EU-Kommission stellt 750 Millionen Euro bereit: Algerien: Leichensuche in meterhohen Schlammmassen
zuletzt aktualisiert: 14.11.2001 - 16:22Algier (rpo). Vier Tage nach der Unwetterkatastrophe in Algerien haben Rettungskräfte und hunderte Freiwillige am Mittwoch in meterhoch mit Schlamm bedeckten Straßen der Hauptstadt Algier weiter nach Toten gesucht.
Die Zahl der Opfer erhöhte sich auf fast 650. In den letzten 24 Stunden seien 47 weitere Leichen geborgen worden, teilten die Behörden mit. Hunderte Menschen wurden noch vermisst, tausende waren obdachlos.
Innenminister Nourredine Yazid Zerhouni erklärte im staatlichen Rundfunk, es gebe keine Hoffnung mehr auf Überlebende unter den Schlammmassen. Es sei ein Wunder, dass am Montag noch drei Menschen lebend geborgen worden seien. Nunmehr werde schweres Gerät bei den Aufräumarbeiten eingesetzt.
In dem besonders betroffenen Stadtteil Bab El Oued wuchs die Kritik an den Behörden. Sie seien unfähig, die Folgen der nationalen Katastrophe zu bewältigen. Soldaten waren an größeren Kreuzungen stationiert, andere beteiligten sich an den Bergungsarbeiten. Nach Presseberichten könnten bei den schwersten Regenfällen der letzten Jahrzehnten in Algerien bis zu 1.000 Menschen ums Leben gekommen sein.
Zahlreiche Opfer waren in den städtischen Leichenhallen aufgebahrt. Viele Leichen sind verstümmelt oder bereits im Stadium der Verwesung, was ihre Identifizierung erschwert. Allein in Algier sind bislang 585 Tote registriert worden. Am Friedhof El Alia waren etwa 50 oft noch mit Schmutz bedeckte Leichen in Sperrholzsärgen aufgebahrt. Tausende Menschen drängten sich dort, um etwas über ihre vermissten Verwandten oder Freunde zu erfahren.
"Mein Vetter ist seit Samstag verschwunden. Ich habe keine Hoffnung mehr", sagte der 34 Jahre alte Mohand. Auf einem Kindersarg stand mit Kreide geschrieben "Kind, dunkelhaarig". Die Leiche sei seit vier Tagen dort, niemand habe nach dem etwa sechs Jahre alten Jungen gefragt, berichtete eine freiwillige Helferin.
Derweil stellte die EU-Kommission Algerien gut 750.000 Euro (rund 1,5 Millionen Mark) an humanitärer Hilfe zur Verfügung. Das Geld werde für Notbehausungen, Kleidung, Decken, Trinkwasser und Medikamente verwendet, teilte die Brüsseler Behörde mit. Verteilt werden sollen die Hilfsmittel von internationalen Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz und Ärzte ohne Grenzen.
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