Gewehr von Tatverdächtigen ist die Mordwaffe: Heckenschützen-Fall ist gelöst
zuletzt aktualisiert: 25.10.2002 - 14:47Washington (dpa). Die US-Polizei ist sich nach eigenen Angaben völlig sicher, dass ihr mit John Allen Muhammad und John Lee Malvo die gefürchteten Heckenschützen ins Netz gegangen sind. Bereits an diesem Freitag wollen die Staatsanwaltschaften in Washington, Maryland und Virginia darüber beraten, in welchem Rechtsgebiet Anklage erhoben werden soll.
Die Polizei teilte auf einer mit Spannung erwarteten Pressekonferenz mit, dass ein bei zwei festgenommenen Tatverdächtigen gefundenes Gewehr die Waffe ist, mit der die Mordserie begangen wurde. Das hätten ballistische Tests ergeben, sagte Mike Bouchard von der an den Ermittlungen beteiligten Behörde für Alkohol, Tabak und Feuerwaffen.
Nach Einschätzung von Rechtsexperten haben die Behörden damit einen "entscheidenden Beweis" gegen den 41-jährigen Golfkriegsveteranen John Allen Muhammad und den 17-jährigen aus Jamaika stammenden John Lee Malvo in der Hand. Sie waren am frühen Donnerstagmorgen (Ortszeit) rund 80 Kilometer von Washington entfernt in ihrem Auto aufgespürt und festgenommen worden.
"Wir fühlen uns gut. Wir haben die Waffe, sie ist nicht mehr auf der Straße", sagte Fahndungsleiter Charles Moose, im Zuge der Ermittlungen international ein bekanntes Gesicht geworden, auf der Pressekonferenz. Seine Stimme war tränenerstickt, als er über die Opfer der Anschläge sprach.
Bereits vor der Pressekonferenz hatten sich die Hinweise gehäuft, dass es sich bei den Verhafteten tatsächlich um die Personen handelt, die für insgesamt 13 Anschläge mit 10 Toten und 3 Schwerverletzten verantwortlich sind. Nach Medienberichten deuten darauf auch eine "Scharfschützen"-Erfahrung Muhammads sowie eine Art Schießscharte in dem Fahrzeug hin, in dem das Duo gestellt wurde. Danach wies das Auto im Kofferraum zwei große Löcher auf - eines für den Gewehrlauf und eines für das Zielfernrohr.
Die Polizei schließt daraus, dass zumindest bei mehreren der Anschläge aus dem Kofferraum heraus geschossen wurde. Sie nannten das Fahrzeug in diesem Zusammenhang eine "wahre Tötungsmaschine".
Muhammad, dessen Nachname auch als Williams bekannt ist, und Malvo wurden bereits am Donnerstag einem Bundesrichter im Staat Maryland vorgeführt, aber noch nicht im Zusammenhang mit den "Sniper"-Attacken angeklagt. Die Staatsanwaltschaften in den verschiedenen Rechtsbezirken, in denen die Anschläge stattfanden, wollen an diesem Freitag erst einmal über das weitere Vorgehen beraten.
Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wo die erwarteten Mordanklagen erhoben werden. Die meisten tödlichen Anschläge ereigneten sich im Bundesstaat Maryland, einige aber auch in Virginia, und ein einziges Attentat fand in Washington statt. Virginia gilt als Staat mit dem härtesten Vorgehen in Mordprozessen, in denen dem oder den Angeklagten die Todesstrafe droht. Virginia hat bereits sein "Interesse" daran bekundet, hier die Prozesse stattfinden zu lassen.
Muhammad wurde am Donnerstag zunächst wegen verbotenen Waffenbesitzes in einem Fall angeklagt, der nicht im Zusammenhang mit den "Sniper"-Attacken steht und seinen Ausgangspunkt im US- Westküstenstaat Washington hat. Dort lebt eine von zwei Ex-Ehefrauen des 41-jährigen. Sie fühlte sich nach Medienberichten von ihrem einstigen Mann bedroht und hatte im Jahr 2000 eine gerichtliche Anordnung erwirkt, nach der Muhammad ihr nicht nahe kommen durfte. Diese Verfügung schloss ein Verbot ein, eine Waffe mit sich zu führen - woran sich Muhammad aber nach Angaben der Behörden im Staat Washington nicht hielt.
Malvos erster Auftritt vor Gericht fand hinter verschlossenen Türen statt, weil es sich um einen Minderjährigen handelt. Dem Vernehmen nach wird er vorerst als "wichtiger Zeuge" im "Sniper"-Fall festgehalten. Sein Verhältnis zu Muhammad ist unklar: Dem US-Sender CNN zufolge ist Muhammad entgegen ersten Berichten nicht der Stiefvater des Teenagers.
Wie CNN weiter berichtete, glänzte der Armeemechaniker während seiner insgesamt mehrjährigen Militärzugehörigkeit durch seinem "geschickten" Umgang mit M-16-Gewehren. Er habe mehrfach Auszeichnungen als Scharfschütze erhalten, hieß es. Die M-16 ist die militärische Version des Gewehres der Marke "Bushmaster. 223", das im Auto der beiden Tatverdächtigen gefunden worden war.
Muhammad und Malvo waren um kurz nach drei Uhr am Donnerstagmorgen gestellt worden, während sie auf dem Rastplatz in ihrem Chevrolet Caprice schliefen. Zuvor war eine Großfahndung nach dem Auto ausgelöst worden. Entdeckt wurde das Fahrzeug schließlich von einem Lastwagen-Fahrer, der die Polizei alarmierte und sich damit vermutlich die für die Ergreifung der Täter ausgesetzte Belohnung von 500 000 Dollar verdient hat. Kommt es so weit, wird sie der Fahrer nach eigenen Angaben aber wahrscheinlich nicht behalten: Er denkt daran, sie an die Familien von Opfern der Anschläge weiterzugeben.
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