Prozess-Auftakt am Chemnitzer Landgericht: 47-Jähriger lebendig begraben
zuletzt aktualisiert: 30.05.2000 - 15:21Chemnitz (AP). Wegen Mordes am Ehemann und Stiefvater müssen sich vor dem Chemnitzer Landgericht eine 34-jährige Frau, ihre 15-jährige Tochter sowie vier jugendliche Mittäter verantworten. Die Staatsanwaltschaft legte ihnen zum Prozessauftakt am Freitag zur Last, den 47-jährigen Mann im September vergangenen Jahres über mehrere Stunden hinweg zu Tode geprügelt zu haben. Den Sterbenden sollen sie noch vor Eintritt des Todes nahe seinem Haus im vogtländischen Reichenbach verscharrt haben. Bei den vier Jugendlichen handelt es sich um Bekannte von Tochter und Mutter im Alter zwischen 17 und 19 Jahren.
Der Schilderung der Staatsanwaltschaft zufolge legten sie am Tag nach der Tat die Leiche wieder frei, weil der Hund des Opfers an der Grabstelle in einem Maisfeld gescharrt hatte. Dann sollen sie sie zu einer zehn Kilometer entfernten Brücke gefahren und dort abgelegt haben, um einen Selbstmord vorzutäuschen.
Bekannte des Familienvaters hatten bei der Polizei aber Zweifel an einem Suizid angemeldet. Bei den weiteren Vernehmungen kamen die Ermittler den Angeklagten auf die Spur. Die Ehefrau und die Stieftochter waren nach Ansicht der Staatsanwaltschaft die treibende Kraft für die Tat. Sie hätten die übrigen Beschuldigten zu dem Verbrechen angestiftet, erklärte der Ankläger. Die Handlungen hätten sich in einem ohnehin gewalttätigen Milieu abgespielt. Am Tatabend habe sich eine lang angestaute Aggression entladen. Ein Motiv könnte in sexuellen Misshandlungen der Stieftochter liegen.
Drei der Angeklagten bestätigten am ersten Prozesstag im wesentlichen die Vorwürfe. Ein 17-Jähriger sagte aus, von einem gleichaltrigen Mitangeklagten stamme der Plan, sich im Haus der Familie zu verstecken und den heimkehrenden Vater von hinten zu erschlagen. Er selbst habe während der Tat auf den fünf Jahre alten gemeinsamen Sohn der Eheleute im ersten Stock aufgepasst. "Ich hab' anfangs nicht geglaubt, dass die das wirklich machen", sagte der Auszubildende.
Nach dem Mord hätten alle Beschuldigten noch im Haus des Opfers geschlafen. Als die Beamten bei ihren Ermittlungen auch zu ihm gekommen seien, sei er froh gewesen, "dass alles vorbei war". Auch der andere 17-Jährige bestätigte in seiner Aussage den in der Anklageschrift geschilderten Tatverlauf.
Der Prozess ist auf vier Tage angesetzt. Möglicherweise wird bereits in der nächsten Woche das Urteil gesprochen.
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