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19-Jährige nach Hirntod-Diagnose aufgewacht

In Dänemark wird der Fall einer jungen Frau diskutiert, die nach einem schweren Unfall von Ärzten für hirntot und zur Organspenderin erklärt worden war. Kurz darauf konnte sie durch eine Operation gerettet werden. In Deutschland sei das nicht vorstellbar, erklärt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Von Jörg Isringhaus und Jennifer Koch

Kopenhagen Es ist eine beängstigende Vorstellung: Kann ein Mensch für hirntot erklärt werden, obwohl sein Hirn noch funktioniert? Ein in Dänemark bekanntgewordener Fall sorgt derzeit für Diskussionen. Die Zeitung "Ekstra Bladet" hatte dort über eine 19-Jährige berichtet, die im Oktober vergangenen Jahres auf Djursland bei einem Autounfall schwer verletzt worden war. Nach einer Notoperation in der Uni-Klinik von Aarhus versetzten die Ärzte die junge Frau namens Carina in ein künstliches Koma. Zugleich stellten sie die Eltern vor die Wahl: entweder Carina an der Herz-Lungen-Maschine zu lassen, was bedeuten würde, dass ihre Organe funktionsfähig blieben, ihr Gehirn aber absterben würde. So könnten Carinas Organe gespendet werden. Oder die Herz-Lungen-Maschine auszuschalten, was nach Einschätzung der Ärzte Carinas sofortigen Tod zur Folge gehabt hätte.

Carinas Eltern entschieden sich dafür, ihre Tochter als Organspenderin am Leben zu erhalten – zumal die Ärzte versicherten, dass es keinerlei Hirnaktivitäten bei der 19-Jährigen gebe. Kurz darauf revidierten die Ärzte jedoch ihre Diagnose und schalteten die Herz-Lungen-Maschine aus. Carina zeigte Lebenszeichen, atmete selbstständig. Bei einer erneuten Untersuchung wurde festgestellt, dass die 19-Jährige einen ungewöhnlichen Bruch im Schädelboden hatte, der die Druckverhältnisse im Gehirn regulierte. Nach einer Operation konnte Carina zwei Wochen später die Klinik verlassen. Heute hat sie sich fast vollständig erholt.

Der Chefarzt der Klinik sagte gegenüber "Ekstra Bladet", dass die Eltern die Auskunft der Ärzte falsch verstanden hätten. Die Mediziner hätten von einem baldigen Hirntod gesprochen. Als Fazit habe die Klinik ihre Richtlinien geändert: Angehörige dürften künftig erst später bezüglich potenzieller Organspenden befragt werden. Es handele sich aber um einen Einzelfall, der sich nicht wiederholen könne.

In Deutschland wäre ein solcher Fall nicht vorstellbar – die Ärzte könnten zu seinem solch frühen Zeitpunkt nicht an die Angehörigen herantreten. "Die Hirntod-Diagnostik in Deutschland ist sehr sicher", sagt Julia Jakob, Sprecherin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Ein Patient gilt als hirntot, wenn Groß-, Klein- und Stammhirn ausfallen. Mediziner folgen dabei Kriterien, die die Bundesärztekammer festgelegt hat. Erst wenn die Diagnose abgeschlossen ist, kann die Organisation der Transplantation beginnen. Zudem sind Diagnose und Transplantation nach dem Transplantationsgesetz strikt voneinander getrennt. Ärzte, die mit der Diagnose betraut sind, dürfen nichts mit der Transplantation zu tun haben. Sie sind weder diejenigen, die Verwandte befragen, noch bereiten sie den Patienten auf die Organentnahme vor oder sind bei der Transplantation dabei. Dadurch soll ausgeschlossen werden, dass Ärzte in Versuchung geraten, die Diagnostik zu beschleunigen, um einem anderen Patienten durch die Transplantation zu helfen.

Die Kriterien für die Hirntod-Diagnose können in den Ländern variieren. In den meisten Ländern mit westlich geprägter Medizin gilt der Hirntod als Tod. Deutsche Organspender könnten sich sicher sein, dass die Ärzte bei der Diagnose sorgfältig und genau vorgehen, sagt Julia Jakob. "In Deutschland ist kein Fall bekannt, bei dem ein Patient nach der Hirntod-Diagnostik noch einmal zurückgekommen ist."

Quelle: RP
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