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Ravensburg
35 Menschen kaufen eine Kuh

Ravensburg. Seit Mitte September wird auf der Internetseite www.kaufnekuh.de "Crowd-Butchering" betrieben. Kunden erwerben online Anteile einer Kuh. Wenn das Tier ganz verkauft ist, bekommen sie das Fleisch offline mit der Post zugeschickt. Von Emily Senf

Die Kuh mit der Ohrnummer 7137 steht derzeit bei 69 Prozent. Ihre Tage sind gezählt. Wenn das Rind der Rasse Simmentaler Fleckvieh die 100-Prozent-Marke erreicht, wird es den Weg zum Schlachthof antreten müssen. Danach wird sein Fleisch per Post versandt. "Crowd-Butchering" nennt sich das Prinzip der Internetseite www.kaufnekuh.de, die Mitte September an den Start gegangen ist, und es funktioniert so: Erst wenn sich online 35 Anteilseigner für eine Kuh gefunden haben, geht es ihr offline an den Kragen.

Über sein Unternehmen verkauft der Niederländer Yvo van Rijen für 99,95 Euro etwa drei Prozent einer in Süddeutschland lebenden Kuh. 7,2 Kilogramm Fleisch sind das laut Angabe pro Käufer. "Gutes Rindfleisch von glücklichen Kühen, das direkt vom Landwirt nach Hause geliefert wird", verspricht der Unternehmer. In seiner Heimat hat er damit Erfolg. Dort hat van Rijen in diesem Jahr bereits etwa 300 Kühe via "Crowd-Butchering" verkauft. Inzwischen bietet er "Deluxe-Pakete" mit größeren Mengen Fleisch an. In Deutschland sind bislang zwei Rinder geschlachtet worden. Kuh 7137 aus Ravensburg ist das dritte Tier, das zum Verkauf steht.

Aktuell arbeiten für den deutschen Verkauf fünf Landwirte aus Baden-Württemberg mit dem Niederländer zusammen. Ihre Kühe gehören zur Rasse Simmentaler Fleckvieh, deren Fleisch als sehr schmackhaft gilt. Die Rinder stammen laut einer Sprecherin des Unternehmens aus familiengeführten Betrieben und genössen bis zu ihrer Schlachtung ein glückliches Leben mit viel Auslauf genießen. "Außerdem verpflichten sich unsere Landwirte dazu, ihnen überwiegend Futter aus eigenem Anbau und frei von Antibiotika zu geben", sagt die Sprecherin. Im Paket enthalten seien Angaben wie das Alter der Kuh und wo sie aufgewachsen ist. Mit Siegeln oder Zertifikaten belegen kann das Unternehmen die Abläufe jedoch nicht. "Die Kunden müssen sich auf unser Wort verlassen", sagt die Sprecherin.

Das Unternehmen wirbt mit Nachhaltigkeit. "Alles vom Tier wird verwendet", sagt die Sprecherin. Die Käufer erhalten deswegen die Kuh zu gleichen Teilen und können sich nicht etwa das beste Stück aussuchen. In den 7,2 Kilogramm schweren Paketen ist ein Vorrat an zwölf verschiedenen Rindfleischspezialitäten enthalten, darunter Filetsteak, Roastbeef, Rouladen, Suppenfleisch und Hack. Außerdem würden die Knochen zu Leim und die Haut zu Leder verarbeitet. Der Rest, wie etwa Organe, gehe in die Hundefutterproduktion, sagt die Sprecherin. Die Schlachtung übernehme ein kleiner Hof in Baden-Württemberg.

Von heute auf morgen kommt die Ware allerdings nicht bei den Kunden an. "In der Regel liegen zwischen der Bestellung und der Lieferung etwa vier Wochen", sagt die Sprecherin. 14 Tage davon wird das Fleisch in einer Reifekammer gelagert, damit es weich und aromatisch wird. Danach wird es per Express-Transport an die Kunden verschickt. "Dabei ist es gekühlt, nicht gefroren", sagt die Sprecherin. Die Fleischstücke werden einzeln vakuumverpackt in Thermobeuteln mit Kühlakkus transportiert. "Die Kühlung hält mehr als 36 Stunden", sagt die Sprecherin. "Wir erfüllen die hohen Auflagen, die gerade bei Hackfleisch gefordert sind." Ausgeliefert wird mittwochs und freitags zwischen acht und 16 Uhr.

Ebenfalls um Rinder, aber nicht um deren Fleisch, geht es auf der Internetseite www.kuhpatenschaft.de. Die Andechser Molkerei Scheitz GmbH in Oberbayern vermittelt darüber Patenschaften für ihre Milchkühe. Damit "können Milchliebhaber einen eigenen Beitrag zum Erfolg des ökologischen Landbaus leisten und gleichzeitig persönlich einzigartige Einblicke gewinnen", heißt es dort. Für 96 Euro im Jahr erhält der Pate Informationen über "seine" Kuh sowie zweimal jährlich ein Paket mit Produkten der Bio-Molkerei. Mit welcher Kuh er die Patenschaft eingeht, wählt der Kunde selbst - und sollte aufpassen. Denn bei der Beschreibung der Rinder ist die Molkerei gnadenlos ehrlich: "Hedera" (7) etwa hat abstehende Ohren, schnarcht und ist zickig. "Franzi" (3) mag Massagen, "Wendi" (3) versteckt sich gerne, "Olli" (9) hat Ohrhaare und der fünf Jahre alte "Mozart" hört gerne Musik.

Die Betreiber der "Crowd-Butchering"-Seite haben sich laut einer Sprecherin derweil ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Zehn Kühe pro Woche wollen sie bald in Deutschland verkaufen. Um dies zu schaffen, plant das Unternehmen, mit weiteren Landwirten in Baden-Württemberg und Bayern zusammenzuarbeiten. "Wir haben bereits zwei Anfragen", sagt die Sprecherin.

Quelle: RP
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