20 Spezialisten versuchen, die Babies zu trennen: Ärzte ringen nach vier Tagen weiter um Trennung von Zwillingen
zuletzt aktualisiert: 09.04.2001 - 16:03Singapur (rpo). Auch am vierten Tag einer rekordverdächtigen Marathon-Operation haben Ärzte in Singapur weiter um die Trennung eines siamesischen Zwillingspaars gerungen. Nach mehr als 75 Stunden hieß es, der Eingriff verlaufe zwar langsam, aber ohne Schwierigkeiten.
Es gebe "soweit keine Komplikationen", die beiden an den Köpfen zusammen gewachsenen, elf Monate alten Mädchen aus Nepal zu trennen, sagte der Sprecher des General Hospital in Singapur, Ho Lasi Fung. An der Operation sind 20 Spezialisten beteiligt. Ursprünglich war der hoch komplizierte Eingriff auf 36 Stunden angesetzt worden.
Doch das gefährlichste Hindernis haben die Mediziner bereits überwunden: Die Trennung einer gemeinsamen Vene, die das Blut von den Gehirnen zu den Herzen leitet. "Die komplexen und verzweigten Gefäßverbindungen habe eine peinlich genaue Unterbrechung nötig gemacht, um den Hirnen Zeit zu geben, sich anzupassen", sagte Ho. Die Experten geben den Mädchen eine 80-prozentige Überlebenschance.
Für die nepalesischen Eltern, Sandhya Shrestha (24) und Bushan K.C. (25), bleibt derweil nur Hoffen, Bangen und Warten. "Die meiste Zeit haben wir geweint", sagt Bushan. Manchmal suchen sie in Gebeten Beistand in einem Sikh-Tempel in der Nähe des Krankenhauses. Ohne einen Pfennig waren sie in den reichen Statstaat Singapur gekommen, auf der Suche nach Hilfe für ihre Töchter Ganga und Jamura.
Überwältigende Unterstützung
Die Unterstützung war überwältigend: Nach Veröffentlichungen in Zeitungen über das Schicksal der Familie spendeten Singapurs Bürger umgerechnet mehr als 800.000 Mark. Die Ärzte des General Hospital verzichteten auf ihr Honorar. Jeden Tag titelt die Zeitung "Straits Times" über den Verlauf der Operation. Zu den Ärzten gehören mehr als ein Dutzend Spezialisten, darunter Anästhesisten, plastische Chirurgen, Neurochirurgen und Neurologen. Sie arbeiten in mehreren Teams und gestatten sich nur kurze Pausen.
Das Medizinerteam um Neurochirurg Keith Goh hat sich indes gut vorbereitet: So informierte sich die Ärzte im australischen Brisbane über die Risiken der Operation. Dort trennten im vergangenen Oktober Ärzte an den Köpfen zusammen gewachsene siamesische Zwillinge. Goh telefonierte überdies lange mit dem Mediziner Benjamin Carson, der 1997 in Südafrika Zwillinge in einem ähnlichen Fall trennte. "Die Operation dauert länger als erwartet, weil es sich um Kleinkinder handelt", sagt eine Sprecherin des Krankenhauses.
Unterdessen fiebern nicht nur die Eltern, sondern auch das Krankenhauspersonal in Singapur dem Ende der Operation entgegen. Seit sechs Monaten sind die Zwillinge nun schon in der Obhut der Klinik. "Und ich liebe sie, als wären sie meine eigenen", sagt Kamsiah Jaafar, die Oberschwester der Kinderstation.
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