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Berlin
400 Frauen wollen in den Weltraum

Berlin. Eine private Initiative plant, die erste deutsche Astronautin ins All zu schicken.

Frauen, die in den Weltraum fliegen möchten, halten sich an Claudia Kessler. Mit ihrer Initiative "Die Astronautin" will die Luft- und Raumfahrttechnikerin einer Frau die Chance geben, ab 2020 für zehn Tage mit einer privaten Mission zur Internationalen Raumstation ISS zu fliegen - als erste deutsche, klassisch ausgebildete Astronautin. Gestern Abend stellte sie Kandidatinnen der mehr als 400 Bewerberinnen in Berlin vor. Ende September sollen die 90 feststehen, die eine Runde weiterkommen.

Bisher waren nur deutsche Männer im All - elf an der Zahl, zuletzt Alexander Gerst. Monatelang hat Kessler die Profile von Kampfpilotinnen, Ingenieurinnen oder Medizinerinnen gesichtet. Am liebsten wäre die Bremerin, die Personalvermittlerin in der Weltraum-Branche ist, selbst geflogen. "Aber ich war immer zur falschen Zeit im falschen Alter", sagt sie bedauernd. Bei der Mondlandung 1969 war sie vier.

Für Europa wählt die Europäische Raumfahrtagentur Esa aus, wer sich für Missionen eignet. Seit 1988 gibt es gemischte Teams, seit 20 Jahren ist der Anteil von 15 Prozent Frauen unter den Bewerbern gleich geblieben. Zuletzt stellte die Italienerin Samantha Cristoforetti den Rekord für Frauen mit fast 200 Tagen im Weltraum auf. Da die Europäer aber nur wenige Astronauten auf der einzigen Raumstation ISS stellen, ist die Chance auf die teure Ausbildung gering - das Korps besteht zurzeit nur aus 14 Astronauten. Unter den jüngsten sechs ist Jetpilotin Cristoforetti die einzige Frau.

Sponsoren sollen die mehr als 30 Millionen Euro teure Ausbildung und den Trip finanzieren. Kessler ist überzeugt, dass es klappt. Firmen würden im All gern Experimente durchführen lassen, etwa zur Materialforschung. Die Berliner Charité sehne sich nach Daten, wie Herz-Kreislauf-System, Muskeln oder Knochen von Astronautinnen reagierten. Ab Oktober geht es für die Kandidatinnen beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in die psychische und medizinische Testphase. Bis März 2017 soll eine Kandidatin feststehen - und die Finanzierung möglichst auch.

(emy/dpa)
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