacht und auf Initiative von Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) Eckpunkte für ein Gefahrtiergesetz verabschiedet. Damit soll die private Haltung von besonders gefährlichen, vor allem giftigen Tieren, grundsätzlich untersagt werden. Demnach dürfen zukünftig zum Schutz der Allgemeinheit gefährliche Arten wie Webspinnen, Skorpione, blaugekringelte Kraken und Panzerechsen nicht mehr in den eigenen vier Wänden gehalten werden. Auf der Verbotsliste stehen aber auch Hyänen, Großkatzen und Affenarten.

Tierschützer begrüßen den Gesetzesentwurf als "längst überfälligen Schritt". Doch zoologische Tierhandlungen halten die Verschärfungen für übertrieben. Sie haben sogar im Internet eine Initiative gegen die geplante Gesetzesänderung gegründet.

Quelle: RP
 
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