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Badeunfall in Wasserski-Anlage
13-jähriger Junge ertrinkt in Langenfelder See

13-Jähriger stirbt nach Badeunfall in Langenfeld
13-Jähriger stirbt nach Badeunfall in Langenfeld FOTO: Patrick Schüller
Langenfeld. Beim Schwimmen in einem See in Langenfeld ist am Wochenende ein 13-Jähriger verunglückt und einige Stunden später gestorben. Sein 15-jähriger Bruder konnte gerettet werden. Beide erlitten wohl einen Krampf. Die Eltern mussten alles mitansehen. Von Thomas Gutmann und Christian Schwerdtfeger

Es ist gegen 18 Uhr, als am Freitagabend Badegäste und einige Mitarbeiter der Wasserski-Anlage in Langenfeld die panischen Hilferufe hören. Einige Jugendliche ziehen einen 15-Jährigen aus dem Wasser. Die Teenager erklären, dass der zwei Jahre jüngere Bruder des Geretteten untergegangen sei. Sofort springt ein Mann ins Wasser und sucht nach dem Jungen - vergeblich. Rettungskräfte aus Langenfeld, Monheim, Düsseldorf und Hilden treffen ein. Taucher der Feuerwehr suchen nach dem 13-Jährigen und finden in schließlich in siebeneinhalb Meter Tiefe. "Zu diesem Zeitpunkt dürfte der Junge aber schon etwa eine dreiviertel Stunde unter Wasser gewesen sein", sagte Stephan Hopp, Dienstgruppenleiter der Kreispolizei Mettmann. Dennoch gelingt es den Notärzten noch, den 13-Jährigen wiederzubeleben. Doch am Samstagmorgen stirbt er in der Uniklinik Düsseldorf. Sein Bruder blieb unverletzt.

Die Eltern des Jungen mussten die Rettungsaktion mitansehen. Sie wurden von Notfallseelsorgern betreut. Warum die Brüder untergingen, ist nicht genau klar. "Sie könnten Krämpfe bekommen haben", sagte der Polizeisprecher. "Dass sie schwimmen konnten, davon ist auszugehen. Sonst hätten sie sich ja nicht ins Wasser begeben." Die Wassertemperatur in den Seen beträgt derzeit nach Betreiber-Messung etwa 22 Grad. Wasserski-Betreiber Johannes Sühs erklärte, dass sich der Unfall in einem Bereich des Geländes ereignet habe, der "nicht zum Baden freigegeben" sei. "Baden ist bei uns nur am großen Strand rechts unterhalb des Eingangs erlaubt - das steht auch groß auf einem Schild, an dem jeder vorbeikommt." Der Grund: Nur dieser Bereich stehe unter ständiger Beobachtung von Mitarbeitern, Wasserski-Läufern oder anderen Besuchern.

Mit Badeverbotsschildern rund um die Seen tut sich Sühs nach eigenen Worten schwer: "Die Wassserskifahrer schwimmen ja auch ans Ufer. Wer will das auseinanderhalten?" Es ist erst das zweite tödliche Badeunglück in unserer Region in diesem Sommer. Zuvor war ein zehn Jahre altes Kind in der Niers ertrunken. Dass es bislang vergleichsweise wenige Badetote gegeben hat, führen Experten vor allem auf das schlechte Wetter zurück. "Es regnet zu viel, da geht kaum einer schwimmen", sagte ein Sprecher der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Sollte es im Juli und August über eine längere Distanz warm bleiben, dürfte sich leider auch, so schätzt er, die Zahl der Badetoten wieder erhöhen. Rettungsschwimmer der DLRG machen derzeit mit umfangreichen Aufklärungskampagnen auf die Gefahren beim Baden aufmerksam. Besondere Zielgruppe sind Flüchtlinge.

Denn schon im vergangenen Jahr waren die Hälfte aller Badetoten in NRW Asylsuchende. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Anzahl der im Land lebenden Flüchtlinge jedoch noch einmal deutlich erhöht. "Sie unterschätzen einfach die Risiken der hiesigen Gewässer. Flüsse wie der Rhein oder Baggerseen sind gefährlich", so ein Rettungsschwimmer der DLRG. Auch der zehn Jahre alte Junge, der in der Niers vor drei Wochen ertrunken ist, soll ein Flüchtlingskind gewesen sein.

Mit Zeichnungen und mehrsprachigen Regeln warnen bereits viele Schwimmbäder in Deutschland die Flüchtlinge vor den Gefahren des Wassers. Sie weisen darin unter anderem auf unterschiedliche Wassertiefen hin. Es geht in den Flyern aber auch um interkulturelle Themen. Das Infoblatt, das auch von der Deutschen Gesellschaft für Bäder vertrieben wird, ist unlängst um den Aspekt sexuelle Belästigung ergänzt worden. Jetzt heißt es darin: "Sexuelle Belästigungen, zum Beispiel durch anzügliche Gesten, Äußerungen und körperliche Annäherungen sowie unerwünschte Berührungen sind nicht erlaubt."

Bei den Betreibern der Wasserski-Anlage in Langenfeld sitzt der Schock nach dem Unglück tief. Nach Angaben von Johannes Sühs ist die Tragödie von Freitag erst der zweite tödliche Badeunfall in der 40-jährigen Geschichte der Berghausener Anlage. Der erste habe sich etwa Anfang der 80er Jahre ereignet. Sportunfälle von Wasserskifahrern kämen aber regelmäßig vor.

Quelle: RP
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